# taz.de -- Bürgerkrieg im Jemen: Der Kampf um die Vorherrschaft ist wieder entflammt
> Im Jemen greift die Iran-unterstützte Huthi-Miliz die Nationalen
> Widerstandskräfte an. Diese stehen der international anerkannten
> Regierung und Saudi-Arabien nahe.
(IMG) Bild: Huthi-Demo im Juli in Sanaa, Jemen
In den frühen Morgenstunden des Sonntags wird die jemenitische Hafenstadt
Mokka am Roten Meer von einem der schwersten Raketenangriffe seit Jahren
getroffen. Die Huthi-Miliz feuerte mehr als zehn ballistische Raketen auf
den Hafen und Stellungen der sogenannten Nationalen Widerstandskräfte ab.
Dabei handelt es sich um eine Art Miliz, die der international anerkannten
Regierung und Saudi-Arabien nahesteht. Ihr Gründer ist Tareq Saleh,
Mitglied im Präsidialrat, dem Regierungsgremium des Jemen. Laut der Gruppe
trafen die Raketen zivile Einrichtungen im Hafen sowie Kraftwerke, sieben
Menschen wurden getötet, etwa 35 verletzt.
Im Jemen gibt es grob zusammengefasst zwei Lager: Die Iran-unterstützte
Huthi Miliz steht auf der einen Seite. Sie nahm Mitte der 2010er Jahre
große Teile des Westjemen ein. Auf der anderen Seite stehen die Regierung
und verschiedene Anti-Huthi-Milizen, darunter eben die Nationalen
Widerstandskräfte. Sie bilden keine geeinte Front, sondern haben
unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein von der Huthi-Kontrolle
befreiter Jemen aussehen sollte.
Die Nationalen Widerstandskräfte halten ein kleineres Gebiet im
südwestlichen Jemen: Die Küste von Mokka bis hinauf an die Außenbezirke von
Hodeidah, das wiederum von den Huthis kontrolliert wird. Seit Ende Juli
blockieren die Huthis den Verkehr von Schiffen mit Bezug zu Saudi-Arabien
durch die Meerenge Bab al-Mandab. Und zwischen dem Kerngebiet der Huthis
und Bab al-Mandab liegt das von den Nationalen Widerstandskräften
kontrollierte Gebiet.
Die Gruppe stellt also das größte Hindernis für die Kontrolle der Huthis
über die Meerenge dar. Sie hat Berichten zufolge bereits mehrere mit
Sprengstoff beladene Drohnenboote zerstört, welche die Huthis zuvor auf
Handelsschiffe losgeschickt hatten.
## Tote und Vertriebene
Der Beschuss von Mokka durch die Huthis war wohl eine Reaktion auf einen
vorangegangenen Angriff der Streitkräfte der Regierung, bei der eine
Kommandozentrale der Huthis südlich der Stadt Hodeidah zerstört wurde.
Dieser Angriff auf Hodeidah folgte wiederum auf eine Attacke der
Huthi-Miliz in Saudi-Arabien, zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit.
Getroffen wurde eine Raffinerie von Aramco, größte Erdölfördergesellschaft
der Welt und zum Großteil im Besitz des saudi-arabischen Staates. Die
Eskalationsspirale ist derzeit also in vollem Gange.
Die jemenitischen Regierungstruppen betonen, sie würden lediglich reagieren
und die Kämpfe nicht ausweiten. Die Regierung erklärt, sie wolle nicht in
einen regionalen Konflikt hineingezogen werden.
Den Preis für die Eskalation zahlt auch die Zivilbevölkerung: Bei Angriffen
der Huthis auf das Gebiet Marib wurden laut dem Gesundheitsministerium zwei
Zivilisten getötet, 14 verletzt. Marib befindet sich neben der von den
Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa und beherbergt über eine Million
Binnenvertriebene.
In Hodeidah warf ein Menschenrechtsbüro den Huthis vor, Dutzende Familien
aus Dörfern südlich von al-Jarrahi und Jabal Ras gewaltsam vertrieben,
ganze Dörfer geräumt und sie in Kasernen und Waffenlager umgewandelt zu
haben. Den Bewohnern seien nur wenige Stunden Zeit zum Verlassen der Orte
gegeben worden. Der stellvertretende Direktor Ghalib al-Qudaimi bezeichnete
dies als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
## Die Huthis in der Zwickmühle
Die Huthis wiederum zahlen für die Eskalation ihren eigenen Preis. Seit
Juli sollen Berichten zufolge etwa 32 Menschen bei Explosionen vor dem
Abschuss von Raketen ums Leben gekommen sein; 26 Mitglieder ihrer
Raketenstreitkräfte jüngst beim Zusammenbau von Raketen in einem Tunnel
westlich von Sanaa.
Adnan al-Jabrani, Experte für die Huthis, sagt, die Gruppe „versucht, den
Kampf noch vor seinem Beginn mit Raketen und Drohnen zu entscheiden“. Doch
diese Waffen verlören auf kurze Distanz ihren Wert, sie seien für einen
Krieg außerhalb des Jemen entwickelt worden, nicht mit Kräften im Land.
Diesmal schätzten die Huthis ihre Gegner falsch ein, sagt er.
9 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Najm Aldain Qasem
## TAGS
(DIR) Jemen Bürgerkrieg
(DIR) Jemen
(DIR) Huthi-Rebellen
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Jemen Bürgerkrieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Jemen Bürgerkrieg
(DIR) Somalia
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krieg in Nahost: Vier Tote bei Huthi-Angriff auf Handelsschiff
Die Iran-unterstützte Huthi-Miliz im Jemen greift immer wieder Schiffe in
der Meerenge Bab Al-Mandab an. Nun kamen dabei Berichten zufolge Seeleute
um.
(DIR) USA und Iran im Krieg: Forderungen, die einer Kapitulation gleichkämen
Iran wähnt sich in der Oberhand und stellt radikale Forderungen für die
Öffnung der Straße von Hormuz. Dabei steht das Land wirtschaftlich selbst
unter Druck.
(DIR) Militärische Eskalation im Jemen: Die Rückkehr des Bürgerkriegs
Im Jemen flammt der militärische Konflikt erneut auf. Während Saudi-Arabien
noch versucht, ihn einzudämmen, eskalieren die Huthis weiter.
(DIR) Islamistische Miliz im Sahel: Al-Shabaab ist in Kenia auf dem Vormarsch
Die somalische Miliz Al-Shabaab bedroht nun die ganze Region. Auch, weil
sie verstärkt mit der Iran-unterstützten Huthi-Miliz im Jemen kooperiert.