# taz.de -- EU-Kommission zur Nitratrichtlinie: Überdüngung mit Nitrat kostet die Allgemeinheit Milliarden
> Verschmutztes Grundwasser, Algenblüten, Gift – die Schäden durch zu viel
> Stickstoffdünger kosten die Allgemeinheit bis zu 182 Milliarden Euro pro
> Jahr.
(IMG) Bild: Auch das ist ein Stickstoffdünger: Traktor spritzt Gülle auf eine Wiese in Bayern
Die Stickstoffverschmutzung aus der [1][Landwirtschaft] kostet die
Gesellschaft in der EU nach Schätzungen 68 bis 182 Milliarden Euro
jährlich. Das geht aus der ersten umfassenden Evaluation der
Nitratrichtlinie von 1991 hervor, die die EU-Kommission nun veröffentlicht
hat.
Zu hohe Konzentrationen der Stickstoffverbindung Nitrat aus Düngern „machen
[2][Süßwasser als Quelle für Trinkwasser ungeeignet] oder verursachen
zusätzliche Kosten für die Wasseraufbereitung“, heißt es in der
Untersuchung. Denn Nitrat kann im Körper über Nitrit zu krebserregenden
Stoffen umgewandelt werden. In Flüssen, Seen und Meeren wachsen Algen und
andere Pflanzen laut Kommission wegen der Dünger übermäßig stark. „Das kann
zu Sauerstoffmangel und zur Freisetzung giftiger Stoffe führen und so
Wasser- und Meeresökosysteme schädigen.“
Deshalb legt die [3][Richtlinie zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung
durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen] einen Grenzwert für das
Grundwasser fest. Außerdem verpflichtet sie die EU-Staaten, zu hohe
Belastungen zu senken. Diese werden der Richtlinie zufolge vor allem von
der Agrarbranche verursacht, also nicht etwa durch Kläranlagen. Pflanzen
benötigen Stickstoff zum Wachstum, aber überschüssige Mengen aus Düngern
gelangen in die Umwelt.
Weil sie zum Beispiel Probleme bei der Trinkwassergewinnung reduziert,
erspare die Richtlinie laut EU-Kommission gesellschaftliche Schäden in Höhe
von 10 bis 22 Milliarden Euro pro Jahr. Das sei 3- bis 7-mal so viel wie
die 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro, die landwirtschaftliche Betriebe und
Behörden die Umsetzung der Richtlinie koste. „Die Kosten für die
Agrarbetriebe entsprechen weniger als 1 Prozent des gesamten
landwirtschaftlichen Produktionswerts in der EU“, so die Untersuchung.
## Weniger Dünger – meist gleich große Ernte
Das meiste davon müssten Tierhaltungsbetriebe zum Beispiel dafür zahlen,
überschüssigen Wirtschaftsdünger wie Gülle oder Mist zu lagern oder zu
entsorgen. Die Kommission stellt aber fest, dass die Kosten für eine
ausgewogene Düngung „unbedeutend“ seien. „Dies liegt daran, dass sie in der
Regel nicht mit Ertragsverlusten einhergehen.“ Viele Bauern haben das
Gegenteil behauptet.
Insgesamt, urteilt die Kommission, habe die Richtlinie dazu geführt, dass
die Landwirte Düngemittel effizienter nutzen. Das habe aber nur „teilweise“
die Wasserverschmutzung reduziert. Die Nitratkonzentrationen im Grundwasser
und zu hohe Nährstoffniveaus in Oberflächengewässern blieben „große
Herausforderungen“. [4][In Deutschland] hätten 2020 bis 2023 rund 25
Prozent der Grundwassermessstellen den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat
pro Liter gerissen.
Auch deshalb hält die Kommission die Richtlinie immer noch für notwendig.
Die Mitgliedstaaten müssten sie aber teils besser umsetzen, Agrarbetriebe
ihre Nährstoffverluste in die Umwelt weiter senken. In der Bundesrepublik
zum Beispiel habe der Stickstoffüberschuss pro Hektar landwirtschaftlich
genutzter Fläche bei jährlich 41 Kilogramm gelegen.
Es gebe aber auch Potenzial, die Regeln zu vereinfachen, etwa weniger
starre Sperrfristen, zu denen nicht gedüngt werden darf, heißt es in der
Untersuchung.
## Bauernverband fordert mehr Flexibilität
Dem EU-Bauernverband [5][Copa/Cogeca] sind die Vorschläge für eine
„Vereinfachung“ der Richtlinie zu wenig und zu vage. Die Regeln müssten die
„Düngemittelkrise“ – gemeint sind die gestiegenen Preise – und die
„Notwendigkeit eines flexibleren Nährstoffmanagements“ berücksichtigen,
forderte der Verband.
Organisationen wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) oder die Deutsche
Umwelthilfe begrüßten, dass die Kommission sich hinter die Richtlinie
gestellt hat. „Europa braucht keine schwächere Nitratrichtlinie, sondern
ihre vollständige und wirksame Umsetzung in allen Mitgliedstaaten“, so der
BDEW.
Das muss jedoch nicht das letzte Wort der EU sein. Der grüne
Europa-Abgeordnete Martin Häusling jedenfalls warnte noch einmal „vor einer
Flexibilisierung der Richtlinie“.
16 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Landwirtschaft/!t5007831
(DIR) [2] https://environment.ec.europa.eu/document/download/f13c2730-914c-4434-a159-d15f60a26118_en?filename=Executive%20summary%20of%20the%20Nitrates%20Directive%20Evaluation.pdf&prefLang=de
(DIR) [3] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=uriserv:OJ.L_.1991.375.01.0001.01.DEU
(DIR) [4] https://environment.ec.europa.eu/document/download/33fb33ca-30b3-4374-bab6-1c0a5f4f2492_en?filename=SWD_2026_232_1_EN_document_travail_service_part6_v2_0.pdf
(DIR) [5] https://www.copa-cogeca.eu/Flexpage/DownloadFile/?id=13651025
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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