# taz.de -- Transphobie im Basketball: Die Sache mit dem Menschenverstand
       
       > Basketballerin Sophie Cunningham will trans Athletinnen vom Frauensport
       > fernhalten und holt den Kulturkampf in die WNBA. Donald Trump gefällt
       > das.
       
 (IMG) Bild: Demo vor der Basketballhalle in Portland: Aktivist:innen unterstützen Sophie Cunningham
       
       Sie sei „kein besonders politischer Mensch“, wenn überhaupt positioniere
       sie sich „ziemlich genau in der Mitte“ und ihr Anliegen habe sowieso nur
       etwas mit „gesundem Menschenverstand“ zu tun. So die Worte von
       Indiana-Fever-Star Sophie Cunningham. Nach der harten Kritik für ihre
       Aussage zu trans Sportlerinnen vor wenigen Tagen hat sie sich wohl
       veranlasst gefühlt, diese noch mal zu bekräftigen. Eine Aussage übrigens,
       die eins zu eins in die Kulturkampf-Agenda der MAGA-Leute passt. Und
       zugleich so gar nicht zu der eigentlich (für US-amerikanische Verhältnisse)
       eher linkspolitischen weltoffenen Haltung innerhalb der WNBA.
       
       Aber was ist denn nun für die Aufbauspielerin Cunningham – blond, weiß,
       cis-weiblich, konservativ, bekennend christlich – „gesunder
       Menschenverstand“? Natürlich, es geht mal wieder um Schutz. Nein, nicht um
       den von trans Personen. Sondern vor trans Personen. Sie möchte junge
       Mädchen in der Umkleidekabine schützen, hatte sich Cunningham in diesem
       konkreten Fall in einem Interview mit ESPN geäußert. Junge Mädchen sollten
       ihrer Meinung nach im Sport nicht gegen „biologische Männer“ antreten
       müssen.
       
       Klingt das nicht etwas random, solange es um gar keinen konkreten Fall
       geht? Vielleicht. Cunningham springt hier eben auf das
       Lieblingskulturkampfthema Trumps auf: trans Personen im Sport – und damit
       sind immer trans Frauen gemeint. Der US-Präsident hatte im vergangenen Jahr
       trans Athletinnen per Dekret die Teilnahme am Frauensport untersagt. Mit
       Erfolg. Ende Juni diesen Jahres [1][bestätigte auch der Supreme Court, dass
       ein solcher Ausschluss rechtens sei]. In den USA ist somit eine transphobe
       Aussage wie die Cunninghams durchaus eine legitime Meinung aus der Mitte
       der Gesellschaft.
       
       ## Demo für Cunningham
       
       Vonseiten der WNBA-Fans erntete die Fever-Spielerin viel Kritik, Zuschauer
       kamen mit trans Flaggen zu den Spielen. Doch es gab auch Zustimmung.
       Vielleicht nicht von vielen, aber dafür umso lauter. In Portland trafen
       sich als Reaktion einige Unterstützer zu einer Kundgebung vor dem
       Auswärtsspiel von Indiana Fever. „Thank you, Sophie!“ stand auf ihren
       Plakaten.
       
       Indiana Fever verlor trotzdem gegen Portland Fire. Nach dem Spiel versuchte
       sich Cunnighams [2][umstrittene Mitspielerin Caitlin Clark] bei dem Thema
       rauszuhalten: „Unser Augenmerk liegt auf dem Basketball“, sagte die
       Starspielerin. Es sei Aufgabe der Ligen und Dachverbände, gemeinsam mit
       ihren Athletinnen nach Lösungen zu suchen.
       
       Cunningham selbst könnte, [3][nach ihrem Social-Media-Auftritt] (über den
       ihr übrigens über 3,5 Millionen Menschen folgen) zu urteilen, fast schon
       als Tradwife durchgehen, wenn sie nicht zufällig Basketball auf höchstem
       Niveau spielen und zwischendurch spontan bei UFC-Events als Ringgirl
       auftreten würde. Sie ist eben eine Person aus der „Mitte der Gesellschaft“.
       Richtig bekannt wurde sie vor einem Jahr, als sie Sun-Spielerin Jacy
       Sheldon hart foulte, seitdem wird sie von Fans als „Vollstreckerin“
       gefeiert.
       
       Bei Instagram teilt sie aber lieber ihre friedlich-fromme Seite. „Die
       Prüfung, wie Christus zu lieben, besteht nicht darin, Jesus zu lieben. Sie
       besteht darin, Judas zu lieben.“ Steht da in einem Post. Und in dieser
       christlichen Tradition stehe sie auch gegenüber der Trans-Community. Sie
       habe nie auch nur ein einziges Mal gesagt, dass sie diese hasse, betonte
       sie. Und: „Ich denke, es gibt Platz für alle.“ Nur halt für manche nicht in
       bestimmten Umkleidekabinen.
       
       Schließlich stellte sich auch Trump hinter Cunnighams Aussagen. Er ließ
       seine Pressesprecherin Karoline Leavitt mitteilen, dass die Kritik an der
       Starspielerin „lächerlich“ und „erstaunlich“ sei. Denn: „Wie Sie wissen,
       ist das ein Thema, das dem Präsidenten sehr am Herzen liegt – und den
       Amerikanern ebenfalls.“ Das ist natürlich alles völlig unpolitisch gemeint.
       Schließlich weiß jede:r: Wenn etwas die Entscheidungen aus dem Weißen Haus
       leitet, dann ist es wie bei Cunningham der „gesunde Menschenverstand“.
       
       4 Aug 2026
       
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