# taz.de -- Irans neue Armeeführung: Der Kampf gegen den Westen wird zur Priorität
> Irans neues Staatsoberhaupt Modschtaba Chamenei besetzt entscheidende
> Posten im iranischen Militärapparat neu – an Vertraute, Hardliner und
> Anti-West-Ideologen.
(IMG) Bild: Anhängerin der Regierung mit Plakat des verstorbenen iranischen Obersten Führers Ajatollah Chamenei in Teheran am 11. August
Es ist seine wichtigste offizielle Maßnahme bisher als Irans neues
Staatsoberhaupt. Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten vorherigen
Obersten Führers Ali Chamenei, soll am Montag sechs entscheidende Posten im
Militärbereich neu besetzt haben.
Die ernannten Kommandeure bilden das Rückgrat des iranischen Sicherheits-
und Militärapparats. Manche Posten waren seit den
[1][israelisch-amerikanischen Angriffen im Frühling] vakant, so etwa der
Generalstab der iranischen Streitkräfte, dem sowohl die reguläre Armee als
auch die Revolutionsgarden untergeordnet sind. Hier rückte nun der
Revolutionsgardist Ali Abdollahi nach, der in den letzten Monate die
Kommandozentrale der iranischen Streitkräfte, zu der die Armee und die
Revolutionsgarden gehören, anführte.
Andere Posten wurden nach der Tötung der letzten Führungsperson vorerst
provisorisch durch Nachrücker ersetzt – und zwar in der Reihenfolge, die
der frühere iranische Staatschef Ali Chamenei noch festgelegt hatte. So
nahm beispielsweise [2][Ahmad Wahidi die Stelle von Mohammed Pakpur ein,
des getöteten Oberbefehlshabers der Revolutionsgarden.] Er wurde nun von
Modschtaba Chamenei bestätigt.
Im Rahmen der Neubesetzungen wurden außerdem Kiumars Hejdari zum
stellvertretenden Generalstabschef der Streitkräfte, Mostafa Isadi wurde
zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden berufen. Zudem
übernahm Ali Osmaei die Führung der Marine der Revolutionsgarden, während
Hossein Taeb an die Spitze der Basidsch-Milizen trat. Heydari und Osmaei
stehen unter westlichen Sanktionen.
Erst am Tag zuvor hatte Chamenei den ehemaligen Oberbefehlshaber der
Revolutionsgarden Mohsen Resaei, zum Sekretär des Obersten Nationalen
Sicherheitsrats ernannt, dem wichtigsten sicherheitspolitischen
Entscheidungsgremium der Islamischen Republik.
Der Kampf gegen den Westen wird zur Priorität
Laut Beobachtern zeigen die Neubesetzungen, dass Modschtaba Chamenei,
[3][allen Spekulationen rund um seinen Gesundheitszustand zum Trotz],
offenbar noch am Leben ist. Denn sie sollen unmissverständlich seine
Handschrift tragen. Zum einen handelt es sich um langjährige Vertraute aus
Chameneis persönlichem Umfeld, zum anderen stehen sämtliche neue
Führungspersonen für ein klares ideologisches Programm: Kampf gegen den
Westen um jeden Preis.
Das Prinzip der „Muqawama“ – [4][des antiimperialistischen Widerstands
unter islamisch-iranischer Ägide] – scheint wichtigste Priorität des
iranischen Regimes unter Modschtaba Chamenei geworden zu sein.
Chamenei verband die Postenvergabe mit einem entsprechenden Aufruf an den
neuen Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, Ahmad Wahidi: Während sich
die Truppen auf „schlagkräftige Offensivoperationen gegen den Feind“
vorbereiten sollen, sei es Wahidis Aufgabe, [5][„den revolutionären Geist“]
unter den iranischen Streitkräften zu stärken.
Diesen Geist verkörpern sämtliche neue Führungspersonen, die für Kenner der
Islamischen Republik in Wirklichkeit keine neuen Gesichter, sondern alte
Bekannte sind, nämlich radikale Veteranen aus den frühesten Tagen der
Islamischen Revolution. Sie verbinden Erfahrung auf dem Schlachtfeld aus
dem Iran-Irak-Krieg mit schiitisch-islamistischer Märtyrerideologie, die
den Kampf gegen den Westen zur religiösen Pflicht verklärt.
## Die fanatischsten Anhänger des Regimes
Dieser Kampf hat für das iranische Regime auch eine innenpolitische
Dimension. Demnach gelten interne Kritiker als verlängerter Arm des
verfeindeten Westens und müssen entsprechend behandelt werden. Das zeigt
sich auch daran, wie iranische Regimekräfte am 8. und 9. Januar dieses
Jahres Tausende weitgehend unbewaffnete Demonstranten töteten.
Die Ernennung von Hossein Taeb zum [6][Leiter der Basidsch-Miliz], die bei
der Niederschlagung von Protesten eine zentrale Rolle spielt, hat vor
diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung. Taeb ist der ehemalige Chef
des Geheimdienstes der Revolutionsgarden. Als solcher soll er offenbar das
wissende Auge der Geheimdienste direkt mit der Faust der fanatischsten
Anhänger der Islamischen Republik verbinden.
12 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Konflikt-zwischen-USA-und-Iran/!6195173
(DIR) [2] /Neuer-Chef-der-Revolutionsgarden/!6159601
(DIR) [3] /Oberster-Fuehrer-Modschtaba-Chamenei/!6175442
(DIR) [4] /Iran-und-Religion/!6184115
(DIR) [5] /Kosten-des-Kriegs-mit-Iran/!6162906
(DIR) [6] /Kindersoldaten-im-Iran/!6168543
## AUTOREN
(DIR) Teseo La Marca
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Iranische Revolutionsgarden
(DIR) Teheran
(DIR) Mojtaba Chamenei
(DIR) Ajatollah Ali Chamenei
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krieg in Iran: Ratloser Trump droht Teheran mit „Wirtschaftskrieg“
Weil militärische wie diplomatische Erfolge ausbleiben, verschärft der
US-Präsident die Rhetorik. Irans Staatsmedien zeigen sich unbeeindruckt.
(DIR) USA und Iran im Krieg: Trump will Straße von Hormus annektieren
Grönland, Kuba, Venezuela: Die Okkupations-Fantasien des US-Präsidenten
sind unerschöpflich. Nun will er die Straße von Hormus zum US-Territorium
machen.
(DIR) USA und Iran im Krieg: Forderungen, die einer Kapitulation gleichkämen
Iran wähnt sich in der Oberhand und stellt radikale Forderungen für die
Öffnung der Straße von Hormuz. Dabei steht das Land wirtschaftlich selbst
unter Druck.
(DIR) Konflikt zwischen USA und Iran: Ein Krieg, der leider logisch ist
Ja, der Angriff auf Iran hat die Blockade an der Straße von Hormus erst
ausgelöst. Aber realpolitisch gesehen darf auch Europa nicht einfach
zusehen.
(DIR) Beerdigung von Chamenei: Mit Pomp und Propaganda
Die iranischen Staatsmedien zeigen Hunderttausende, die am Samstag
Ajatollah Chamenei beerdigen. Es ist auch ein Zeichen zum
Unabhängigkeitstag der USA.