# taz.de -- Waldwanderer über Forstarbeit und Klima: „Mir ging es vor allem darum, Hoffnung zu geben“
> 2021 kündigte Gerald Klamer Job und Wohnung und wanderte los. Sein Ziel:
> herausfinden, wie es dem Wald geht. Und zu seiner Rettung beitragen.
(IMG) Bild: Abgestorbene Fichten am Wurmberg im Sommer 2022: Den Harz bezeichnet Gerald Klamer als Katastrophengebiet
taz: Herr Klamer, warum sind Sie 6.000 Kilometer durch den Wald spaziert?
Gerald Klamer: Weil sich die Situation der deutschen Wälder seit den
Dürrejahren ab 2018 [1][zunehmend verschlechtert hat und sich unsere Sicht
auf die Wälder und deren Bewirtschaftung ändern muss]. Ich war schon immer
ein begeisterter Wanderer und dachte mir, dass es ein schönes, öffentlich
wirksames Projekt sein könnte, wenn ich meine Leidenschaft für das Wandern
und meinen beruflichen Hintergrund als Förster miteinander vereine.
taz: Was haben Sie dabei herausgefunden?
Klamer: Dass die Gesamtsituation der Wälder, wie erwartet, [2][ziemlich
schlecht ist]. Mir ging es aber vor allem darum, Hoffnung zu geben und
anhand von Beispielen zu zeigen, wie die Forstwirtschaft die Auswirkungen
des Klimawandels abmildern kann.
taz: Deutschland hat vornehmlich Fichtenwälder. Wieso leidet gerade diese
Baumart unter den Folgen des Klimawandels?
Klamer: Fichten würden natürlicherweise nur im hohem Norden und in
Bergregionen vorkommen, da die Baumart es kühl und feucht liebt. Sie wurden
aber aus menschlichem Interesse an Holz vielerorts angepflanzt, wo sie von
Natur aus nicht vorkommen würden. Deswegen hatten Fichten schon immer
Probleme mit Stürmen oder Borkenkäfern. Durch die Dürrejahre haben sich
diese Probleme massiv verschärft, weil Fichten nicht gut mit Trockenheit
umgehen können, weshalb es wichtig ist, reine Fichtenwälder zu Mischwäldern
umzubauen. [3][Am schlimmsten für den Wald ist es], wenn riesige
Kahlflächen entstehen, weil dort dann extreme Temperaturen herrschen
können, die die Wiederbewaldung erschweren.
taz: Durch den Klimawandel wird der Befall durch Borkenkäfer begünstigt und
viele befallene Bäume werden durch die Forstwirtschaft gefällt. Ist es
besser, tote Bäume stehen zu lassen?
Klamer: Für die Wiederbewaldung wäre es tatsächlich besser, sie stehen zu
lassen. Das weiß eigentlich auch jeder. Im Berufsverständnis der Förster
ist es aber sehr fest verankert, dass das Holz genutzt werden muss.
taz: Zu Ihrer Entscheidung, den Beruf als Forstbeamter aufzugeben, bewogen
Sie auch Dinge, die Sie im Rahmen der Waldbewirtschaftung tun mussten.
Inwiefern trägt die Forstwirtschaft sogar zu einer Verschlechterung der
Wälder bei?
Klamer: Zum Beispiel durch die zu starke Befahrung der Waldböden. Bei uns
werden seit 1990 mit zunehmender Tendenz große Maschinen eingesetzt, die
den größten Teil der Holzernte erledigen. Dafür werden alle 20 Meter
Rückegassen, also vier Meter breite Fahrspuren, angelegt. Weil die
Maschinen so schwer sind, verdichten sie den Boden, der dann wiederum
weniger Wasser speichern kann. Außerdem kann die Bodenverdichtung bei
Starkregenereignissen unter Umständen Hochwasser verschärfen.
taz: Was können forstwirtschaftliche Betriebe anders machen?
Klamer: Es sollten beispielsweise Rückegassen mit einem Abstand von
mindestens 40 Metern eingeführt werden und vor allem die Buchenwälder
sollten nicht so stark aufgelichtet werden.
taz: Wo sind die Wälder am schlimmsten betroffen?
Klamer: Das größte Katastrophengebiet ist der Harz, aber auch im Sauerland
und Teilen des Thüringer Walds sieht es schlecht aus.
taz: Und was sind Positivbeispiele?
Klamer: Was das Thema Waldumbau angeht, ist ein Positivbeispiel der
Forstbetrieb Eibenstock in Sachsen im Erzgebirge. Dort hat man es bis heute
geschafft, auf fast der gesamten Fläche Mischwald zu etablieren und man
hält die 40 Meter Abstände der Rückegassen ein.
taz: Wie können wir als Einzelpersonen zu der Erhaltung der Wälder
beitragen?
Klamer: Auf der individuellen Ebene ist da nicht viel zu machen. Wichtig
ist, dass die Rahmenbedingungen von der Politik geändert werden. Und wenn
sich Menschen zu Waldinitiativen zusammenschließen, können sie auf
kommunaler Ebene durchaus Einfluss auf die Waldbewirtschaftung nehmen.
Ansonsten sollte man natürlich möglichst ressourcensparend leben und auf
Holz als Heizmittel verzichten.
20 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mara Schaaf
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