# taz.de -- Hitze im ÖPNV: 40 Grad? Nicht vorgesehen!
       
       > Für die Fahrgäste im Berliner ÖPNV bleibt Extremhitze noch auf Jahre ein
       > Problem. Bei Infrastruktur und Fahrzeugen ruckelt's, aber vorerst nur ein
       > bisschen.
       
 (IMG) Bild: Fahren im Schweiße ihres Angesichts: Fahrgäste in der Berliner U-Bahn
       
       Gleise, die sich in der glühenden Hitze verbiegen, eingestellter
       Zugverkehr, versagende Klimaanlagen, Hitzeschocks bei Fahrgästen – solche
       Meldungen über den Berliner ÖPNV kursierten [1][während der 40-Grad-Welle
       Ende Juni]. Eine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus hat jetzt etwas
       mehr Licht in die Folgen der Extremtemperaturen für den Nahverkehr und
       seine NutzerInnen gebracht. Demnach sind strukturelle Schäden und
       Betriebseinschränkungen noch überschaubar – aber für viele Fahrgäste bleibt
       es auf Jahre ein schweißtreibendes Unterfangen, an solchen Tagen unterwegs
       zu sein.
       
       Die verkehrspolitischen Sprecherinnen der Grünen-Fraktion, Antje Kapek und
       Oda Hassepaß, hatten unter anderem wissen wollen, wie oft S- und U-Bahnen,
       Trams, Busse und Regionalzüge am 26., 27. und 28. Juni hitzebedingt
       ausfielen. Laut der Senatsverwaltung für Mobilität und den
       Verkehrsunternehmen gab es bei der Tram zwei Vorkommnisse: einen
       Gleisabschnitt von 600 Metern in der Bernauer Straße, der geschliffen
       werden musste, und eine verzogene Weiche in Köpenick. Zugausfälle auf den
       U-Bahnlinien 1 und 3 wegen einer Signalstörung seien „nicht zwingend“ der
       Hitze anzulasten.
       
       Die Busse – ob Diesel oder elektrisch – hatten offenbar deutlich mit der
       Klimatisierung zu kämpfen. Weil man sich aber durch Reinigung und Wartung
       der Anlagen gut vorbereitet habe, sei das „Störungsniveau auf
       beherrschbarem Niveau“ geblieben, so die BVG. In der Elektrobusflotte
       hätten Warnmeldungen zur Batteriekühlung zum Ausfall einzelner Fahrten
       geführt.
       
       Die S-Bahn meldete keine Probleme mit ihrer Infrastruktur, aber doppelt so
       viele Störungen im Fahrzeugbetrieb wie sonst üblich: Vor allem
       Türsteuerungen scheinen bei großer Hitze häufiger zu versagen. Gravierender
       war die Situation auf den Regionallinien: Einige Züge der DB Regio Nordost
       blieben zeitweise stehen, weil Lokomotiven Kühlpausen einlegen mussten. Und
       die dieselbetriebenen Züge der Niederbarnimer Eisenbahn fielen an allen
       drei Tagen „spätestens ab 16 Uhr“ aus, weil die Klimaanlage ihren Dienst
       versagte.
       
       ## Fehlende Statistiken
       
       Statistiken, mit denen sich die Hitzestöranfälligkeit der Infrastruktur
       über die vergangenen Jahre vergleichen ließe, gibt es bei der BVG nicht –
       weil das, so das Unternehmen, „in der Vergangenheit noch nicht notwendig“
       war. Die S-Bahn GmbH verzeichnete 2018 und 2019 jeweils zwei hitzebedingte
       Störungen an Weichen oder Stellwerken, sowie eine Signalstörung im Jahr
       2024.
       
       „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden BVG, S-Bahn und Regionalverkehr in
       Zukunft über weite Teile des Sommers ausfallen und Berlin wird nicht mehr
       funktionsfähig sein“, warnt Antje Kapek. Die Senatsverwaltung sieht das
       offenbar gelassener, räumt aber ein, man müsse mittlerweile davon ausgehen,
       „dass künftig Tagesmaxima von 40 °C wiederholt erreicht und überschritten
       werden können“. Was die „Klimarisikoanalyse Berlin 2026“, auf deren
       Grundlage der Senat plant, in Teilen obsolet macht: Sie enthält keine
       Aussagen zu Tagen, an denen mehr als 35 Grad °C herrschen.
       
       Zwar sollen die neuen Fahrzeugreihen von S-Bahn, Tram und Regionalbahnen
       laut Senatsantwort auch bei bis zu 45 Grad fahrtüchtig bleiben, aber der
       Komfort der NutzerInnen bleibt ein Problem. Für die Klimaanlagen, die in
       den neuen Zügen der S-Bahn verbaut sind, gilt nur eine DIN-Norm mit
       angenommenen Maxima von 35 Grad Celsius. In den älteren Baureihen, die erst
       bis 2036 komplett ausgemustert sein sollen, gibt es ohnehin keine
       Klimatisierung, genauso wenig wie in der U-Bahn. Immerhin: [2][Bei der Tram
       sind laut BVG schon 266 von 380 Bahnen klimatisiert], bis 2032 sollen es
       alle sein.
       
       Eher dürftig sind die Antworten auf Kapeks und Hassepaß’ Frage nach dem
       Berliner Hitzeaktionsplan. „Die Maßnahmen des Hitzeaktionsplans mit Bezug
       auf den ÖPNV lassen sich überwiegend nicht kurzfristig umsetzen“, schreibt
       die Mobilitätsverwaltung. „So sind die Beschaffung neuer S-Bahn-Fahrzeuge
       und auch die Aufstellung neuer BVG-Wartehallen keine Maßnahmen, welche
       kurzfristig umsetzbar sind.“ Man prüfe aber, inwieweit „die
       Fahrgastinformation in Bezug auf Hitzeereignisse einbezogen“ werden könne.
       Die BVG habe schon ihre elektronischen Anzeigen mit dem Hinweis „Bitte
       achtet aufeinander und trinkt ausreichend Wasser“ bespielt.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hitzewelle-in-Berlin/!6190313
 (DIR) [2] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/08/berlin-bvg-tram-klimaanlage-bis-2032-neue-fahrzeuge.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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