# taz.de -- Forderung an cis Frauen: Queers nicht fallen lassen!
       
       > Mit dem Rechtsruck kümmern sich cis Frauen wieder stärker um sich selbst.
       > Doch wo bleibt die Solidarität mit denen, die es am härtesten trifft?
       
 (IMG) Bild: Gedenkveranstaltung für die Opfer des islamistischen Anschlags auf den CSD am 2. 8. 2026
       
       Hey Ladys, Girls und Grrrls. Das ist eine Kolumne für cis Frauen im hetero
       Game, die Feminist*innen sind – das heißt in diesem Falle wohl
       tatsächlich: Feministinnen.
       
       Wir sollten mal checken, wie queerfeministisch unser Feminismus noch ist.
       Mein Eindruck ist, er wird wieder binärer. Und das, obwohl alles immer
       queerfeindlicher wird – oder vielleicht gerade, weil alles immer
       queerfeindlicher wird?
       
       Dass in der Politik queere Belange und der Schutz von queerem Leben kaum
       noch eine Rolle spielen oder queere Sichtbarkeit und trans Rechte sogar
       aktiv angegriffen werden, das ist der Druck von rechts, der Konservativen
       den Rückenwind für diesen Kulturkampf gibt. Konservative und Rechte sind
       aber ohnehin antifeministisch.
       
       Mich sorgt, dass der feministische Diskurs sich verschiebt. Es geht mir
       hier nicht darum, [1][TERFs] anzupissen (also doch, immer gerne), sondern
       darum, dass viele Feministinnen aktuell Texte schreiben, Inhalte
       produzieren oder Aussagen treffen, die die Idee von Zweigeschlechtlichkeit
       untermauern oder zumindest nicht infrage stellen, auch wenn wir uns selbst
       als Allies queerer Communitys sehen.
       
       ## Cis Frauen sind mit sich selbst beschäftigt
       
       Der Kampf gegen Queerfeindlichkeit ist in den Hintergrund gerückt. Ein
       Grund dafür ist sicherlich eine Reaktion auf Frauenhass und die
       [2][Manosphere]. Auf einmal muss ich als cis Frau wieder meine Basics
       verteidigen. Weil die Fünfziger angerufen haben und ihre Rollenbilder in
       die Hirne von Milchbubis pushen, deren Telefone diesen Schund heutzutage
       direkt als Tiktoks weiter in die Öffentlichkeit kotzen können.
       
       Dann sind da die sehr prominenten Fälle von Gewalt, die Frauen in
       Heterobeziehungen widerfahren ist und die die aktuelle Welle feministischer
       Wut prägen. Den Feind im eigenen Bett zu finden, bekommt berechtigterweise
       große Aufmerksamkeit. „Nicht alle Männer, aber immer ein Mann“ ist jedoch
       zwar ein catchy Slogan, steht aber mehr für Geschlechterkampf als für das
       Auflösen von Geschlechterrollen und Heteronormativität.
       
       Die erzkonservativen, rechtsextremen, [3][fundamentalistisch christlichen]
       oder islamistischen Kräfte, die uns das Recht auf Abtreibung nehmen wollen,
       sind die gleichen, die das Selbstbestimmungsgesetz und die Ehe für alle
       bekämpfen. Diejenigen, die uns zu ihrem Besitz machen wollen, wollen
       queeres Leben vernichten.
       
       ## Queers besonders betroffen
       
       So viel Hass wir auch für jede noch so niedrigschwellige Äußerung pro
       Frauenrechte bekommen: Die Queers fallen zu lassen, macht uns in der
       konservativen Gesellschaft anschlussfähiger und ja – ich glaube, auch das
       ist ein Grund, warum die zunehmende Gewalt gegen Frauen im aktuellen
       feministischen Diskurs nur selten in Verbindung mit der zunehmen Gewalt
       gegen Queers, gegen trans Personen, Schwule und Lesben angeklagt wird.
       
       Dazu kommt – und auch das ist Teil des Rechtsrucks –, dass aktuell auch
       viele Linke Queerfeminismus wie [4][Intersektionalität] als
       identitätspolitische Belange abwerten, die ihrer Meinung nach zu „woke“
       (sic!) für den Kampf gegen rechts sind. Doch was lohnt der Kampf gegen
       rechts oder der Kampf gegen das Patriarchat, wenn wir als Erstes jene
       opfern, die zu den Gruppen gehören, die am meisten bedroht werden.
       
       Unser Feminismus, unsere Solidarität und unsere Liebe müssen
       queerfeministisch und trans-inklusiv sein. Denn sagen wir mal so:
       Patriarchale Gewalt und Frauenhass sind trans-inklusiver als so manche
       [5][FLINTA]-Party. Wir müssen besser werden.
       
       7 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Dede Ayivi
       
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