# taz.de -- Konflikt zwischen USA und Iran: Ein Krieg, der leider logisch ist
> Ja, der Angriff auf Iran hat die Blockade an der Straße von Hormus erst
> ausgelöst. Aber realpolitisch gesehen darf auch Europa nicht einfach
> zusehen.
(IMG) Bild: Ein F-16 Kampfjet durch ein Nachtsichtgerät
Es herrscht wieder Krieg zwischen den USA und Iran. Das Memorandum of
Understanding – [1][oder wohl eher Misunderstanding – hat nicht gehalten].
Das ist nicht überraschend, hatte es doch Iran die Kontrolle über die
Straße von Hormus, die für den globalen Handel äußerst wichtige Meerenge,
überlassen. Zur Erinnerung: Im Abkommen stand, dass „die Islamische
Republik Iran nach besten Kräften Vorkehrungen“ treffen soll, „um
Handelsschiffen 60 Tage lang eine gebührenfreie Durchfahrt zu
gewährleisten“. Diese Frist von 60 Tagen wäre Mitte August ausgelaufen.
Bereits Anfang Juli traf ein iranisches Geschoss einen Tanker etwa acht
Seemeilen östlich von Limah in Oman. Das bedeutete: innerhalb omanischer
Hoheitsgewässer. Die erstrecken sich laut dem Seerechtsübereinkommen der
Vereinten Nationen über zwölf Seemeilen vor der Küste des jeweiligen
Staats.
Iran hat also klar gegen das Abkommen verstoßen, um seinen angeblichen
Anspruch auf die Straße von Hormus geltend zu machen. Dass die Islamische
Republik sie als Kriegsbeute sieht, macht auch die Rhetorik der
Führungsebene klar. Nun kann man – und das mit guten Gründen –
argumentieren, dass dieses Problem vor dem US-amerikanisch-israelischen
Angriff auf Iran Ende Februar 2026 nicht bestand und nicht Iran die
Eskalation ausgelöst hat. Auch dass der Angriff völkerrechtswidrig war und
bislang innenpolitisch in den USA sehr unpopulär ist, ist bekannt. Doch
Irans Griff nach der Straße von Hormus hat die geopolitische Lage völlig
verändert.
Dass der Krieg nun fortgeführt wird, ist – leider – logisch. Weil es ein
katastrophales Exempel bedeutet, wenn ein Anrainerstaat eine natürlich
entstandene, nicht vom Menschen erbaute Wasserstraße einfach kapert – und
bestimmen möchte, wer sie passieren darf, und dafür auch noch abkassieren
will. Es gibt weltweit einige solcher Wasserstraßen – und damit dasselbe
Konfliktpotenzial. Da wäre einmal die zwischen Indonesien und Malaysia
verlaufende Straße von Malakka. Analysten befürchten, dass sie in einem
Konflikt zwischen China und den USA zum Faustpfand werden könnte.
Oder die Meerenge Bab al-Mandab zwischen Indischem Ozean und Rotem Meer.
[2][Diese hat gerade erst die von Iran unterstützte Huthi-Miliz unter ihre
Kontrolle gebracht] und verweigert Schiffen mit Kurs auf Saudi-Arabien oder
von dort kommend die Durchfahrt. Das ist auch deswegen ein Problem, weil
Riad derzeit genau über diese Meerenge sein am Weltmarkt begehrtes Öl
verschifft. Das Vorgehen in der Straße von Hormus macht also Schule.
Dass weder die USA noch die benachbarten Golfstaaten dabei zusehen wollen,
ist geopolitisch gesehen klar. Und in Anbetracht der Konsequenzen für die
Weltmärkte sollte es auch in Europas Interesse liegen, dass Meerengen auch
künftig frei passierbar bleiben und die Straße von Hormus Irans Griff
wieder entrissen wird. Und das bedeutet eben auch ein – wie auch immer
geartetes – militärisches Engagement.
24 Jul 2026
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(DIR) Lisa Schneider
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