# taz.de -- Steuerpläne von Lars Klingbeil: Etikettenschwindel mit Ansage
> Die Steuerentlastungen fallen sehr bescheiden aus. Und die, die es
> wirklich nötig hätten, zahlen ohnehin gar keine Steuern.
(IMG) Bild: Klingbeil hat gut lachen
Versprochen ist versprochen. Man werde Menschen mit kleinen und mittleren
Einkommen entlasten, proklamierte die SPD vor der Bundestagswahl. [1][Und
jetzt macht Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil ernst und legt einen
Gesetzentwurf vor], demzufolge etwa eine Familie – sie Elektrikerin, er
Erzieher – mit zwei Kindern am Jahresende rund 640 Euro zusätzlich zur
Verfügung hat. Hurra? Na ja.
Wirksam werden die Steuererleichterungen erst in zwei Jahren, und ein
Gutteil davon wird durch steigende Sozialbeiträge und die Inflation wieder
aufgefressen werden. Letztere auszugleichen und die Grenzen für das
steuerfreie Einkommen anzupassen, dazu ist der Finanzminister
grundgesetzlich sogar verpflichtet. Was Klingbeil hier vorlegt, ist ein
Etikettenschwindel, aber der kommt mit Ansage. Denn obwohl bei den
Einzelnen am Ende gar nicht so viel ankommt, kosten Steuersenkungen viel
Geld. Deshalb haben sich Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen
vorsorglich auf eine Obergrenze von 10 Milliarden Euro über einen Zeitraum
von zwei Jahren geeinigt.
Klingbeil hält sich exakt an diese Vorgabe und verteilt innerhalb der
Einkommensteuer etwas um. Dass der SPD-Chef es geschafft hat, die
Reichensteuer für Topverdienende zum Missfallen der Christdemokraten etwas
anzuheben, ist löblich, aber kein Grund, ihm den Robin-Hood-Orden zu
verleihen. Schließlich betrug der Spitzensteuersatz unter CDU-Kanzler
Helmut Kohl anfänglich sogar 56 Prozent.
## Die CDU bleibt Antworten schuldig
Hinzu kommt, dass diejenigen, bei denen das Geld wirklich knapp ist, gar
nichts von Klingbeils Steuerreform haben: Etwa ein Viertel der
Arbeitnehmer:innen zahlt keine Steuern. Ihre Einkommen liegen unter
der Freibetragsgrenze; das heißt, sie verdienen gerade mal das
Existenzminimum. Die CDU, allen voran Wirtschaftsministerin Katherina
Reiche, [2][ist vor allem empört, weil Klingbeil gutverdienende Menschen
nicht stärker entlastet.] „Heul nicht, Katherina“, mag man ihr zurufen.
Denn erstens gibt die CDU keine Antworten, wie sie das finanzieren will,
und zweitens widersetzt sie sich allen Vorschlägen, die Menschen ganz
praktisch Luft verschaffen könnten, etwa einer Entlastung bei den
Energiepreisen.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob der Staat momentan überhaupt
Steuergeschenke machen sollte, braucht er doch Geld, um Deutschland gegen
die Bedrohungen von außen zu wappnen, die Infrastruktur auf Vordermann zu
bringen und die Weichen für eine fossilfreie Wirtschaft zu stellen. Auch
das hat die SPD versprochen, und davon hätten alle Bürger:innen etwas.
2 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/politik/deutliche-kritik-am-eigenen-bundeskanzler-klingbeil-wirft-reiche-im-streit-um-steuerreform-beschadigung-der-regierung-vor-16005310.html
(DIR) [2] https://www.spiegel.de/wirtschaft/lars-klingbeil-wirtschaftsministerium-wirft-finanzminister-heimliche-steuererhoehung-vor-a-11292b8a-1699-44f6-892b-ab30d87b8a44
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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