# taz.de -- Arabischer Golf: Drohende Ölkatastrophe durch Schiff russischer Schattenflotte
> Ein riesiger Öltanker der russischen Schattenflotte liegt vor Oman auf
> Grund. Satellitenbilder zeigen bereits einen fast 800 Quadratkilometer
> großen Ölteppich.
(IMG) Bild: Der havarierte Tanker ist 274 Meter lang und hat 100.000 Tonnen Rohöl an Bord: Satellitenbild vom 19. Juli
In der Golfregion droht eine riesige Ölkatastrophe durch ein Schiff der
russischen Schattenflotte: Seit Wochen liegt der Öltanker „Caroline
Bezengi“ im Arabischen Golf vor der Küste Omans auf Grund. Er hat 110.000
Tonnen Rohöl im Wert von 44 Millionen Euro im Bauch und droht
auseinanderzubrechen.
Inzwischen zeigen Satellitenbilder einen fast 800 Quadratkilometer großen
Ölteppich – mehr als die Fläche Hamburgs – in den Gewässern vor den
Hallaniyat-Inseln. Hier ist maritimes Schutzgebiet, es gibt Korallenriffs,
seltene Schildkröten, Wale und Seevögel.
Das 274 Meter lange, 2001 auf einer südkoreanischen Werft gebaute Schiff
dümpelt schon eine ganze Weile im Wasser. Mit russischem Urals-Rohöl, der
wichtigsten russischen Rohölsorte, das es im Schwarzmeerhafen Noworossijsk
geladen hatte, war es auf dem Weg zum Ölhafen Sika in der westindischen
Provinz Gujarat, als es am 8. Juni vor der Küste Omans zu einer Explosion
mit verheerenden Folgen kam. Neun Tage zuvor hatte die „Caroline Bezengi“
den Suezkanal passiert. Danach wurde der Schiffstransponder offenbar
ausgeschaltet, der sonst automatisch die Position meldet.
Am 12. Juni, vier Tage nach der Explosion, wurde die Besatzung unverletzt
vom Schiff gebracht, das dann auf die Klippen trieb, seither mit
Schlagseite teilweise unter Wasser liegt und Öl in großen Mengen verliert.
## Giftige Dämpfe
Bei einer Inspektion der Seebehörden Omans am 12. Juli an Bord des Schiffes
soll laut lokalen Medien festgestellt worden sein, dass der Tanker bis auf
einen der sechs Tanks vollständig beladen ist. Dieser leere Tank war
offenbar der einzige, der nicht beschädigt war. Alle anderen Behälter
enthielten Rohöl und wiesen Anzeichen einer Verunreinigung durch Seewasser
auf. Zudem war Öl in den Ballast sowie in den [1][Doppelhüllenraum]
ausgelaufen. Die dabei entstehenden Dämpfe wurden als potenziell explosiv
eingestuft – was ein Abpumpen gefährlich machen würde.
Die Sorge ist, dass der normalerweise um diese Jahreszeit einsetzende
Monsun den Öltanker auseinanderbrechen lassen könnte. Deshalb versuchen die
omanischen Behörden seit Mitte Juli, den Schiffseigner zum Handeln zu
bringen. Sie wollen, dass er das Rohöl an Bord auf ein anderes Schiff
pumpt. Dadurch soll der Tanker leichter und wieder manövrierfähig werden,
sodass er aus dem Schutzgebiet gebracht werden könnte.
Das unter kamerunischer Flagge fahrende Schiff ist Teil der [2][russischen
„Schattenflotte“]. Diese besteht aus veralteten Tankern, die Russland nach
der Verhängung der westlichen Liefersperren eilig zusammengekauft hat, um
das so sanktionierte Rohöl unauffällig zu transportieren. Die meisten
Tanker werden spätestens im Alter von 20 Jahren verschrottet, da
Reparaturen, erhöhte Versicherungsprämien und Abnutzung der Stahlhülle auf
die Rentabilität durchschlagen. Der lecke Kahn in der Golfregion ist 25
Jahre alt.
## Firmenadresse im Wohnblock
Offiziell gilt Rentoor Ship Management mit Sitz in Huangpu Qu, einem
zentralen Stadtteil Shanghais, als Eigner. Westliche Experten halten das
Unternehmen für eine Briefkastenfirma, denn die Adresse liegt in einem
Wohnblock. Es ist bekannt, dass die sanktionierte russische Staatsreederei
Sovcomflot, die auch als wahrer Eigner der „Caroline Bezengi“ gilt, ihre
Schattenflotte nach zahlreichen Hin- und Herverkäufen oder Vercharterungen
unter solchen Adressen meldet. Der Tanker hieß zuvor auch schon „SCF Altai“
– SCF steht für Sovcomflot und Altai ist ein zentralasiatisches russisches
Gebirge.
Das Problem bei der Rettung der havarierten „Caroline Bezengi“ ist, dass
sie nicht nur unter EU-, britischen, Schweizer und kanadischen Sanktionen
steht. Sie ist auch von der [3][US-Finanzaufsicht Ofac] (Office of Foreign
Assets Control) gelistet. Diese ist besonders rigide und stellt alle Firmen
und Einzelpersonen, die mit von der Ofac sanktionierten Gesellschaften
kooperieren, ebenfalls unter harte US-Sanktionen – Einreiseverbot in die
USA, Einfrieren von Konten, Ausschluss aus Operationen mit Dollars, Stopp
der Nutzung von Kreditkarten, die von US-Konzernen wie Visa, Mastercard
oder American Express stammen.
Für Oman ist es nun eine Abwägung: Jede Operation an dem Schiff könnte die
beteiligten Unternehmen ebenfalls auf die Ofac-Liste bringen. Die Behörden
wollen mit Bergung oder Flottmachung deshalb nichts zu tun haben. Aber ein
weiteres Hinauszögern des Abpumpens des schwefelhaltigen Urals-Öl aus den
Tanks kann zu einer gigantischen ökologischen Katastrophe führen.
## Erinnerung an „Exxon Valdez“
Und die könnte schlimmer ausfallen als 1989 bei der unter US-amerikanischer
Flagge fahrenden „Exxon Valdez“, die eine Ölpest vor Alaska auslöste.
Damals liefen gut 34.000 von fast 168.000 geladenen Tonnen Rohöl aus und
verseuchten fast 2.000 Kilometer Küste. Schlimmer war bisher nur die
[4][Katastrophe der „Deepwater Horizon“], bei der 2010 die Küsten
Louisianas, Mississippis, Alabamas und Floridas verunreinigt wurden.
Laut dem katarischen Satellitensender Al Jazeera versucht Oman aktuell, die
Ausbreitung des Ölfilms einzudämmen. [5][Greenpeace verlangt ein sofortiges
Eingreifen internationaler Organisationen], das „unmittelbare Risiko einer
beispiellosen Ölpest“ mit verheerenden Folgen für die Küsten und
Meeresökosysteme der Region zu bannen. Auch die niederländische Umwelt- und
Friedensorganisation Pax fordert internationales Handeln. Anders könne das
bereits in den Ozean fließende Öl nicht gestoppt werden.
11 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schiffssicherheit-in-der-Ostsee/!5217206
(DIR) [2] /Havarierter-russischer-LNG-Tanker/!6164828
(DIR) [3] /Oel-Sanktionen-gegen-Russland/!6125334
(DIR) [4] /Jahrestag-Explosion-der-Deepwater-Horizon/!5095666
(DIR) [5] https://www.greenpeace.org/international/press-release/85261/oil-disaster-russian-shadow-fleet-tanker-oman-protected-marine-area/
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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