# taz.de -- Nach Vorfall in Leipzig: Politik versinkt im Drohnen-Chaos
> Bei der Drohnenabwehr gibt es viele Lücken und noch mehr Kompetenzgewirr.
> Auch die Debatte um mögliche Reformen wird zunehmend unübersichtlich.
(IMG) Bild: Ein Polizist bei der Demonstration der Drohnenabwehr im Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum in Erding
Soldat*innen, Bundes- und Landespolizist*innen, private
Sicherheitsunternehmen: Wer an welchen Orten Drohnen abwehren soll, ist so
undurchschaubar geregelt, dass auch die Debatte über Reformen chaotische
Züge annimmt. Seitdem letzte Woche in Leipzig [1][eine Drohne mit
Sprengstoff gefunden wurde], überschlagen sich Politiker*innen mit
Forderungen.
Die Debatte bekam am Montag eine neue Brisanz, als bekannt wurde, dass die
Drohne in Leipzig direkt in eines der ukrainischen Flugzeuge gesteuert war.
Bislang hieß es, das unbemannte Fluggerät habe einen technischen Defekt
erlitten, bevor es zum Angriff übergehen konnte. Tatsächlich war es aber
wohl nur der nicht auslösende Zünder, der eine Katastrophe verhinderte. Der
an dem Fluggerät befestigte Sprengstoff explodierte nicht und fiel nach dem
Zusammenstoß wohl einfach zu Boden.
Den wohl weitgehendsten Vorschlag, wie solche Angriffe künftig abgewehrt
werden sollen, machte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther
(CDU). Er forderte am Montag, die Bundeswehr müsse zur Drohnenabwehr an
Flughäfen zum Einsatz kommen. Bislang dürfen die Soldaten in Friedenszeiten
nur gegen Flugobjekte tätig werden, die sich [2][im Luftraum über
militärischen Einrichtungen] befinden. An der Grenze der Kasernen ist
Schluss, dahinter übernimmt die Polizei.
Günthers Vorschlag, dies zu ändern, läuft auf den seit Jahrzehnten immer
wieder von CDU-Politikern geforderten Einsatz der Bundeswehr im Inneren
hinaus, für den zwingend eine Grundgesetzänderung nötig wäre. Es
überrascht, dass diese Idee mit Günther ausgerechnet von einem prominenten
Vertreter des liberalen Flügels in der CDU kommt.
## Grundgesetzänderung unwahrscheinlich
Allerdings sind die Chancen auf Umsetzung nahe null: Für eine
Grundgesetzänderung wäre eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag nötig.
Selbst wenn die Union die bei dem Thema skeptischen SPD-Abgeordneten
überzeugen könnte, bräuchte sie immer noch die Unterstützung von AfD oder
Linkspartei. Mit beiden hat sie die Zusammenarbeit ausgeschlossen und bei
beiden ist unwahrscheinlich, dass sie zustimmen würden. Die innenpolitische
Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, sagte der taz jedenfalls schon
mal: „Wir brauchen eine funktionierende Ortung, klare Meldewege und eine
wirksame zivile Drohnenabwehr, keine weitere Militarisierung der inneren
Sicherheit.“
Aber auch wenn die Bundeswehr außen vor bleibt, mischen andernorts noch
mehr als genug Akteure mit. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
setzt auf die ihm unterstellte Bundespolizei. Deren erst vor wenigen
Monaten ins Leben gerufene Anti-Drohnen-Einheit soll von derzeit 130 auf
300 Beamt*innen vergrößert werden, bundesweit sollen acht Stützpunkte
entstehen, kündigte Dobrindt an.
Die Polizist*innen gehen mit Netzwerfern, [3][elektronischem
Störmechanismen] und Verfolgerdrohnen auf Jagd nach den ferngesteuerten
Flugobjekten. Außerdem soll ein Forschungszentrum für Drohnensicherheit
entstehen. Schon am 18. August soll es in Kochstedt auf dem Gelände des
Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) eröffnet werden.
## Geteilte Befugnisse
All das ändert aber nichts daran, dass die Bundespolizei nur an bestimmten
Orten tätig werden darf, etwa an Bahnhöfen oder eben Flughäfen. Außerhalb
davon geht die Verantwortlichkeit auf die Landespolizeibehörden über, die
Kooperation zwischen Bundes- und Landesbehörden soll seit 2025 ein
Drohnenkompetenzzentrum organisieren. Und als wäre das noch nicht genug,
haben verschiedene Politiker zuletzt noch ins Spiel gebracht, das ja auch
die Betreiber von wichtigen Einrichtungen, etwa Flughäfen und Kraftwerken,
selbst Drohnen abschießen könnten.
Auch der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will nicht nur
auf die Polizei setzen. „Die Deutsche Flugsicherung ist zuständig für die
Sicherheit im Luftraum rund um die Flughäfen“, sagte er am Montag dem
Nachrichtenportal Politico. „Da spielt rechtzeitiges Erkennen von Drohnen
natürlich eine wesentliche Rolle.“
Im Angesicht dieser Vielzahl möglicher und tatsächlicher Drohnenjäger mit
ihren unterschiedlichen Einsatzgebieten fordert die Opposition einen
Befreiungsschlag. Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz sagte der taz,
der Bund müsse bei dem Thema „glasklar die Verantwortung übernehmen.“
Federführend müsse dabei einzig die Bundespolizei sein, die Bundeswehr
könne zusätzlich „innerhalb der engen Grenzen der Verfassung unterstützend
tätig werden.“
Abseits der Debatte um Drohnenabwehr wurden am Montag erste
Ermittlungserfolge zu dem Vorfall in Leipzig bekannt. So fanden
Ermittler*innen an der Drohne DNA-Spuren, die auch schon beim Brand
eines Pakets in einem DHL-Zentrum 2024 gefunden worden waren. Eine konkrete
Person lässt sich den Spuren bisher nicht zuordnen, die Ermittler*innen
rechnen den Vorfall 2024 aber russischen Stellen zu. Plan war damals wohl
eigentlich, mit dem im Paket versteckten Brandsatz ein Frachtflugzeug zum
Absturz zu bringen.
10 Aug 2026
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