# taz.de -- Zu wenig Wasser im Rhein: Es droht Schaden für die Wirtschaft
       
       > Trockenheit und Hitze beeinträchtigen den Verkehr auf Deutschlands
       > wichtigster Wasserstraße, Ökonom*innen sorgen sich um das
       > Wirtschaftswachstum.
       
 (IMG) Bild: Das Niedrigwasser auf dem Rhein bei Kaub bereitet Ökonom*innen Sorge
       
       Ökonom*innen sorgen sich wegen der Folgen des [1][Niedrigwassers] im
       Rhein und anderen Flüssen um die deutsche Wirtschaft. „Südlich von Kaub
       droht jetzt ein komplettes Abschneiden der Transportwege und damit eine
       Zweiteilung des Rheins“, sagte Verkehrsexperte Thomas Puls vom Institut der
       deutschen Wirtschaft der Rheinischen Post. Da weder Straße noch Schiene in
       der Lage seien, „die anfallenden Güter aufzunehmen, besteht die
       wahrscheinlichste Reaktion der Grundstoffindustrien in einer
       Produktionsreduktion“.
       
       Der Chemiekonzern Covestro meldete bereits erste Probleme: „Aufgrund der
       akuten Niedrigwasserlage ist der Rohstoff- und Warenverkehr derzeit
       erheblich eingeschränkt.“
       
       Fachleute fürchten eine Zweiteilung des Rheins und damit eine Unterbrechung
       der Lieferketten. Im Laufe der Woche werde an dem wichtigen Pegel im
       rheinland-pfälzischen Kaub erstmals „ein nur noch einstelliger Wert
       prognostiziert“, sagte Jens Schwanen, Geschäftsführer des
       Binnenschifffahrtsverbands (BDB). Das bedeute das Aus für die gewerbliche
       Schifffahrt in der Region.
       
       Der Rhein ist Deutschlands größter Fluss – und die mit Abstand wichtigste
       Bundeswasserstraße. Dort werden rund 70 Prozent Güter der Binnenschifffahrt
       in Deutschland transportiert, vor allem Erze, Kohle, Mineralölprodukte,
       chemische Grundstoffe, Baustoffe, Metalle, Schrott, Getreide, zunehmend
       auch Container. Wegen der aktuell [2][niedrigen Pegelstände] können
       Binnenschiffe jedoch deutlich weniger Ladung aufnehmen. Das erhöht die
       Transportkosten und belastet Branchen, die auf die Massenguttransporte
       angewiesen sind.
       
       Die Schifffahrt auf dem Mittel- und Niederrhein zwischen Mainz und der
       niederländischen Grenze sei „auf einen kleinen Bruchteil zurückgegangen“,
       sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen.
       
       Folgen noch beherrschbar 
       
       Derzeit seien die wirtschaftlichen Folgen noch beherrschbar, erklärte
       Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für
       Wirtschaftsforschung. Die Situation könne sich jedoch zu einem „echten
       Risiko für die Konjunktur“ entwickeln. „Sollte das Niedrigwasser noch vier
       bis sechs Wochen andauern, könnte das einen signifikanten Schaden für die
       Wirtschaft bedeuten“, so Fratzscher zum Portal Politico.
       
       [3][Historische Daten] zeigen, dass ein Niedrigwasser von 30 Tagen etwa ein
       Prozent weniger für die deutsche Industrieproduktion bedeutet. Nach dem
       schweren Niedrigwasser des Jahres 2018 sank diese sogar um 1,5 Prozent. Es
       gab Lieferkettenprobleme und Produktionsausfälle in der Chemie-, Stahl- und
       Energiebranche.
       
       Insgesamt sank der Anteil der Binnenschifffahrt am deutschen Gütertransport
       bereits in den vergangenen 25 Jahren von 13,5 auf 6,7 Prozent. Gleichzeitig
       stieg der des Schienenverkehrs von 16,5 auf 21 Prozent. Der Rest, also mehr
       als 70 Prozent, wird deutlich klimaschädlicher vor allem von Lkw auf
       Straßen transportiert.
       
       Mehrere Bundesländer haben das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen
       ausgesetzt oder dies angekündigt, um die Wasserstraßen zu entlasten. Wie
       weit das hilft, ist fraglich. Transporte über den Rhein seien „auf der
       Straße praktisch nicht zu kompensieren, denn ein Binnenschiff mit einer
       Tragfähigkeit von 1.500 Tonnen ersetzt circa 60 Lkw“, sagte ein Sprecher
       von Covestro.
       
       „Wir müssen davon ausgehen, dass die Niedrigwasserproblematik im gesamten
       August uns noch erhalten bleibt“, sagte Bundesverkehrsminister Steffen
       Bilger (CDU) am Dienstag. „Die Lage ist wirklich weiterhin sehr
       angespannt.“ Der Rheinpegel in Koblenz lag Dienstagfrüh bei nur noch 8
       Zentimetern – nahe am bisher niedrigsten bekannten Wasserstand von 6
       Zentimetern im Jahr 1929, zeigen Daten der Wasserstraßen- und
       Schifffahrtsverwaltung des Bundes.
       
       Historische Niedrigstände gab es auch in Mainz, Bonn oder Düsseldorf.
       Entspannung durch Regen ist nicht in Sicht. Es wird zum Wochenende hin
       teilweise sogar noch mal richtig heiß.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bilgers-Vorschlag-fuer-Gueterschiffe/!6198946
 (DIR) [2] /Krisentreffen-zum-Niedrigwasser/!6202282
 (DIR) [3] https://www.degruyterbrill.com/de/document/doi/10.1515/ger-2022-0077/html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
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