# taz.de -- Pläne zur Zuckersteuer auf Getränke: Steilvorlage für die Zuckerlobby
> Auch wenn Finanzminister Klingbeil teilweise zurückrudert: Die wohl
> geplante Ausdehnung der Zuckersteuer auf mehr Getränke würde nach hinten
> losgehen.
(IMG) Bild: Ein Zuckerli für die Sacharose-Advokatie dank Lars Klingbeil
Das Bundesfinanzministerium hat dem sinnvollen Anliegen einer
[1][Zuckersteuer] auf Erfrischungsgetränke einen Bärendienst erwiesen. Die
von SPD-Chef Lars Klingbeil geleitete Behörde lieferte in einem
Eckpunktepapier den Gegnern der Abgabe eine wahre Steilvorlage: Denn das
Papier ist in sich nicht schlüssig, es verstößt gegen die Beschlusslage der
Koalition und provoziert Widerspruch, der das gesamte Projekt gefährdet.
Das Kabinett hatte nur beschlossen, „eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke
einzuführen“. Die Reformkommission zur gesetzlichen Krankenversicherung
(„Finanzkommission Gesundheit“) hatte genau das empfohlen. Also für
Limonaden oder Softdrinks, von denen schon eine Flasche ein Vielfaches der
empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten kann. Modellrechnungen
prognostizieren bei Einführung einer solchen Steuer zum Beispiel [2][pro
Jahr mehrere Tausend weniger neue Fälle von Typ-2-Diabetes].
Doch das Eckpunktepapier wollte etwa auch Fruchtnektar, Kaffee-, Milch- und
pflanzliche Getreidedrinks mit der neuen Steuer belegen, wenn sie
mindestens 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten.
100-prozentiger Fruchtsaft soll von der Zuckersteuer ausgenommen werden,
weil er anders als Softdrinks wertvolle Nährstoffe wie Vitamine liefert.
Wenn diese Säfte aber mit Wasser zu einer Schorle verdünnt werden, könnte
die Steuer sie eventuell doch erfassen.
Immerhin hat Klingbeil einen Tag nach Bekanntwerden des Papiers einen der
Eckpunkte kassiert: Getränke mit Süßstoffen sollen doch nicht der
Zuckersteuer unterliegen. Verbraucherschützer würden zwar auch gern Cola
Zero und Co besteuert wissen, damit die Menschen sich nicht an sehr süße
Getränke gewöhnen.
## Eine Ausweitung bedroht die Kernidee
Doch dann würde eben eine Zuckersteuer für Produkte ohne Zucker fällig. Das
lässt sich schwer kommunizieren – und wäre in einer Koalition mit der Union
derzeit nicht durchsetzbar. In der Folge hat zum Beispiel Hessens
CDU-Ministerpräsident Boris Rhein die Zuckersteuer insgesamt abgelehnt.
Mit solchen Reaktionen musste auch das Finanzministerium rechnen. Klingbeil
kann sich nicht damit herausreden, dass das Eckpunktepapier „intern“
gewesen sei. Schließlich hat sein Ministerium es schon beispielsweise an
das Agrarressort geschickt, das die Abgabe von Anfang an abgelehnt hatte.
Deshalb ist diese Frage nicht ganz abwegig: Wollte das oft sehr
wirtschaftsnahe Finanzministerium die Zuckersteuer durch eine absurde
Vorlage sabotieren?
26 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Eckpunkte-fuer-Zuckersteuer/!6207092
(DIR) [2] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/FinanzKommission_Gesundheit/FinanzKommissionGesundheit_Erster_Bericht_20260330.pdf
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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