# taz.de -- World Humanoid Robot Games: Goldmedaille für die elektrische Hebebühne
> Bei einer Robotermeisterschaft in China hat ein Humanoid den menschlichen
> Geschwindigkeitsrekord gebrochen. Was soll das für ein Fortschritt sein?
(IMG) Bild: Der lustige rote Roboter hat Arme und Beine. Und er kann genauso wenig wie wir
Wenn gedopte Sportler*innen schon eigene Meisterschaften haben, [1][um
zu sehen, was man so aus Körpern herausholen kann, wenn man ihnen Drogen
gibt], ist der nächste Schritt eigentlich gar nicht mehr weit: die
menschliche Komponente mal ganz aus dem Wettkampf herauszunehmen. So kommt
es, dass am Wochenende bei den zweiten Weltmeisterschaften humanoider
Roboter in China ein ebensolcher [2][Usain Bolts] Rekord im
100-Meter-Sprint gebrochen hat.
9,39 Sekunden brauchte das Ding für die Strecke. Dem entgegen stehen Bolts
9,58. Und dafür gibt’s medialen Applaus. Warum eigentlich? Die elektrische
Hebebühne, die schwerere Autos in die Luft hievt als Pipi Langstrumpf oder
professionelle Gewichtheber*innen es je könnten, wird ja auch nicht
bejubelt. Sie ähnelt uns einfach nicht genug.
[3][Der lustige rote Roboter] aber hat Beine und Arme, Oberkörper und einen
angedeuteten Kopf. Außerdem schafft er es ebenso wenig wie wir – bei
unserem Bestreben nach immer besseren, krasseren technologischen
Entwicklungen –, anzuhalten. Stattdessen ballert er nach der Ziellinie voll
in eine Mattenwand, bevor er dann von Menschen sorgfältig auf eine Trage
bugsiert und abtransportiert wird. Ganz so, als wäre er eine
Profifußballerin, die das Finalspiel aus eigener Motivation, mit eigenen
Gefühlen, Gedanken, Erfahrungen und Muskeln bestreitet und sich dann das
Kreuzband reißt.
Maschinen wie ein lebendiges Wesen zu bauen, kann smart sein. Etwa bei
süßen, [4][kleinen Robo-Robben], die Bewohner*innen in Altenheimen auf
den Schoß gelegt werden, damit sie mit ihnen interagieren und sich so
wohler fühlen. Oder bei den Roboterwölfen, die in Japan seit einigen Jahren
immer häufiger genutzt werden, um Bären von Wanderwegen und hungrige
Wildschweine von Äckern zu vertreiben.
## Eigentlich sind zwei Beine ineffizient
Einen humanoiden Roboter zu bauen, erschließt sich allerdings nicht
wirklich. Außer man will einfach ein Ebenbild seiner Selbst erschaffen,
weil man so in die eigene Form verliebt ist. Oder man will, dass Personen
den Maschinen Vertrauen oder Zuneigung entgegenbringen, die sie einer
Hebebühne gegenüber nicht unbedingt hegen.
Eine Maschine auf zwei Beinen aber ausgerechnet laufen zu lassen, das
trotzt eigentlich den Erkenntnissen aus der Biologie. Zwei Beine sind
nämlich denkbar ungünstig, um sich schnell bewegen zu können. Gepard, Gnu
oder Feldhase haben vier. Und auch sechs- oder achtbeinige Wesen sind,
setzt man das Ganze mit ihren Maßen in Relation, ziemlich flink. Milben der
Art Paratarsotomus macropalpis können in einer Sekunde eine Strecke
zurücklegen, die dem 322-fachen ihrer Körpergröße entspricht. Der Mensch
rennt oft genug zum Bus und verpasst ihn doch. Auch der ist nämlich bei
Bedarf schneller als Usain Bolt.
Das ineffiziente Rennen ist eine menschliche Eigenschaft, gegen die sich
Spitzensportler*innen und Kinder beim Fangenspiel vehement wehren.
Deren Erfolge sollten wir feiern. Stattdessen bejubeln wir die gemachte
Evolution der Maschinen, die jetzt dazu geführt hat, dass die Dinger nicht
nur aufrecht gehen, sondern sogar sprinten. Wir fiebern mit. Fühlen wir uns
an unseren eigenen Werdegang erinnert? Eines der ältesten Zeugnisse unseres
aufrechten Gangs sind 3,6 Millionen Jahre alte Fußspuren des Vormenschen
Australopithecus afarensis. Seitdem hat sich unser Schädel verformt, auch
unsere Wirbelsäule, die Kniestellung, das Fußgewölbe und die
Darmbeinschaufel, die innere Organe stützt.
Wir können schlechter klettern, haben dafür aber Überblick über weite
Graslandschaften und die Hände frei, um Werkzeuge zu benutzen. Mit denen
bauen wir jetzt Roboter und ahmen unnötig unseren Wandel nach. So ist der
Mensch: nicht nur langsam, sondern auch verspielt.
Für den Moment ist der Roboterrekord also lustig. Aber wenn wir
Science-Fiction-Erzählungen wie „Chappie“, „Robocop“ und „[5][Terminator]“
bedenken und davon ausgehen müssen, dass manche Machthaber*innen ganz
gerne gehende Maschinen mit KIs kombinieren würden, [6][wie sie zuletzt
immer häufiger bei Videoüberwachung eingesetzt werden], müssen wir auf
unseren nächsten Evolutionssprung hoffen. Denn ohne den können wir nicht
mehr davonlaufen.
Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes wurde ein falscher
Hersteller des Roboters genannt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
24 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Dopingspiele-in-Las-Vegas/!6181635
(DIR) [2] /Usain-Bolt/!t5047849
(DIR) [3] https://www.msn.com/de-de/finanzen/top-stories/world-humanoid-robot-games-roboter-unterbietet-laut-chinesischen-medien-100-meter-weltrekord/ar-AA2aKV3f
(DIR) [4] https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/tostedt/c-service/ins-altenheim-des-herbergsvereins-soll-eine-pluesch-robbe-einziehen_a415074
(DIR) [5] /Terminator---Die-Erloesung/!5162120
(DIR) [6] /KI-Videoueberwachung-in-Berlin/!6205593
## AUTOREN
(DIR) Johannes Drosdowski
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