# taz.de -- Unfall von CDU-Abgeordnetem: Thomas Bareiß crasht bei voller Dröhnung
       
       > Der CDU-Politiker hat wohl auf Drogen einen Unfall verursacht. Er ist
       > eine schillernde Persönlichkeit – und scharfer Gegner der
       > Cannabis-Legalisierung.
       
 (IMG) Bild: Lässt seine Parteiämter ruhen: CDU-Abgeordneter Thomas Bareiß
       
       Die Sommerpause begann für den CDU-Politiker Thomas Bareiß mit einem Crash.
       Bei einem Unfall Mitte Juli war das Auto des Politikers mit einem anderen
       zusammengestoßen und hatte sich überschlagen. Der 51-Jährige wie auch die
       drei Insassen des anderen Wagens wurden schwer verletzt. Jetzt holt ihn der
       Vorfall auch politisch ein.
       
       In einer Stellungnahme sprach die Familie des evangelischen
       Christdemokraten von einem „großen Schutzengel“, der ihm neben den
       Rettungskräften das Leben gerettet habe. Bareiß’ Stellungnahme diese Woche
       verzichtete auf solches Lametta. „Ich habe in der vergangenen Zeit
       Entscheidungen getroffen, die ich sehr bereue und die die an mich zu Recht
       gestellten Ansprüche nicht erfüllen“, heißt es [1][in der Erklärung], die
       er über seinen Anwalt verbreiten ließ. Er lasse seine Parteiämter ruhen und
       nehme über die Sommerpause eine Auszeit.
       
       Kurz vorher hatte die Staatsanwaltschaft bekanntgegeben, dass er als
       mutmaßlicher Verursacher wohl unter Drogeneinfluss gestanden habe. Die
       synthetische Substanz, die in nicht geringer Menge in seinem Blut gefunden
       worden sei, unterliege dem Betäubungsmittelgesetz, erklärten die Ermittler.
       
       Thomas Bareiß, der seit 2005 im Bundestag sitzt, ist nach [2][dem Rücktritt
       von Jens Spahn] schon der zweite dezidierte Konservative, der sein
       Privatleben nicht mit der selbst formulierten eigener politischen Linie in
       Einklang bekommt und damit seine Karriere stoppt. Als dezidierter Kritiker
       einer [3][Teillegalisierung von Cannabis] sagte er im April 2024 der Funke
       Mediengruppe, „dass man Konsum und Verkehrssicherheit schwer unter einen
       Hut bekommt“.
       
       ## Auch als rechter Scharfmacher aufgefallen
       
       Bareiß war auch in den Merkel-Jahren der CDU ein verlässlicher
       Rechtskonservativer, der regelmäßig Kritik auf sich zog, auch aus den
       eigenen Reihen. So war er Mitbegründer des rechten „Berliner Kreises“ der
       CDU, aus dem später die „Werte Union“ hervorging. Bareiß wandte sich gegen
       die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften: Man dürfe die
       Ehe „nicht verwässern“, fand er. In der Flüchtlingskrise 2016 gehörte er zu
       den Kritikern von Merkels Linie und lud zu einem Kreisparteitag zum Thema
       einen Minister Viktor Orbáns als Redner ein.
       
       Auch jenseits von Orbáns Ungarn pflegte Bareiß, den „Greenpeace“ mal den
       „schlimmsten Klimabremser der Großen Koalition“ unter Merkel nannte,
       undurchschaubare Kontakte nach Osteuropa. Die Vermutung, Bareiß habe in der
       Coronakrise versucht, Beatmungsgeräte eines deutschen Unternehmens nach
       Aserbaidschan umzuleiten, konnte nicht bewiesen werden. Bareiß’ Name fiel
       auch immer im Zusammenhang mit [4][der Aserbaidschan-Connection der
       baden-württembergischen CDU.]
       
       Auch gegenüber Russland zeigt Bareiß wenig Berührungsängste und schlug als
       einer der CDU-Unterhändler bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD
       öffentlich vor, die russische Gaspipeline Nordstream 2 zu reparieren. Diese
       könne „Teil eines Deals Trumps mit Putin sein“, um den Krieg zu beenden.
       Auch aus der eigenen Reihen erntete Bareiß dafür harsche Kritik.
       
       Auch der Crash unter Drogeneinfluss muss nicht zwingend sein politisches
       Ende bedeuten. Denn Bareiß ist ein Stehaufmännchen. Nach den
       Aserbaidschan-Vorwürfen verkündete er schon einmal eine Auszeit, die er in
       einem Benediktinerkloster in Jerusalem verbrachte. Nach wenigen Monaten
       kehrte er, angeblich geläutert, nach Berlin zurück. Bei der letzten
       Bundestagswahl holte er erneut seinen Wahlkreis mit immerhin 37 Prozent
       direkt.
       
       6 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nach-schwerem-Autounfall/!6202009
 (DIR) [2] /Ruecktritt-von-Jens-Spahn/!6197302
 (DIR) [3] /Evaluation-der-Cannabis-Legalisierung-Die-grosse-Revolution-ist-ausgeblieben/!6112815
 (DIR) [4] /Aserbaidschan-Affaere-von-CDU/CSU/!6058949
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Benno Stieber
       
       ## TAGS
       
 (DIR) CDU/CSU
 (DIR) Drogenpolitik
 (DIR) Cannabis
 (DIR) Verkehrsunfälle
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Jens Spahn
 (DIR) Drogenpolitik
 (DIR) CDU
 (DIR) CDU-Fördergeldaffäre
 (DIR) CDU Niedersachsen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Rückzug von Jens Spahn: Auch Münsterland muss ohne ihn auskommen
       
       Der ehemalige Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn tritt schon wieder von
       einem Amt zurück. Die CDU Münsterland muss sich neue Vorsitzende suchen.
       
 (DIR) CDU-Politiker unter Drogenverdacht: Junge Union fordert Rücktritt von Crashfahrer Thomas Bareiß
       
       Aufruhr im Wahlkreis Zollernalb: Nach den Drogenvorwürfen gegen den
       CDU-Bundestagsabgeordneten drängt die lokale Parteijugend auf Konsequenzen.
       
 (DIR) Nach schwerem Autounfall: CDU-Politiker Bareiß bittet um Entschuldigung
       
       Der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß wird verdächtigt, bei einem Unfall
       unter Einfluss eines synthetischen Betäubungsmittels gestanden zu haben.
       Nun nimmt er eine Auszeit.
       
 (DIR) CDU-Fördergeldaffäre in Berlin: Das Bauernopfer
       
       Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson entlässt ihren Staatssekretär Oliver
       Friederici. Offenkundig will sie damit nur von eigenem Fehlverhalten
       ablenken.
       
 (DIR) Deepfake-Affäre in der CDU Niedersachsen: CDU streitet darum, wer den Elefantenpimmel gesehen hat
       
       Die Affäre um das Deepfake-Video in der CDU geht weiter. Der freigestellte
       Mitarbeiter wehrt sich und will die Fraktionsspitze früh informiert haben.