# taz.de -- Feuergewitter in Südwestfrankreich: Der Feind der Feuerwehr
       
       > In der Gironde kämpfen Einsatzkräfte unentwegt gegen die großen
       > Waldbrände. Dabei haben sie einen gefährlichen und noch unbekannten
       > Gegner.
       
 (IMG) Bild: Können bisweilen ihr eigenes Wetter machen: riesige Rauchwolken bei Waldbränden in Frankreich
       
       Im Südwesten Frankreichs haben Einsatzkräfte den Kampf gegen den riesigen
       Waldbrand nahe Bordeaux fortgesetzt – allerdings bereitet ihnen das Wetter
       zusätzliche Schwierigkeiten. Für Mittwoch wurden im Département Gironde
       Temperaturen von bis zu 42 Grad erwartet, was die Trockenheit in der Region
       verschärfen und neuen Flammen den Boden bereiten könnte. Vorhergesagte
       Winde drohen Fortschritte der Löschkräfte zunichtezumachen. Und: Zuletzt
       sorgte das Feuer mit sogenannten Feuergewittern selbst für zerstörerisches
       Wetter.
       
       In Kalifornien und Australien wurde das meteorologische Phänomen
       Pyrocumulonimbus [1][in den letzten Jahren bei den Megawaldbränden]
       beobachtet. In der Gironde hingegen sind die kilometerhohen Feuerwolken,
       die bei den Flächenbränden entstehen und dann selbst für deren rasche und
       unvorhersehbare Ausbreitung sorgen, völlig neu.
       
       Feuergewitter stellen die Feuerwehrleute, die unentwegt gegen die Brände
       kämpfen, vor enorme Probleme. Sie werden als Grund dafür angegeben, dass
       nach rund 10 Tagen Brandherde im Westen von Bordeaux noch immer nicht unter
       Kontrolle sind. Immer wieder brechen sporadisch, manchmal gewaltig Feuer
       aus.
       
       Was dabei passiert, erklärt der Forscher Jean-Baptiste Filippi, Leiter des
       Studienprogramms Fire Caster, [2][in der französischen Zeitung Le Monde]:
       „Das Feuer bildet sich seinen eigenen Wind, und dies mit vervierfachter
       Kraft und Geschwindigkeit.“
       
       ## „Mit Kraft auf die Glut blasen“
       
       Es entstünden Windsäulen, die brennende Zweige in die Höhe saugen und sogar
       Bäume ausreißen. „Die lassen die Windsäulen dann 100 oder 200 Meter
       entfernt fallen, wo sie neue Feuer entfachen.“ Auch bilden sich Wirbel, die
       eine mit der eines offenen Kamins vergleichbare Wirkung haben: „Das ist,
       als wenn man mit wahnsinniger Kraft in die Glut blasen würde.“
       
       Einige der Feuerwolken [3][können selbst eigene Blitze auslösen]: Durch die
       Hitze des Brandes schrauben sich Rauchsäulen so weit nach oben, dass sich
       in der Höhe Eis bildet. Hohe elektrische Spannung entlädt sich, ähnlich
       einem normalen Gewitter, als Blitz – der kann wiederum neue Brände
       auslösen.
       
       Weltweit [4][erhöht die Klimakrise die Waldbrandgefahr]. Bei schwereren
       Waldbränden können auch Feuergewitter häufiger auftreten. Relativ feuchte
       Winter lassen viel wachsen. Das trocknet in immer längeren Trockenperioden
       im Sommer gefolgt von extremer Hitze aus. Die Folge: viel leicht brennbares
       Material.
       
       Und: Feuergewitterwolken können die Klimakrise ihrerseits weiter anfachen.
       Rußpartikel werden in die oberen Schichten der Atmosphäre geschleudert,
       dort tragen sie dann zur Erwärmung der Luftschichten bei.
       
       ## Feuergewitter sind unberechenbar
       
       Im Kampf gegen die Feuersbrunst nahe Bordeaux sind Feuergewitter ein
       unberechenbarer Gegner. „Das ist gefährlich, weil sich so das Feuer seine
       eigenen günstigen Wetterbedingungen schafft“, sagt Christophe Chantepy vom
       Nationalen Forstamt (ONF). Konkret hatte das zur Folge, dass die
       Einsatzkräfte den Brand an einer Front praktisch unter Kontrolle hatten.
       Aber dann entstanden plötzlich an unerwarteten Orten neue oder wegen der im
       Boden weiterschwelenden Glut wiederentfachte Brände.
       
       Gleich mehrfach sei dieses „unglaubliche, unerwartete und bislang
       unbekannte Phänomen“ der Pyrocumulonimbus in der Gironde aufgetreten,
       betonte die Präfektin Sophie Brocas als Repräsentantin der Zentralregierung
       vor Journalist*innen.
       
       Da die Behörden in dieser Region mehr als 200.000 Menschen evakuieren
       mussten und nicht verhindern konnten, dass allein in der Gironde mehr als
       40.000 Hektar mit 260 Häusern zur Beute der Flammen wurden, geraten sie
       unter Druck. Solidarität und Bewunderung genießen dagegen die
       [5][Feuerwehrleute und ihre freiwilligen Helfer*innen]. In den letzten
       Tagen sind im Kampf gegen die Waldbrände in mehreren Gegenden Frankreichs
       bereits vier Feuerwehrmänner gestorben.
       
       29 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schaeden-durch-Naturkatastrophen/!6099485
 (DIR) [2] https://www.lemonde.fr/en/environment/article/2026/07/27/what-are-pyrocumulonimbus-the-clouds-making-france-s-wildfires-so-unpredictable_6755869_114.html?srsltid=AfmBOoqkSxp9K8YSJgVAtXU_mRmpHkZImKh83bk0jicRMGWhjDH8V71x
 (DIR) [3] https://www.cleanthinking.de/pyrocumulonimbus-feuerwetter/
 (DIR) [4] /Unwetter-in-den-USA/!6141455
 (DIR) [5] /Waldbraende-in-Frankreich/!6199203
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
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