# taz.de -- Machtwechsel in Kolumbien: Harte Hand und Bibelsprüche
       
       > Kolumbiens ultrarechter Wahlsieger Abelardo de la Espriella legt an
       > diesem Freitag seinen Amtseid ab – vor sehr ungewöhnlicher Kulisse in
       > Cali.
       
 (IMG) Bild: Sagt vielen den Kampf an: Abelardo de la Espriella bei einer Pressekonferenz in Medellín Mitte Juli
       
       Das hat es noch nie in Kolumbien gegeben: Zum ersten Mal findet die
       Amtseinführung des Präsidenten nicht in der Hauptstadt Bogotá statt. An
       diesem Freitagnachmittag (Ortszeit) wird [1][der ultrarechte selbsternannte
       Outsider und „Tiger“ Abelardo de la Espriella] seinen Amtseid vor 2.600
       Menschen im luxuriösen Hörsaal der Universität Santiago de Cali ableisten.
       Danach geht es ins Militärbataillon Pichincha. Dort wird er seine erste
       Rede halten. Und schließlich tagt der neue Präsident zum ersten Mal mit dem
       Sicherheitsrat.
       
       Politik der harten Hand, militärisches Salutieren, gemischt mit religiösem
       Personenkult war de la Espriellas Markenzeichen im Wahlkampf. Mit seinem
       designierten Kabinett war er am Sonntag in einer spirituellen Klausur. „Um
       eine große Nation aufzubauen, muss man Gott in den Mittelpunkt jeder
       Entscheidung stellen“, war sein Fazit nach einem Tag beten, Leitsätzen von
       Papst Leo XIV. lauschen und mit künstlicher Intelligenz animierte
       Bibelstellen ansehen. Das alles in einem laut Verfassung laizistischen
       Staat. Der religiöse Eifer des bis vor wenigen Jahren erklärten Atheisten
       [2][hat in Kolumbien für Diskussion gesorgt] – wie seine Amtseinführung.
       
       Ursprünglich wollte er die Amtseinführung in einer Militärgarnison fern von
       Bogotá abhalten, „um den wahren Helden des Vaterlands, Polizisten und
       Soldaten, Ehre zu erweisen“. Der noch amtierende erste linke Präsident
       Gustavo Petro hatte dies aber verboten: „Ich erteile keiner Garnison und
       keiner militärischen Einrichtung die Erlaubnis, sich für die Amtseinführung
       eines zivilen Amtsträgers in Kolumbien bereitzuhalten.“ Selbst [3][der
       rechte Senator vom Centro Democrático, Rafael Nieto,] hatte sich dagegen
       ausgesprochen. Das sei gegen das republikanische Prinzip, nach dem die
       Militärmacht sich der zivilen unterordnen müsse. In Kolumbien hätten nur
       drei Diktatoren ihr Amt in Garnisonen oder Kasernen angetreten.
       
       Auch die Einladungsliste ist hoch politisch. Nicht eingeladen ist zum
       Beispiel Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, der
       bis heute das Friedensabkommen zwischen Staat und Farc-Guerilla verteidigt.
       De la Espriella hält davon nichts – und hat entgegen der internationalen
       Verpflichtungen Kolumbiens angekündigt, dass er mit der Sonderjustiz für
       den Frieden eins der wichtigsten [4][Elemente des Friedensabkommens
       abschaffen] will.
       
       ## Alle Rechten der Region auf der Gästeliste
       
       Der amtierende Präsident Gustavo Petro und geschlossen sein ganzer Pacto
       Histórico, der die größte Partei im künftigen Parlament ist, will nicht
       kommen. Sie planen stattdessen Gegenveranstaltungen zum „zivilen
       Widerstand“, wie es der unterlegene Kandidat Iván Cepeda angekündigt hat.
       Petro hält weiter an seiner längst unabhängig widerlegten Theorie vom
       Wahlbetrug fest und erkennt de la Espriella nicht als Präsidenten an.
       
       Zugesagt haben der spanische König Felipe VI., der argentinische Präsident
       Javier Milei, der chilenische Präsident José Antonio Kast, der
       ecuadorianische Präsident Daniel Noboa, die peruanische Präsidentin Keiko
       Fujimori sowie der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele – also eine
       Reihe von de la Espriellas rechten Verbündeten auf dem Kontinent.
       US-Außenminister Marco Rubio führt nun doch nicht die US-Delegation an.
       Dafür ist die Drogenbehörde DEA hochkarätig vertreten.
       
       Cali ist ein symbolischer Ort. Hier waren 2021 die monatelangen sozialen
       Proteste gegen die Politik der rechten Regierung von Präsident Iván Duque
       am stärksten. Die staatlichen Sicherheitskräfte gingen brutal gegen die
       Demonstrierenden und Passant*innen vor. Rund 80 vor allem junge Menschen
       starben. Die Wut und Trauer waren wichtige Gründe, weshalb 2022 mit Gustavo
       Petro der erste linke Präsident an die Macht kam.
       
       11.000 Uniformierte sind am Freitag in der Stadt, um für Sicherheit zu
       sorgen. [5][Laut Verteidigungsminister Pedro Sánchez] besteht eine ernste
       Bedrohung durch bewaffnete Gruppen. Es herrschen Alkohol- und Fahrverbote.
       Drohnen dürfen auch nicht fliegen.
       
       Kurz vor der Amtseinführung stellten Sicherheitskräfte einen [6][Bus mit
       420 Kilo Sprengstoff] sicher, der auf dem Weg in die Stadt war. Laut dem
       Sicherheitsbeauftragten der Stadt war es dasselbe Muster, nach dem 2025
       dort das tödliche Attentat auf die Flugschule der Armee erfolgt war.
       [7][Die Woche vor der Amtseinführung] war von Angriffen auf
       Polizeistationen in mehreren Landesteilen geprägt – als ob die
       verschiedenen bewaffneten Gruppen im Land noch einmal ihre Macht
       demonstrieren wollten.
       
       7 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Stichwahl-in-Kolumbien/!6189588
 (DIR) [2] https://elpais.com/america-colombia/2026-08-05/hay-que-poner-a-dios-en-el-centro-de-cada-decision-la-llegada-de-de-la-espriella-al-poder-desata-un-debate-sobre-la-laicidad-en-colombia.html
 (DIR) [3] https://www.infobae.com/colombia/2026/07/23/rafael-nieto-explico-por-que-se-opone-a-que-de-la-espriella-se-posesione-en-guarnicion-militar-solamente-los-dictadores-lo-hacen-alla/
 (DIR) [4] /Ultrarechter-gegen-Friedensprozess/!6195947
 (DIR) [5] http://www.apple.com/de/
 (DIR) [6] https://www.bluradio.com/regiones/pacifico/explosivos-en-bus-cerca-de-cali-tenia-el-mismo-patron-que-el-ataque-a-la-escuela-de-aviacion-pr30
 (DIR) [7] https://www.pares.com.co/orden-publico-y-seguridad-en-la-semana-de-posesion-la-prueba-inicial-del-gobierno-de-abelardo-de-la-espriella/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Wojczenko
       
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