# taz.de -- Uefa prüft rechtliche Schritte: Infantino soll Beweise aufbewahren
> Die Uefa baut eine rechtliche Drohkulisse auf. Der erste Nationalverband
> entzieht Fifa-Boss Gianni Infantino öffentlich seinen Beistand zur
> Wiederwahl.
(IMG) Bild: Die Uefa weitet den Widerstand gegen den Fifa-Präsidenten aus, Infantino soll aus seinem mächtigen Amt verschwinden
dpa | Nach dem krachend gescheiterten Investorendeal von Gianni Infantino
hat Europa den Druck auf den angezählten Fifa-Boss erhöht und dem
Weltverbandspräsidenten mit rechtlichen Schritten gedroht. Die Europäische
Fußball-Union (Uefa) erhebt in einem Schreiben an den Spitzenfunktionär den
schweren Verdacht, der Schweizer sowie Geschäftspartner könnten Beweise
vernichten wollen. Und die ersten Nationalverbände aus Europa entziehen
Infantino ihre Unterstützung für eine erneute Fifa-Kandidatur, die im
kommenden Jahr in Marokko eigentlich ihre Krönung finden sollte.
Die Uefa weitet den Widerstand gegen den Fifa-Präsidenten aus. Das Ziel ist
ziemlich deutlich: [1][Infantino soll aus seinem mächtigen Amt
verschwinden]. Wie der Telegraph und die Financial Times berichten, hat der
europäische Dachverband den Weltverbandspräsidenten aufgefordert,
sämtliches Material im Zusammenhang mit dem zurückgezogenen
Investorenvorhaben nicht zu vernichten.
Entsprechende Appelle gingen demnach unter anderem auch an
Technologieinvestor [2][Joshua Kushner, der eine Schlüsselrolle bei dem
Projekt hätte einnehmen sollen]. Der Deutschen Presse-Agentur wurde
bestätigt, dass ein Schreiben zur Sicherung von Beweismitteln versandt
wurde.
## Milliardenschwerer Deal abgeblasen
„Die Uefa teilt hiermit förmlich mit, dass sie aktiv die Einleitung
rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei den
zuständigen Aufsichtsbehörden (zusammen die ‚Verfahren‘) prüft. Diese
beziehen sich auf den von der Fifa vorgeschlagenen FFE-Plan sowie auf alle
damit in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten, die nachstehend näher
erläutert werden“, zitiert der Telegraph aus dem Uefa-Schreiben.
Infantino wollte [3][Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes an
private Investoren verkaufen]. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile
an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE)
erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert
war.
Die FFE hätte die kommerziellen Rechte an den Fifa-Wettbewerben wie der
Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt. Technologieinvestor
Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald
Trump, Ivanka, verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma Thrive
eine Schlüsselrolle einnehmen sollen.
## Wales macht den ersten Schritt
Die Uefa, die als großer Gegenspieler der Fifa auftritt, wähnt bei dem am
massiven Widerstand der Verbände und der Öffentlichkeit gescheiterten
Hinterzimmerdeal Unregelmäßigkeiten. „Sie und die Fifa sind verpflichtet,
unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sämtliche in
diesem Schreiben bezeichneten Dokumente und elektronisch gespeicherten
Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern, die sich in
Ihrem oder im Besitz, Gewahrsam oder unter der Kontrolle der Fifa
befinden“, beschied die Europäische Fußball-Union energisch.
Die Absetzbewegungen von Infantino setzen sich fort – in Europa zumindest.
Als erster Nationalverband entzog Wales öffentlich seine Unterstützung für
die vom Fifa-Boss beabsichtigte Wiederwahl 2027. „Die jüngsten Defizite in
den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse,
Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen
haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat,
weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen“, zitierte Sky News in
England den Walisischen Fußball-Verband FAW.
## Mehr als 200 Verbände stützten Infantino
Der Ko-Gastgeber der EM 2028 im Vereinigten Königreich und in Irland habe
dies der Fifa auch schriftlich mitgeteilt. „Das Wohl des Fußballs nicht an
erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren
können.“ Kurz danach arbeitete auch England Medienberichten zufolge an
einem entsprechenden Brief an die Fifa-Spitze.
Diese Länder hatten allerdings auch [4][zu jenen mehr als 200 Nationen
gehört], die noch rund um die WM in den USA, Kanada und Mexiko Infantino
schriftlich zugesichert hatten, ihn auf dem 77. Fifa-Kongress am 18. März
2027 in Rabat (Marokko) bei seiner Kandidatur unterstützen zu wollen.
Deutschland, nur einer der 211 Fifa-Mitgliedsverbände, gehörte damals nicht
dazu.
3 Aug 2026
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