# taz.de -- USA und Iran im Krieg: Forderungen, die einer Kapitulation gleichkämen
       
       > Iran wähnt sich in der Oberhand und stellt radikale Forderungen für die
       > Öffnung der Straße von Hormuz. Dabei steht das Land wirtschaftlich selbst
       > unter Druck.
       
 (IMG) Bild: Schwimmen vor ankernden Handelsschiffen: in der Straße von Hormus am 30. Juni 2026
       
       Im Persischen gibt es ein beliebtes Sprichwort: Du kannst nicht zwei
       Wassermelonen in einer Hand halten. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Wer
       zu viel fordert, bekommt am Ende weder das eine noch das andere.
       
       Momentan jongliert der Iran sogar mit drei Wassermelonen. Die eine besteht
       aus umfassenden Zugeständnissen der USA im Gegenzug für die Wiedereröffnung
       der Straße von Hormuz. Nach wie vor ist der Schiffsverkehr nur
       eingeschränkt möglich, immer wieder beschießen die Revolutionsgarden
       Schiffe mit Raketen. Damit das aufhört, hat Trump Teheran schon Mitte Juni
       unter anderem die Aufhebung aller US-Sanktionen und 300 Milliarden
       Wiederaufbauhilfe angeboten.
       
       Doch Teheran verlangt mehr. Die Straße von Hormuz soll unter iranischer
       Kontrolle bleiben und der Iran soll ganz offiziell die Möglichkeit
       bekommen, von den durchfahrenden Schiffen eine Art Mautgebühr zu erheben.
       Zu diesem Zweck [1][einigten sich Berichten zufolge Iran und Oman], mit dem
       man sich die Hoheitsgewässer der Meerenge teilt, vor wenigen Tagen über
       neue Schifffahrtsrouten, die de facto eine iranische Verwaltung der
       Meerenge sicherstellen würden. Das ist die zweite Wassermelone.
       
       ## Die USA sollen raus aus der Region
       
       Die dritte verkündete Mohammad Bagher Zolghadr, der Sekretär des Obersten
       Nationalen Sicherheitsrats des Iran, am Samstag: Es ist eine Liste mit
       sechs Bedingungen, die die USA noch vor der Öffnung der Straße von Hormuz
       erfüllen müssen.
       
       Laut Zolghadr erwartet der Iran, dass die Vereinigten Staaten ihre
       Seeblockade und die Sanktionen gegen den Iran aufheben, ihre Streitkräfte
       aus der Region abziehen, Kriegsreparationen zahlen, eingefrorene iranische
       Vermögenswerte freigeben, von weiteren Drohungen absehen und Angriffe auf
       mit dem Iran verbündete Milizen in der Region einstellen. Diese
       maximalistischen Forderungen kämen einer Kapitulation der USA gleich.
       
       Zugleich eskaliert die Lage an anderer Front: [2][Die mit dem Iran
       verbündete Huthi-Miliz im Jemen] hat eine wichtige Erdölanlage in
       Saudi-Arabien mit Kampfdrohnen angegriffen.
       
       ## Und wenn die USA sich tatsächlich zurückziehen?
       
       Woher die Islamische Republik Iran ihr Selbstbewusstsein nimmt, ist indes
       fraglich. [3][Denn auch der Iran leidet gerade massiv] unter der
       anhaltenden Blockade seiner Häfen. Die Ölexporte des Landes sind seit der
       Wiedereinführung der US-Blockade am 4. Juli weitgehend eingebrochen.
       Mittel- bis langfristig ist der iranische Staat auf diese Öleinnahmen aber
       angewiesen, um sowohl Militärausgaben als auch den internen
       Repressionsapparat zu finanzieren. Teherans Unverfrorenheit könnte auf
       Siegesgewissheit beruhen – und auf der Annahme, dass die USA nicht bereit
       sind, die Blockade noch lange aufrechtzuerhalten.
       
       Sie hat aber auch andere Gründe. [4][Die iranischen Entscheider] haben
       wenige Alternativen, wenn sie ihre interne Machtbasis von radikalen
       Regimeanhängern erhalten wollen. Und auf diese ist das Regime angewiesen,
       um sich gegen den Unmut des Rests der Bevölkerung zu schützen.
       
       Auch aus geostrategischer Sicht braucht der Iran die Kontrolle über die
       [5][Meerenge von Hormuz]: Wenn sich die USA aus dem Konflikt tatsächlich
       zurückziehen, werden neue Angriffswellen durch Israel sogar
       wahrscheinlicher. Gegenschläge gegen die Golfstaaten, die man bisher mit
       amerikanischen Militärbasen in der Region gerechtfertigt hat, sind dann
       eine noch riskantere Option als bislang. Auch die Golfstaaten selbst
       könnten, wie sie es bereits im Frühsommer getan hatten, zu eigenen
       Maßnahmen greifen. Die Straße von Hormuz bleibt daher für den Iran das
       mächtigste Instrument der Abschreckung.
       
       9 Aug 2026
       
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