# taz.de -- Von Ruhs bis Restle: Die üblichen Verdächtigungen
> Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zu Ausgewogenheit verpflichtet.
> Wer das festhält, kann leichter analysieren, was gerade
> durcheinandergeht.
(IMG) Bild: Mehr Mauern, mehr Festung, mehr Abschottung und Tod zu fordern entspricht wohl dem Neutralitätsgebot des ÖRR
Endlich mal wieder große Aufregung über den linksgrünsversifften
öffentlich-rechtlichen Rundfunk! Der jetzt aus Nairobi berichtende Kollege
[1][Georg Restle] (ehemals „Monitor“) hat in seinem privaten X-Account eine
These des linken US-Magazins The Nation geteilt.
Diese These sieht in Sachen Ceuta einen [2][„growing US-Israeli-Moroccan
nexus“] am Werk mit dem Ziel „to weaken a progressive European government,
divide Europe, and undermine international law“. Also einen
US-israelisch-marokkanischen Komplex, der eine progressive europäische
Regierung schwächen, Europa spalten und internationales Recht untergraben
will.
Restle hat zunächst ein Zitat aus The Nation ohne Kontext geteilt und sich
dafür später entschuldigt. „Ich mache mir dieses Zitat weder zu eigen, noch
hätte ich es selbst so formuliert“, schrieb Restle auf X. „Daher war es ein
Fehler, dieses Zitat so kommentarlos wiederzugeben.“
Dass die Ereignisse in Ceuta nicht ganz spontan, sondern auch [3][gesteuert
verliefen] und diversen Interessen von Marokko bis Migrationshardlinern in
die Tasche spielten, ist unbestritten. Ob Israel mit drin hängt und es
billige Rache wegen Spaniens kritischer Haltung zum israelischen Vorgehen
in Gaza war, ist Spekulation.
## Dünne Suppe
End of story? Natürlich nicht. [4][Felix Schotland, WDR-Rundfunkrat] und
Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln, hat das große
Pro-Israel-Fass aufgemacht und den WDR ganz offiziell an seine angebliche
Verpflichtung zu „Neutralität“ gemahnt. Worauf nicht von Schotland, aber
aus anderen Kreisen Antisemitismusvorwürfe in den sozialen Medien über
Restle hereinbrachen.
Gerne noch mal, der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zu Ausgewogenheit,
nicht zu Neutralität verpflichtet. Und nicht jede kritische Nachfrage zu
Israel ist gleich antisemitisch. Diese Grundsätze eines progressiven
Europas gehen leider gerade mehr und mehr unter.
Und werden von üblichen Verdächtigen befeuert. „Wir brauchen JETZT eine
Festung Europa“, fordert die geostrategische Expertin Julia Ruhs in der
Bild. Denn die Menschen in Ceuta sind natürlich weder Flüchtlinge noch
Migrant*innen, sondern „wieder einmal fast ausnahmslos junge Männer“, die
sich ja bloß „ins gemachte Nest setzen“ wollen und dann später
Weihnachtsmärkte überfallen usw.
Das ist von mir jetzt ungefähr so haarsträubend verkürzt wie Ruhs'
Darstellung, dass „die Europäer“ für ihren Wohlstand schließlich schwer
„geschuftet haben“ und die „jungen Männer“ nicht „die Aufopferung voriger
Generationen“ sehen wollten. Das ist noch dünner als die übliche
schwarzblaue Wassersuppe. Aber die Spaltung lässt grüßen.
Julia Ruhs ist übrigens auch Mitarbeiterin des öffentlich-rechtlichen
Rundfunks und moderiert die vom Bayerischen Rundfunk verantworteten, total
neutralen Ausgaben des konservativen Magazins „Klar“. Von kritischen
Anmerkungen aus dem BR-Rundfunkrat ist bislang noch nichts bekannt. „Wo ist
denn der Protest für etwas? Immer ist oder hat man was dagegen?“, fragt die
Mitbewohnerin.
Anm. d. Red.: In einer früheren Version haben wir geschrieben, Restle hätte
ein Fragezeichen in seinem Ausschnitt aus dem „The Nation“-Zitat
weggelassen. Wir haben den Fehler korrigiert.
11 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Plaene-in-der-ARD/!5779217
(DIR) [2] https://www.thenation.com/article/world/ceuta-spain-morocco-border-crisis-western-sahara-geopolitics/
(DIR) [3] /Migration-nach-Ceuta/!6202325
(DIR) [4] https://www1.wdr.de/unternehmen/rundfunkrat/mitglieder/felix-schotland-100.html
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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