# taz.de -- Zum Tod von Reinhard Strecker: Der unbequeme Aufdecker
> Als Student jagte Reinhard Strecker ehemaligen NS-Richtern hinterher –
> und stieß damit auf heftigen Widerstand. Nun ist er mit 95 Jahren
> gestorben.
(IMG) Bild: Reinhard Strecker als Student der FU Berlin 1959
In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Reinhard Strecker. Dabei
verfolgte er bis ins hohe Alter mit Sorge den Aufschwung neuer rechter
Bewegungen. Als „Pionier der NS-Aufarbeitung“ kämpfte er jahrzehntelang
gegen die alten Nazis in westdeutschen Institutionen.
Als Jugendlicher verließ Strecker Deutschland mit dem festen Vorsatz, nie
in das Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära zurückzukehren, das die
NS-Verbrechen totschwieg. Auf Drängen seiner Eltern kehrte er in den
1950er-Jahren doch in die BRD zurück. Bald erkannte er, dass er selbst
handeln musste. „Wenn ich in Deutschland bleiben sollte, musste sich das
Land ändern. Dass man mit den alten Verbrechern die Demokratie aufbauen
konnte, hielt ich für idiotisch“, sagt Strecker im Gespräch mit der
Deutschen Welle im Jahr 2019.
An der Freien Universität Berlin, wo er Sprachwissenschaften studierte,
fand Strecker Gleichgesinnte. Gemeinsam untersuchten sie die personellen
Kontinuitäten ehemaliger [1][Nazijuristen in der westdeutschen Justiz].
Ihre Recherchen mündeten in die Ausstellung [2][„Ungesühnte Nazijustiz“],
die Anfang der 1960er-Jahre für großes Aufsehen und heftige Anfeindungen
sorgte. Strecker und seine Mitstreiter wurden als Handlanger Ostberlins
diffamiert, weil sie auch Dokumente aus DDR-Archiven nutzten.
Die SPD, deren Mitglied Strecker war, distanzierte sich von der
Ausstellung. In München verbot die Polizei die öffentliche Werbung dafür.
In Westberlin versuchte der Senat vergeblich, die Galerie Springer am
Kurfürstendamm unter Druck zu setzen, die Ausstellung abzusagen. Diese
Repressionen trugen dazu bei, dass die Ausstellung und ihr Inhalt auch
international bekannt wurden.
## Die FU Berlin änderte ihre Sichtweise später
Strecker und seine Mitstreiter*innen erreichten ihr Ziel: Die
ungesühnten NS-Verbrechen wurden öffentlich diskutiert. Mit Unterstützung
des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) erstatteten sie mit
Verweis auf die von ihnen gesammelten Dokumente Anzeigen gegen NS-Täter und
ermutigten Opfer, ebenfalls juristisch gegen ihre Peiniger vorzugehen.
Erst später erhielt Strecker in Deutschland Anerkennung für seine Arbeit.
So erhielt er 2015 das Bundesverdienstkreuz. Zu seinem 85. Geburtstag
organisierten die Landeszentrale für politische Bildung Berlin, der Verein
Forum Justizgeschichte und das Zentrum der TU Berlin eine gemeinsame
Veranstaltung. Der Historiker Michael Kohlstruck schrieb im Begleittext,
Strecker habe mit der Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ erstmals die
personellen Kontinuitäten zwischen NS-Regime und Bundesrepublik offengelegt
und damit einen wichtigen Beitrag zum historischen Lernen geleistet.
[3][Vor wenigen Wochen verlieh ihm die Freie Universität Berlin die goldene
Ehrennadel] und korrigierte damit ihre Entscheidung von 1960, der
Ausstellung keine Räume zur Verfügung zu stellen.
Am 2. August starb Reinhard Strecker im Alter von 95 Jahren in Berlin.
11 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nazi-Richter-am-Bundesarbeitsgericht/!5743459
(DIR) [2] https://www.fu-berlin.de/campusleben/forschen/2024/240419-tsp-strecker/index.html
(DIR) [3] https://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2026/fup_26_068-auszeichnung-reinhard-strecker/index.html
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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