# taz.de -- Drohnenangriffe in baltischen Staaten: Fast täglich springen die Warn-Apps an
> Drohneneinsätze sind Teil der elektronischen Kriegsführung Russlands. In
> den baltischen Staaten ist wohl auch in Zukunft damit zu rechnen.
(IMG) Bild: Betroffen von den Nebeneffekten des Ukrainekrieges: Lettland, Litauen und Estland
Die letzte Meldung ist erst wenige Tage alt: Im Südosten Estlands wurden
Teile einer abgestürzten Drohne gefunden. Beladen war sie mit rund 5
Kilogramm Sprengstoff und gefunden hatte sie ein Landwirt beim Mähen.
[1][Anfang Juni drang eine Drohne in den lettischen Luftraum ein] und wurde
dort schließlich von französischen Kampfjets vom Typ Rafaele abgeschossen.
Einen ähnlichen Fall gab es bereits Mitte Mai in Estland und auch hier
mussten Nato-Jets aufsteigen und binnen Sekunden über einen Abschuss
entscheiden.
In der litauischen Hauptstadt Vilnius wurden Ende Mai die Menschen
aufgefordert, in Schutzräume zu gehen, nachdem eine Drohnensichtung
gemeldet wurde. Auch der Flughafen in Vilnius musste schließen.
## GPS-Störungen und Propaganda
Verletzt wurde in allen Fällen niemand, die Schäden in den baltischen
Staaten sind überschaubar. Bisher. Aber nahezu täglich melden die
verschiedenen Warn-Apps in den baltischen Ländern insbesondere in den
Grenzregionen zu Russland und Belarus Drohnenüberflüge. Es handelt sich
sowohl um ukrainische als auch russische Flugobjekte.
[2][Die Drohnen sollen eigentlich nicht in den Luftraum der baltischen
Staaten eindringen.] „Dafür gibt es keinen Grund“, sagt Militärexperte Arbo
Probal der taz. Probal ist eine Art Programmmanager bei den estnischen
Streitkräften und zuständig für die Weiterentwicklung unbemannter Systeme
und wie sie abgewehrt werden können. Probal ist sich sicher, dass die
russischen Streitkräfte die GPS-Signale der Drohnen stören und auf einen
anderen Kurs lenken – in diesem Fall etwa Richtung Estland, Lettland oder
Litauen.
Dies sei auf öffentlichen Karten, die GPS-Störungen zeigten, sichtbar, so
Probal. Etwa, wenn die Ukraine Drohnen Richtung St. Petersburg schickt oder
zu russischen Ölraffinerien an den Küstengebieten. Russlands Präsident
Putin dagegen hatte die Vorfälle genutzt, um den baltischen Ländern
vorzuwerfen, der Ukraine die Nutzung des eigenen Luftraums zu gewähren und
damit zur Kriegspartei zu werden. Deren drei Staatschefs sahen sich dann
genötigt diese Anschuldigung zurückzuweisen[3][. Unterstützung kam von den
nordischen Ländern im Rahmen eines Treffens mit dem ukrainischen
Präsidenten Selenskyj.]
## Elektronische Kriegsführung ist zentral
Militär und Politik in der Region sprechen von der vierten Phase der
russischen Vollinvasion in der Ukraine, in der elektronische Kriegsführung
eine erhebliche Rolle, wenn nicht gar die Hauptrolle spielt. Probal geht
daher davon aus, dass es auch weiterhin zu Drohnenvorfällen in den
baltischen Staaten kommen wird, wenn sich Ziele in Grenznähe befinden.
Die Länder verfügen über keine eigenen Kampfjets und sind daher auf die
Nato und deren Fähigkeit für die Luftabwehr angewiesen. Alle investieren
aber verstärkt in den Drohnenbau und vor allem die Drohnenabwehr, in
Kooperation mit der Ukraine und anderen Nato-Staaten. So ist etwa in
Estland in den kommenden Monaten ein Rüstungspark mit einem türkischen
Unternehmen geplant. Lettland hat ein umfangreiches Drohnenabkommen mit der
Ukraine beschlossen und hat dazu ukrainische Expert:innen nach Lettland
eingeladen.
28 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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