# taz.de -- Transfermanager über Mensch und KI: „Entweder hypen wir KI zu sehr oder wir schweigen sie tot“
       
       > Aljoscha Jacobi berät kleine Unternehmen, wie sie künstliche Intelligenz
       > nutzen können. Der Mensch werde dabei keineswegs überflüssig, eher
       > wichtiger.
       
 (IMG) Bild: Hat was zu bieten: Bremer Transferzentrum KI – hier mit einem Roboter auf der Fachmesse Space Tech Expo Europe
       
       taz: Herr Jacobi, Sie helfen kleinen und mittelständischen Unternehmen
       kostenlos dabei, [1][KI-Kompetenz] aufzubauen und passende Lösungen für
       ihre Arbeitsabläufe zu finden. Womit fangen Sie an? 
       
       Aljoscha Jacobi: Wir erklären erst mal, was KI überhaupt ist, warum man
       keine Angst davor haben muss, aber warum es sich lohnt, sich kritisch damit
       auseinanderzusetzen. Das läuft über eine Workshopreihe, die aufeinander
       aufbaut: erst die Grundlagen, dann die Integration im Unternehmen, dazu
       Fokus-Workshops. Spezialthemen wie den EU AI Act geben wir bewusst an
       externe Dozentinnen und Dozenten ab. Den Unternehmen selbst raten wir,
       klein anzufangen und Stück für Stück aufzubauen, statt direkt mit dem
       größten Prozess zu starten.
       
       taz: Was sagt es über den Blickwinkel unserer Gesellschaft auf KI aus, wenn
       die meistgestellte Frage an Sie ist, welche die beste sei? 
       
       Jacobi: Sie zeigt, wie vereinfacht wir noch auf KI blicken, nämlich als
       gäbe es die perfekte Lösung auf Knopfdruck. KI verändert derzeit zwar in
       rasanter Geschwindigkeit die Prozesse und Art und Weise, wie wir arbeiten,
       nicht zwangsläufig den Output. Häufig schauen wir nur auf das Endergebnis,
       weil die Prozesse dahinter oft zu abstrakt wirken, und neigen daher dazu,
       KI zu über- oder unterschätzen. Es gibt Reasoning-Modelle fürs komplexe
       Nachdenken, kleine Modelle für einfache Aufgaben wie E-Mails und
       Spezialmodelle etwa fürs Programmieren. [2][Das beste Modell gibt es
       nicht.] Entscheidend ist, welches Problem man lösen will und wie das
       Ergebnis am Ende aussehen soll, denn wer den Output nicht klar definiert,
       setzt KI-Systeme nicht sinnvoll ein.
       
       taz: Viele Menschen kommen auch mit der Sorge zu Ihnen, KI ersetze
       zukünftig ihre Arbeitsplätze. Wie begegnen Sie diesen Menschen? 
       
       Jacobi: Auch diese Menschen sind in unseren Workshops willkommen, denn mit
       dem Einzug von KI in immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche entstehen neue
       Fragen nach Verantwortung, Vertrauen und Kontrolle. Überflüssig wird der
       Mensch dabei nicht, er wird eher wichtiger, weil der Wert standardisierter
       Arbeit sinkt, während Urteilskraft, Strategie und Verantwortung an Gewicht
       gewinnen. Den Modellen fehlt die Reflexionsfähigkeit, deshalb bleibt der
       Mensch der letzte Validierungsfaktor, häufig Human in the Loop genannt. Wir
       überschätzen die Geschwindigkeit dieser Innovation. Wir haben in
       Deutschland ja immer noch kein flächendeckendes Netz. Und wir unterschätzen
       ihre Tragweite, also all die Einsatzbereiche, die noch gar nicht umgesetzt
       sind. KI ist erfahrungsgemäß ohnehin nur zu einem Drittel die Lösung, die
       anderen zwei Drittel sind Menschen und Prozessverständnis.
       
       taz: Viele nutzen im Alltag inzwischen Assistenten und Agenten. Was steckt
       technisch dahinter? 
       
       Jacobi: Ein Assistent ist im Kern ein gespeicherter Systemprompt. Ein Agent
       greift zusätzlich auf Werkzeuge zu, um eine Aufgabe wirklich zu erledigen.
       Tools können dabei alles sein, was wir im Arbeitsalltag an Software
       benutzen. Als Agenten können die Modelle diese Software auf Code-Ebene
       benutzen und Aktionen ausführen.
       
       taz: Und was kann so ein System in einem Betrieb konkret übernehmen? 
       
       Jacobi: Whisper bringt gesprochenen Text in jedes Dokument. Auf Tastendruck
       spricht man ins Mikrofon und bekommt am Ende sogar vorsortierte Listen.
       Gamma baut aus Stichpunkten Präsentationen oder Flyer. NotebookLM fasst
       Textberge zusammen und macht daraus auf Wunsch einen Podcast. Ein Agent
       verbindet mehrere Tools und entscheidet mehr oder weniger autonom, welche
       zur Erledigung von komplexen Aufgaben nötig sind. Ein Handwerksbetrieb kann
       so eingehende Rechnungen erfassen und vorsortieren lassen, statt sie abends
       selbst abzutippen. E-Mails komplett automatisiert rauszuschicken würde ich
       trotzdem nicht empfehlen, weil dabei Fehler passieren, die schlecht
       ankommen.
       
       25 Aug 2026
       
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