# taz.de -- Fifa-Präsident bleibt im Amt: Eine Entschuldigung ohne Substanz
       
       > Nach einer Krisensitzung stellt sich das Fifa-Management hinter Präsident
       > Gianni Infantino. Derweil wird bekannt, wie der den Fußball schon mal
       > verkaufen wollte.
       
 (IMG) Bild: Weiter präsidial unterwegs: Gianni Infantino (Mitte) besteigt in Rabat eine Limousine
       
       Die große Überraschung ist dann doch ausgeblieben. Gianni Infantino bleibt
       Präsident des internationalen Fußballverbands. Die Manager der Fifa, die
       Infantino zu einer Krisensitzung ins marokkanische Rabat bestellt hatte,
       stärkten ihm den Rücken. Auch Mattias Grafström, der Generalsekretär der
       Fifa, der noch vor einer Woche Infantino für dessen Investorenpläne
       kritisiert hatte, stellte sich demonstrativ hinter Infantino.
       
       Wie groß die Unterstützung Infantinos in den Führungsgremien der Fifa
       wirklich ist, bleibt auch nach dem Treffen im Dunkeln. Denn bei Weitem
       nicht alle Fifa-Manager hatten sich auf den Weg nach Marokko gemacht, wo
       Infantino während des Afrika Cups der Frauen gerade Urlaub mit seiner
       Familie macht.
       
       In einem von Grafström und Infantino unterzeichneten Brief an die
       Fifa-Präsidenten und die Mitglieder des Fifa-Councils, zu denen auch
       DFB-Präsident Bernd Neuendorf gehört, heißt es, dass der Generalsekretär
       und die anwesenden Mitglieder des Management Boards, ihre volle
       Unterstützung für Infantino zum Ausdruck gebracht hätten, „den einzigen
       Offiziellen, der von allen 211 Mitgliedsverbänden gewählt worden ist“.
       
       Der Brief enthält dann noch eine ausdrückliche Entschuldigung für den
       Ablauf um die nach massiven Protesten vor allem von den
       Kontinentalverbänden aus Europa und Nord- und Mittelamerika abgeblasene
       [1][Gründung einer Gesellschaft namens Fifa Forward Enterprise], über die
       künftige Weltturniere organisiert werden sollten. So etwas solle nie wieder
       vorkommen, versprechen Infantino und Grafström, der in der sich vergangenen
       Woche selbst kritisch zum Vorgehen Infantinos geäußert hatte.
       
       ## Halbgare Entschuldigung
       
       In der Entschuldigung ist die Idee, Investoren an der WM-Gesellschaft zu
       beteiligen, mit keinem Wort erwähnt. Allein der Tatsache, dass die
       Fifa-Gremien in die Pläne nicht eingeweiht waren und „sich ausgeschlossen
       gefühlt haben mögen“, gilt das Bedauern. Die Einladung an Investoren aus
       dem Clan von US-Präsident Donald Trump bleibt unerwähnt. Und eine echte
       Entschuldigung war es eh nicht, die Infantino und Grafström da verschickt
       haben. „Alles, was unternommen wurde, geschah den Regelwerken der Fifa
       entsprechend“, heißt es in dem Schreiben.
       
       Somit soll also das Vertrauen wiederhergestellt werden. Wie gut das klappt,
       hängt auch davon ab, was etwa die Uefa von den jüngsten Medienberichten
       hält, in denen es um die Beteiligung der Fifa an den Plänen für eine
       e[2][uropäische Super League] geht. 2021 wollte ein Teil der größten Klubs
       des Kontinents, darunter Real Madrid, Manchester United und Juventus Turin,
       einen eigenen Ligabetrieb unabhängig von der Europäischen Fußballunion Uefa
       etablieren.
       
       Die Idee, einen von Finanzinvestoren angeschobenen Ligabetrieb nach dem
       Vorbild des US-Sports zu etablieren, sorgte für ein Beben im europäischen
       Fußball. Nach massiven Drohungen der Uefa und Protesten aus den Fanszenen
       verschwanden die Pläne wieder in den Schubladen.
       
       Von dort sind sie nun wohl in die Hände der Redaktion des [3][Guardian]
       geraten. Der berichtet von Ideen, nach denen sich die Fifa die Namensrechte
       für die Liga habe sichern wollen, die dann Fifa Super League geheißen
       hätte. Auch über eine an den Kalender jener Liga angelehnte, jährlich
       abzuhaltende Klub-WM der Fifa, wurde wohl verhandelt. Um die finanzielle
       Abwicklung der Pläne sollte sich die Investmentbank J.P. Morgan kümmern,
       das gleiche Institut, das das Investorenmodell um die Fifa Football
       Enterprise anschieben sollte.
       
       Bei der Uefa, deren lukrative Champions League mit diesen Plänen direkt
       angegriffen werden sollte, werden die Enthüllungen bestimmt nicht dazu
       beitragen, Vertrauen in Infantino aufzubauen. Die Suche nach einem
       mehrheitsfähigen Gegenkandidaten, der den Schweizer bei der Präsidentenwahl
       im März 2027 herausfordern könnte, läuft weiter.
       
       Infantino tourt derweil weiter durch die Welt. Nach der Krisensitzung ist
       er nach Kolumbien geflogen, um der Amtseinführung [4][des neuen
       Staatspräsidenten Abelardo de la Espriella] am Freitag beizuwohnen.
       
       6 Aug 2026
       
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