# taz.de -- Kolumbiens neuer Präsident: Ultrarechts und hochgefährlich
       
       > In Kolumbien wird der Hardliner de la Espriella wahrscheinlich der neue
       > Präsident. Sein Programm verheißt nichts Gutes für den fragilen Frieden
       > im Land.
       
       Der nächste kolumbianische Präsident ist [1][höchstwahrscheinlich
       ultrarechts und heißt Abelardo de la Espriella]. Es wäre eine
       Riesenüberraschung, wenn bei der Nachzählung für das offizielle Ergebnis
       noch die rund 250.000 fehlenden Stimmen für den linken Kandidaten Iván
       Cepeda auftauchen würden.
       
       Die große Frage ist, wie es jetzt weitergeht. Kolumbien hat einen
       [2][polarisierten Wahlkampf hinter sich]. De la Espriella hat mit seiner
       Rhetorik die alte Stigmatisierung „links = Guerilla = Feind“ hochgekocht,
       die die Verfolgung Andersdenkender rechtfertigt – und unter
       Anhänger*innen von Cepeda Besorgnis bis Angst verursacht hat. [3][Mehr
       als 50 Jahre Bürgerkrieg] haben gezeigt, dass in Kolumbien Worte oft zu
       blutigen Taten werden. Dass de la Espriella bei den versöhnlichen Tönen
       bleibt, die er am Wahlsonntag plötzlich anschlug, ist zweifelhaft.
       
       Wird es zu Protesten kommen, wenn das offizielle Ergebnis feststeht? Wird
       der [4][impulsive Noch-Präsident Gustavo Petro] Öl ins Feuer gießen? Oder
       wird sich die Linke sammeln und auf die Opposition vorbereiten? Die
       Situation ist fragil. Ein Sieg [5][der Nationalmannschaft] am Dienstag
       könnte für zeitweise Entspannung sorgen. Viele Kolumbianer*innen
       wünschen sich nach Wochen der Hetze einfach nur eine Rückkehr zum Alltag.
       
       Im neuen Parlament wird die aktuelle linke Regierungspartei die größte
       Gruppe sein. Ob sich die rechten Parteien, die de la Espriella in der
       Stichwahl unterstützten, dort hinter ihn stellen werden, wird sich zeigen.
       Alleine hat er keine Mehrheiten für seine Politik.
       
       [6][Dass sich die Sicherheitslage in Kolumbien verbessern muss], steht
       außer Frage. Aber de la Espriellas Wahlprogramm ist eine Mischung aus
       Rezepten, die in anderen Ländern unterm Strich für mehr Gewalt, Armut und
       Arbeitslosigkeit sorgten, die Demokratie schwächten, Rassismus und
       Intoleranz gegenüber LGBTIQ* stärkten, die Eliten reicher machten – und zur
       Niederschlagung von Protesten führten. Gut möglich, dass einige, die am
       Sonntag jubelten, bald keinen Grund mehr zur Freude haben.
       
       22 Jun 2026
       
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