# taz.de -- Rolle Jordaniens im Iran-USA-Krieg: Königreich im Würgegriff
       
       > Jordanien war bislang im US-Iran-Krieg recht glimpflich davongekommen –
       > das ändert sich nun. Und Iran versucht, die Bevölkerung in seinem Sinne
       > aufzuhetzen.
       
 (IMG) Bild: Abschuss einer Rakete von einem unbekannten Standort aus in Richtung von US-Zielen in Jordanien, Kuwait und Bahrain
       
       Eine leuchtende Schneise zerreißt die Dunkelheit über der Wüste, mit einem
       stumpfen Knall schlägt etwas hinter einem flachen Bau ein, am Himmel sieht
       man weitere Flugkörper, wenige Sekunden später explodiert etwas, Flammen
       verschlingen die Gebäude, Funken fallen wie Regen auf den Boden. Das Video
       zeigt einen iranischen Luftangriff auf die Muwaffaq Salti Air Base nahe
       Azraq im Westen Jordaniens am 17. Juli.
       
       Drei US-Soldat:innen hat er das Leben gekostet. Laut dem Wall Street
       Journal, das sich auf Quellen aus Militärkreisen beruft, hatten die Raketen
       damals Unterkünfte von US-Soldaten getroffen sowie eine Sport- und eine
       Flugzeughalle.
       
       Der Luftangriff in Azraq war der erste tödliche Angriff Irans in Jordanien
       – [1][aber nicht der erste, der sein Ziel traf.] Mitte Juli gerieten
       Wohngebäude an der König-Faisal-Militärbasis unter Beschuss, fünf
       US-Soldat:innen wurden verwundet. Dann landeten Raketen auf dem
       Prinz-Hassan-Luftstützpunkt in Ostjordanien und zerstörten laut New York
       Times mehrere Blackhawk-Hubschrauber. Bei den Luftangriffen sollen mehrere
       Dutzend US-Streitkräfte verletzt worden sein.
       
       ## Ein Königreich in schwieriger Nachbarschaft
       
       Die USA und Jordanien kooperieren seit Jahren im Militärbereich. Zu Beginn
       des Krieges in Iran hatten die Vereinigten Staaten zunehmend Truppen und
       Flugzeuge nach Jordanien gebracht, das zeigen Satellitenbilder aus Azraq.
       Mehrere Länder am Arabischen Golf lehnten eine Nutzung ihres Bodens oder
       Luftraums ab. Das haschemitische Königreich zählt jedoch zu den
       verlässlichsten westlichen Partnern in der Region, vor allem im Kampf gegen
       Terrorismus.
       
       Im Gegenzug erhält Jordanien moderne Waffen, Training und Hilfsgelder in
       Höhe von Milliarden US-Dollar. Allein von den USA hat es 2025 etwa 1,27
       Milliarden Euro erhalten. Das Königreich kann sich also vielleicht
       beschweren, doch schlecht weigern, wenn die USA seine Stützpunkte nutzen
       will. Das bringt die Führungselite in eine schwierige Lage – und das Land
       mitten ins Kreuzfeuer.
       
       Jordanien liegt nämlich zwischen Israel – mit dem es bereits 1994 Frieden
       geschlossen hat –, dem [2][Westjordanland], Syrien, Irak und
       [3][Saudi-Arabien]. In den vergangenen 50 Jahren konnte es innere
       Stabilität bewahren, nicht zuletzt durch strategische Allianzen sowie durch
       einen sogenannten „sanften Autoritarismus“ – enge Kontrolle ohne
       Massengewalt.
       
       ## Irans Propaganda zielt auch auf Jordanien
       
       Doch wieso treffen plötzlich iranische Raketen gezielter und tödlich die
       US-Ausstattung in Jordanien? Experten sehen dafür mehrere Gründe: die
       wachsende Bedeutung Jordaniens in der US-Militärstrategie und Irans
       zunehmende Fähigkeit, seine Angriffe den Luftabwehrsystemen anzupassen und
       sie zu umgehen. US-Präsident Donald Trump unterstellte jüngst vor laufender
       Kamera, dass Jordaniens Schutzmechanismen nicht gut genug seien. Irans
       Revolutionsgarden teilten hingegen mit, man habe auf Informationen
       zugegriffen, die jordanische Staatsbürger:innen und Militärs zur
       Verfügung gestellt hätten.
       
       Jordanische Experten verneinen das. [4][Der Geopolitik-Experte Amer
       al-Sabaileh sagt, es sei „alarmierend, dass Iran auch mit Propaganda auf
       Jordanien zielt“]. Denn es sei nicht die erste Aussage, die
       Jordanier:innen dazu auffordert, Initiative zu ergreifen. Und in
       Jordanien befänden sich iranische Schläferzellen. Iran versuche so, den
       Druck auf die USA und Israel zu erhöhen.
       
       Ähnlich sieht es Saud al-Sharafat, Ex-Geheimdienstler und Leiter des
       Shorufat Center for Terrorism Studies. Solche Aussagen seien ein Muster der
       „psychologischen und Informationskriegsführung, die darauf zielt, interne
       Spannungen zu schaffen und Einfluss zu gewinnen“. Dazu dienen auch
       übertriebene Behauptungen über die Zahl gefallener Soldat:innen oder
       Sachschäden. Die Revolutionsgarden hatten in ihrer Mitteilung geschrieben,
       sie hätten „Dutzende“ US-Soldat:innen getötet.
       
       Dass Iran versucht, die jordanische Bevölkerung zu involvieren, ist kein
       Zufall. Denn diese hat mindestens zur Hälfte palästinensische Wurzeln. Und
       seit dem Krieg in Gaza ist der Unmut groß – auch gegenüber der eigenen
       Regierung. Jordanien fing bereits mehrmals iranische Raketen auf dem Weg
       nach Israel ab und unterdrückte Demonstrationen. Außerdem setzen steigende
       Preise [5][sowie globale Einschnitte bei Hilfsgelder]n einigen zu.
       
       ## Amman im Balanceakt zwischen Iran und Israel
       
       Die jordanische Regierung betont ihrerseits immer wieder, sich aus dem
       Konflikt heraushalten zu wollen, und plädiert für diplomatische Lösungen.
       Sie kritisiert sowohl Israels Angriffe als auch Irans Attacken, die
       „Jordaniens Souveränität verletzten“.
       
       Außenminister Ayman Safadi betont, es gäbe keine US-Militärbasen in
       Jordanien. Und die Stützpunkte gehören in der Tat nicht den USA, sondern
       Jordanien. Sie beherbergen neben jordanischen etwa 4.000 US-Soldat:innen
       sowie internationale Streitkräfte. Darunter ist auch die Bundeswehr.
       Insgesamt 160 deutsche Soldat:innen sind in Jordanien und im Irak
       stationiert. Die Bundeswehr schlüsselt das nicht genauer auf, nach
       Medienberichten sollen sich die meisten in Jordanien befinden. Beim Angriff
       auf die Muwaffaq Salti Air Base sei keiner der Deutschen verletzt worden.
       
       Trotz Protesten seitens Ammans halten die Angriffe auf das Land an. Am 15.
       Juli ertönten etwa die Alarmsirenen in der [6][Küstenstadt Akaba.] Die
       Luftwaffe konnte die meisten Flugkörper bislang abfangen. Doch die Spannung
       bleibt hoch – und Jordanien im Kreuzfeuer.
       
       29 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Jordanien-im-Kreuzfeuer/!6158778
 (DIR) [2] /Israelische-Siedlungen-im-Westjordanland/!6192375
 (DIR) [3] /Falcons-Flight-in-Riad-Eine-Fahrt-mit-der-hoechsten-schnellsten-und-laengsten-Achterbahn-der-Welt/!6168158
 (DIR) [4] /Experte-ueber-Ausweitung-des-Gazakriegs/!5989556
 (DIR) [5] /Entwicklungsministerin-in-Jordanien/!6167452
 (DIR) [6] /Reaktion-auf-den-Irankrieg/!6196214
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Serena Bilanceri
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Jordanien
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) USA
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Gaza-Krieg
 (DIR) Gaza
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Drohnen auf LNG-Schiffe in Ägypten: Kairo will sich nicht hineinziehen lassen
       
       Die Angriffe auf Schiffe mit US-Bezug werden Iran oder einer seiner
       Proxymilizen zugeschrieben. Ägypten versucht sich am diplomatischen
       Balanceakt.
       
 (DIR) Drohne trifft US-Gastanker: Ägypten meldet Brand auf LNG-Terminalschiff
       
       In Ägypten setzt eine Drohne zwei Schiffe am Mittelmeer in Brand. Einem
       Medienbericht zufolge hat Iran damit zu tun. Was steckt dahinter?
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Irankrieg +++: US-Militär startet neue Angriffe auf Iran
       
       Erstmals seit fast einer Woche hat die US-Armee wieder Ziele im Iran
       angegriffen – nach eigenen Angaben als Antwort auf Raketenangriffe des Iran
       auf US-Truppen.
       
 (DIR) Saudi-Arabien greift Stellung in Irak an: Spiel mit dem Feuer
       
       Eine diplomatische Lösung des US-Iran-Konflikts bröckelt jeden Tag mehr.
       Doch ist sie der einzige Ausweg, um einen größeren regionalen Konflikt zu
       vermeiden.
       
 (DIR) US-Iran-Krieg: Mehrere Staaten in Nahost melden Drohnenbeschuss
       
       Jordanien, Saudi-Arabien und Israel fangen Drohnen ab. Proiranische Milizen
       in Irak und die Huthi-Miliz im Jemen stehen im Verdacht, sie abgefeuert zu
       haben.
       
 (DIR) Verwundete aus Gaza in Jordanien: „Irgendwann waren wir so hungrig wie in Gaza“
       
       Jordanische Stiftungen ermöglichen Kranken aus Gaza eine Behandlung in
       Jordanien. Doch einige der Betroffenen fühlen sich im Stich gelassen.
       
 (DIR) Verwundete aus Gaza in Jordanien: Gewinn einer grausamen Lotterie
       
       Tausende Kranke und Verwundete harren im zerstörten Gazastreifen aus. Nur
       wenige werden im Ausland behandelt. Die taz hat eine Familie begleitet.