# taz.de -- Automatisierung und Mehrwert: Einkommensteuern für Maschinen
       
       > Roboter nehmen uns Arbeitsplätze weg. Warum besteuern wir nicht ihren
       > Produktivitätsgewinn – und profitieren alle vom Fortschritt?
       
 (IMG) Bild: Noch wird getestet: Der humanoide Roboter AEON kontrolliert im BMW-Werk in Leipzig die Karosserie eines Fahrzeuges
       
       Schon 2036 könnte es so weit sein. Im Büro sitzt nur noch die halbe
       Belegschaft. Den Rest erledigt künstliche Intelligenz. In der Fabrik fahren
       Roboter die Schichten, in der Logistik sortieren Maschinen die Pakete.
       Alles geht schneller, ist automatisiert und damit viel produktiver. Gut,
       einerseits. Nur, was passiert mit den Jobs? Wer zahlt eigentlich noch
       Lohnsteuer, wenn Roboter uns am Arbeitsplatz ersetzen?
       
       Mit jeder neuen Anwendung kommt eine alte Angst zurück. Dass
       [1][technischer Fortschritt unser Feind ist, weil er zu
       Massenarbeitslosigkeit und Verarmung] führt – und dadurch auch noch die
       Staatskasse leert. Immer häufiger kommt deshalb die Idee auf: Besteuern wir
       Roboter und KI!
       
       Die Angst dahinter ist verständlich. Und trotzdem ist die Schlussfolgerung
       falsch. Fortschritt zu besteuern, wäre ein Eigentor. Gerade in einer
       alternden Gesellschaft, die in Zukunft darauf angewiesen ist, menschliche
       Arbeit an Maschinen, Roboter und KI abzutreten – und produktiver zu sein.
       
       Beispiel: Landwirtschaft. Heute arbeiten dort gerade einmal ein Prozent
       aller Erwerbstätigen. Vor 200 Jahren war es noch fast jeder Zweite. Als
       Traktoren, Mähdrescher und andere Maschinen kamen, forderte niemand eine
       Traktorensteuer, damit möglichst viele Menschen weiter mit der Hand das
       Feld bestellen. Die freigesetzte Arbeitskraft wechselte in andere Branchen:
       auf den Bau, in Büros oder in Fabriken. Warum sollte es bei KI und Robotern
       anders sein?
       
       Problematisch wird es nur, wenn die Gewinne von Robotern und KI vollständig
       bei den Eigentümern landen – und eben nicht verteilt werden. Dann verlieren
       Beschäftigte ihre Arbeit, haben weniger Einkommen und der Wirtschaft fehlt
       es an Nachfrage. Dann kann technischer Fortschritt tatsächlich mit
       Arbeitslosigkeit und [2][wachsender Ungleichheit] einhergehen. Wobei: Wenn
       Unternehmen die Produktivitätsgewinne nicht weitergeben, können sie auch
       nicht verkaufen, was Roboter herstellen – und zerstören auf lange Sicht ihr
       eigenes Geschäft.
       
       Die Gewinne aus KI und Robotern sollten deshalb über höhere Löhne,
       gerechtere Steuern und einen leistungsfähigen Sozialstaat verteilt werden.
       Dafür müssten die Gewerkschaften aber endlich wieder dafür sorgen, dass die
       Löhne mit der Produktivität steigen (was in den letzten drei Jahrzehnten
       nicht geklappt hat). Und die Politik müsste die Unternehmensteuern anheben,
       und nicht – wie derzeit geplant – sogar noch senken.
       
       Der Unterschied ist aber wichtig: Nicht der Roboter selbst sollte besteuert
       werden, sondern [3][der zusätzliche Gewinn], den er ermöglicht. Anders
       verhindert man nicht Arbeitslosigkeit, sondern den Fortschritt selbst. Eine
       Robotersteuer würde Investitionen in neue Technologien weniger attraktiv
       machen und damit gerade jene Unternehmen bestrafen, die produktiver werden
       wollen. Eine höhere Besteuerung von Gewinnen lässt den technischen
       Fortschritt dagegen zu und sorgt anschließend dafür, dass ein größerer Teil
       seines Ertrags bei der Gesellschaft ankommt.
       
       Dafür braucht es allerdings Politik, die sich traut, den mächtigen
       Lobbyverbänden der Unternehmen zu widersprechen. Wenn die
       Produktivitätsgewinne oben hängen bleiben, wird aus technologischem
       Fortschritt soziale Spaltung. Wenn sie verteilt werden, kann daraus mehr
       Wohlstand, Freizeit und ein besseres Leben für alle entstehen.
       
       Nicht der Roboter ist also das Problem. Sondern die Frage, wem sein Gewinn
       gehört.
       
       24 Aug 2026
       
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