# taz.de -- Elternzeit in Norwegen: So macht man es Vätern leicht
> In Deutschland nimmt nicht einmal jeder zweite Vater Elternzeit. In
> Norwegen tun es fast alle. Das Land zeigt damit, was wirklich
> funktioniert.
(IMG) Bild: Nicht einmal jeder zweite Vater nimmt überhaupt Elternzeit
Frauen in Deutschland verdienen während ihres Erwerbslebens
durchschnittlich mehr als [1][eine halbe Million Euro weniger als Männer].
Sie bekommen nur etwas mehr als die Hälfte. Der Hauptgrund: Frauen
übernehmen den Großteil [2][der unbezahlten Sorgearbeit] und büßen damit
Einkommen, Karriere und Vermögen ein. Ach, und Rente natürlich. Die liegt
nämlich im Durchschnitt auch fast 40 Prozent unter der von Männern.
Besonders betroffen sind Mütter. Dabei gäbe es ohne sie später weder
Wirtschaftsleistung noch Rente noch Gesellschaft.
Spätestens mit der Geburt der eigenen Kinder werden die Weichen für das
Familienleben gestellt. Dann entscheidet sich, wer nachts aufsteht, wer
Arzttermine übernimmt und wer beruflich zurücksteckt und wer Karriere
macht. Nun könnte man meinen, der Staat gleiche diese Heldentaten mit
Sozialleistungen wie dem Elterngeld aus. Tatsächlich aber ist es so
gestrickt, dass es die Ungleichheit verfestigt.
Das Elterngeld ersetzt in der Regel nur 65 Prozent des vorherigen
Nettoeinkommens und nur bis zu 1.800 Euro im Monat. Und das auch nur für 14
Monate – und auch nur dann, wenn das zweite Elternteil auch 2 Monate
Elternzeit nimmt – die berühmten „Vätermonate“.
Diese Regeln bedeuten also nicht nur garantierte Einkommenseinbußen,
sondern gehen an der finanziellen Lebensrealität vieler Familien komplett
vorbei. Zumal das Elterngeld seit seiner Einführung 2007 um die Hälfte
entwertet wurde, da Mindest- und Höchstsatz bis heute nicht an die
Inflation angepasst wurden.
So wird eine Elternzeit dann besonders „teuer“, wenn das besserverdienende
Elternteil zu Hause bleiben möchte. Und das ist meistens der Mann. Nur in
jedem dritten Haushalt verdienen beide Partner ähnlich viel, lediglich in
jedem zehnten die Frau mehr. Die Konsequenz ist offensichtlich. Häufig
bleibt die Mutter länger – oder sogar ausschließlich – zu Hause. Nicht
unbedingt, weil sie das so möchte, etwa um zu stillen, sondern weil sich
alles andere schlicht nicht rechnen würde.
[3][Die angekündigte Elterngeldreform der Bundesregierung] macht das Ganze
nun tatsächlich noch realitätsferner. Zwar steigt der Mindestsatz von 300
auf 330 Euro und der Höchstsatz von 1.800 auf 1.900 Euro, aber dafür gibt
es nur noch 12 statt 14 Monate Elterngeld – unterm Strich also weniger. Und
die gibt es auch nur, wenn davon der Vater mindestens drei statt zwei
Monate in Anspruch nimmt. Macht er das nicht, verfällt der Anspruch und das
Elterngeld schrumpft auf neun Monate zusammen. „Mehr Anreiz zu
Partnerschaftlichkeit“ nennt Familienministerin Karin Prien das, was in
Wahrheit eine drastische Kürzung ist. Ein Etikettenschwindel!
Was bräuchte es stattdessen? Eine höhere Lohnersatzrate. Mehr Geld, nicht
weniger. Großzügigkeit statt Erbsenzählerei. Norwegen macht es vor. Dort
können Eltern zwischen 59 Wochen Elternzeit mit 80 Prozent Lohnersatz oder
48 Wochen mit 100 Prozent wählen, mit einer Höchstgrenze, ab der Einkommen
nicht mehr ersetzt werden.
Ein Drittel der Elternzeit ist dort exklusiv für Väter reserviert –
[4][deutlich mehr als in Deutschland]. Weil das Einkommen währenddessen
aber weitgehend erhalten bleibt, funktioniert das Modell auch. Rund neun
von zehn Vätern in Norwegen nehmen Elternzeit. In Deutschland ist es nicht
einmal jeder Zweite.
Und was lernen wir daraus? Mehr reservierte Monate für Väter werden erst
dann zu einem realistischen Anreiz für Partnerschaftlichkeit, wenn die
Lohnersatzrate höher ist.
23 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2020/maerz/die-grosse-kluft-frauen-verdienen-im-leben-nur-halb-so-viel-wie-maenner
(DIR) [2] /Care-Arbeit/!t5692935
(DIR) [3] /Gesetzentwurf-der-Familienministerin/!6194148
(DIR) [4] /Studie-zu-Elternzeit/!5902747
## AUTOREN
(DIR) Maurice Höfgen
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