# taz.de -- Umweltschützer, Mieterbund, Gewerkschaft: Vielfältiges Bündnis fordert Hitzegipfel
> Zahlreiche Organisationen fordern von der Bundesregierung einen
> Hitzegipfel und Geld für Klimaanpassung. Auch europäische
> Gesundheitsverbände mahnen.
(IMG) Bild: Einer von ganz wenigen in Deutschland: Cooling Point im Berliner Mauerpark
Angesichts der bereits über 10.000 Hitzetoten in diesem Sommer fordert ein
breites Bündnis die Bundesregierung auf, einen Hitzegipfel einzuberufen.
Außerdem solle sie einen bundesweiten Hitzeschutzplan aufstellen,
Klimaanpassung ausreichend finanzieren und die Abkehr von fossilen
Brennstoffen fördern.
„Auf jede schlaflose Nacht eines Autokonzerns wird mit einem Autogipfel
reagiert“, sagt Luisa Neubauer, Sprecherin von Fridays for Future (FFF).
Die gleiche Reaktion wünscht sich das Bündnis auf die anhaltende Hitze:
„Man muss kein Ökogewissen haben, um die Dringlichkeit zu verstehen. Man
muss sich nur die Zahlen anschauen“, sagt Neubauer.
Zu den Unterzeichner*innen des Appells zählen etwa 40 Organisationen,
darunter FFF, Greenpeace und die Kampagnenorganisation Campact, aber auch
die Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Deutsche Mieterbund und die
Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.
„Dieses breite Bündnis macht deutlich: Die Klimakrise ist eine
Gemeinschaftskrise“, sagt Claudia Mandrysch von der AWO. Die
Bundesregierung ließ eine taz-Anfrage zu den Forderungen der Organisationen
bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
## Bündnis macht Vorschläge zum Hitzeschutz
Neben einem Hitzegipfel erwartet das Bündnis von der Bundesregierung einen
bundesweiten Hitzeschutzplan, der naturbasierte Lösungen, Stadtentwicklung,
Landwirtschaft und Gesundheitsversorgung zusammendenken soll. „Naturschutz
ist die zentrale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts“, sagt Mandrysch.
Das Bündnis hat konkrete Vorschläge für die Umsetzung: Man solle zum
Beispiel in Städten Plätze verschatten, Bäume pflanzen,
Trinkwasserstationen und Hilfetelefone anbieten und aktiv auf besonders
gefährdete Gruppen wie Obdachlose und ältere Menschen zugehen.
Um das zu finanzieren, fordern die Organisationen, kommunalen Klimaschutz,
Naturschutz und Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern
und Gemeinden im Grundgesetz zu verankern. Dafür ist eine
Verfassungsänderung nötig.
Die Einstufung als Gemeinschaftsaufgabe soll die Finanzierung von Klima-
und Naturschutz sowie Klimaanpassung auf sichere Füße stellen. Denn
Hitzeschutz ist Katastrophenschutz und als solches laut Grundgesetz
Verantwortung der Länder. Deshalb kann sich der Bund [1][nur an
Modellprojekten für Klimaanpassung finanziell beteiligen]. Würde
Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz aufgenommen, könnte
der Bund mehr Geld beisteuern.
## RKI: 9.600 Hitzetote allein Ende Juni
„Hitzeschutz darf nicht davon abhängen, ob in der Kommune noch finanzielle
Mittel verfügbar sind“, sagt Claudia Mandrysch von der AWO. Schnelle
Unterstützung wie Ventilatoren und eine Wasserkiste könnten kurzfristig
helfen, ersetzten aber keinen langfristigen Hitzeschutz und Klimaanpassung.
Das Robert Koch-Institut veröffentlichte am Donnerstag [2][Berechnungen],
denen zufolge bis zum 26. Juli zwischen 10.700 und 13.100 Menschen infolge
der Hitze gestorben sind. Davon gehen [3][allein 9.600 Todesfälle auf die
extreme Hitzewelle Ende Juni zurück], bei der vielerorts mehr als 40 Grad
gemessen wurden und die europaweit Tausende Opfer mehr forderte. [4][Einer
Studie der Forschungsgruppe World Weather Attribution zufolge] wäre sie
ohne die menschengemachte Erderhitzung nicht möglich gewesen.
Eine europaweite Allianz von Gesundheitsorganisationen forderte deshalb am
Donnerstag von EU-Kommission, -Parlament und -Rat, nicht länger nur Pläne
aufzustellen, sondern jetzt Ambition bei der Umsetzung zu zeigen.
„Als Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte halten wir jeden Sommer ein
System aufrecht, das für dieses Klima nie gebaut wurde“, sagte Chiara
Cadeddu, Professorin an der Erasmus School of Health Policy & Management in
Rotterdam. „Resilienz muss fest in unseren Krankenhäusern und
Pflegeeinrichtungen verankert werden.“
Zu den Forderungen der Mediziner*innen gehört ein
Notfallanpassungsfonds, um Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen,
Kindertagesstätten und Schulen „klimafest“ zu machen. Außerdem müsse die
EU, „die mehr als 400 Milliarden Euro jährlicher fossiler Subventionen
abbauen“.
6 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Klimaanpassung-in-Kitas-und-Pflegeheimen/!6200614
(DIR) [2] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html
(DIR) [3] /Toedliche-Hitzewelle/!6195046
(DIR) [4] /Studie-zur-extremen-Hitze/!6190981
## AUTOREN
(DIR) Pauline Ruprecht
(DIR) Jonas Waack
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