# taz.de -- Echt lecker: Ist es ein Brot? Ist es ein Salat? Ja!
       
       > Dakos ist eine Vorspeise aus Kreta. Tomaten, Feta, Zwieback und Olivenöl
       > ergeben einen Hochgenuss. Ganz egal, ob es der, die oder das Dakos heißt.
       
 (IMG) Bild: Dakos, typisch kretisch
       
       Es ist immer so eine Sache mit den Artikeln, wenn man in deutscher Sprache
       über Gerichte schreibt, die keinen deutschen Namen haben. Oft wird es nach
       dem folgenden Schema gehandhabt: [1][Minestrone ist eine Suppe], deswegen
       heißt es die Minestrone (im Italienischen ist der Artikel hingegen
       männlich).
       
       Im Falle von Dakos aber ist es deutlich komplizierter. Denn bei diesem
       griechischen Gericht aus getrocknetem Brot, reifen Tomaten und kräftigem
       Fetakäse ist nicht so leicht zu sagen, ob es Salat oder belegtes Brot ist.
       Für die Wahl des Artikels ist diese Frage essentiell. Nicht aber für den
       Geschmack, der in jedem Falle köstlich ist.
       
       Seinen Ursprung hat Dakos in Kreta und galt ursprünglich als Essen [2][für
       die ärmere Bevölkerung]. Mittlerweile wird es in ganz Griechenland und
       darüber hinaus in unterschiedlichen Variationen angeboten. Die Basis bildet
       immer ein kretischer, runder Gerstenzwieback namens Paximadi, goldbraun,
       mehrfach gebacken, mit einem Loch in der Mitte.
       
       Paximadi ist deutlich härter als der in Deutschland übliche Zwieback und
       lässt sich uneingeweicht kaum durchbeißen. Folglich wird er für Dakos
       befeuchtet, entweder mit etwas Wasser oder direkt mit Tomaten. Wichtig ist
       dabei natürlich, [3][dass diese reif und aromatisch sind und vielleicht
       sogar eine schöne Süße mitbringen].
       
       Anstatt die Tomaten einfach klein zu schneiden, empfiehlt es sich, sie
       etwas zu zerdrücken, sodass der Saft austritt und den Zwieback besser
       aufweichen kann. Auf die Tomaten kommt eine großzügige Schicht Fetakäse,
       gerne handgebröselt, dann wird mit Oregano, Oliven und eventuell Kapern
       garniert und mit einem großzügigen Schuss kräftigem Olivenöl abgerundet,
       der von Olive bis Zwieback alles erreichen sollte.
       
       Fertig ist – ich lege mich nun einfach mal fest – das Dakos, welches
       aufgrund des idealerweise überbordenden Belags mit Messer und Gabel
       gegessen wird. In der salatähnlicheren Ausführung wird der Paximadi bereits
       in mundgerechte große Brocken geteilt, bevor die restlichen Zutaten darauf
       verteilt werden.
       
       Serviert in tiefen Schüsseln, erinnert Dakos dann an den italienischen
       [4][Brotsalat Panzanella], ein ebenso fantastisches Sommergericht – und ein
       ebenso simples Sommergericht. Dakos ist für mich ein weiterer Beweis dafür,
       dass die einfachsten Dinge die besten sind. Aber: Ebenjene Einfachheit
       stellt gleichzeitig die größte Schwierigkeit dar. Denn wenige Zutaten
       erfordern höchste Qualität, schließlich kann sich keine in der Menge
       verstecken. Labbriger Zwieback? Schade. Fader Feta? Fällt auf. Wässrige
       Tomaten? Verderben das ganze Gericht.
       
       Dakos in der Blüte seiner Zeit – im Sommer, weil nur da die Tomaten in
       Ordnung sind – gelingt jedoch die perfekte Balance auf allen Ebenen.
       Erstens: Geschmack. Dakos ist salzig, süß und leicht säuerlich, herb und
       malzig sowie bitter und sogar pikant, wenn das richtige Olivenöl verwendet
       wird. Zweitens: Konsistenz. Dakos ist kross und saftig. Drittens:
       Zusammensetzung. Dakos enthält Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Proteine und
       Fett. Was will man mehr?
       
       Mein erstes Dakos, das ich vor über zehn Jahren in einer kleinen Taverne in
       Athen gegessen hatte, erinnere ich noch immer. Es war eine Raffinesse, die
       ich in diesem rustikalen Lokal nicht erwartet hatte. Der freundliche ältere
       Koch hatte sich bei seiner Dakos-Variante nicht auf einen Fetakäse
       beschränkt, sondern drei unterschiedliche Sorten verwendet. Außerdem hatte
       er weitere Bitternoten und Schärfespitzen hinzugefügt, durch dünne Scheiben
       grüner Paprika und roter Zwiebel.
       
       Damit wären wir bei dem wichtigsten Punkt angekommen: Dakos ist frei
       formbar, in Gestalt und Grammatik. Getrocknetes Brot, Tomaten und Feta
       dienen nur als Grundgerüst, um daraus einen Brotsalat oder ein Brot mit
       Salat zu kreieren. Ich empfehle zusätzlich einen Spritzer Zitrone,
       Gurkenscheiben, gerne dick, Zwiebel, gerne dünn, oder Knoblauch, der auf
       das Brot gerieben wird. Dakos braucht kein festes Rezept und auch keinen
       festen Artikel. Dakos braucht nur die richtigen Zutaten. Für den Anfang
       kann man es gut mit diesen probieren.
       
       Man nehme:
       
       – Gerstenzwieback, am besten runden griechischen Paximadi
       
       – reife Tomaten
       
       – original griechischen Feta aus Ziegen- und Schafmilch
       
       – Oregano, getrocknet
       
       – Olivenöl bester Qualität
       
       – Kalamata-Oliven, eventuell Kapern
       
       Alle diese Zutaten werden in der genannten Reihenfolge geschichtet. Wenn
       etwas danebenfällt, ist es genau richtig dosiert.
       
       30 Aug 2026
       
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