# taz.de -- NS-Widerstandskämpferin Hilde Coppi: Schnörkellose Sprache, unmittelbare Empathie
       
       > Hans Coppi jr. nähert sich in einem Buch mit erhaltenen Briefen dem
       > Andenken seiner Eltern Hilde und Hans Coppi an. Sie wurden als Mitglieder
       > der Roten Kapelle von den Nazis ermordet.
       
 (IMG) Bild: Stolpersteine für Hilde und Hans Coppi an ihrem Wohnort in Berlin
       
       Der Himmel weint über der NS-Gedenkstätte in Berlin-Plötzensee am frühen
       Morgen des 83. Jahrestags der Ermordung von Hilde Coppi. Die sich an den
       Grashalmen anschmiegenden Regentropfen nimmt man wahr als Tränenmeer, denkt
       man an den 5. August 1943, als hier die 34-jährige Frau zusammen mit zwölf
       weiteren Widerstandskämpferinnen der Roten Kapelle hingerichtet wurde.
       
       Hilde Coppi hatte sich drei Tage zuvor von ihrem achtmonatigen Sohn Hans
       verabschiedet, den sie im Frauengefängnis Barnimstraße geboren hatte, und
       ihn ihrer Mutter übergeben. Am Tag der Hinrichtung wird sie in eine
       Todeszelle im Gefängnis Plötzensee überführt und kann dort noch zwei
       Abschiedsbriefe schreiben. Ihr Mann, Hans Coppi, ist zu diesem Zeitpunkt
       schon sieben Monate tot, ermordet am selben Ort.
       
       ## Zwei Abschiedsbriefe
       
       So schreibt Hilde Coppi an ihre Schwiegereltern, Schwager und Schwägerin
       sowie ihre „herzgeliebte Mutti“: „Das Schwerste, die Trennung von meinem
       kleinen Hans, habe ich hinter mir.“ Hans Coppi jr. blickte am 5. August
       2003, 60 Jahre nach der Ermordung seiner Mutter, in einer Rede auf sein
       Leben zurück und beschrieb die kurze Zeit mit seiner Mutter als „vielleicht
       meine beste und die behütetste Zeit meines Lebens … geblieben ist eine
       sehnsuchtsvolle Zwiesprache und eine offene Wunde, [1][eine Trauer, für die
       es keinen Trost gibt]“.
       
       Coppis Auseinandersetzung mit dem Schicksal seiner Eltern und ihrer
       Widerstandstätigkeit in den Freundeskreisen der Roten Kapelle, kondensiert
       in Vorträgen, hat [2][die Historikerin Geertje Andresen] für das Buch
       „Annäherung an meine Eltern Hans und Hilde Coppi“ aufbereitet. Zu lesen
       sind außerdem Briefe der beiden Eheleute aus der Haft, die zum größten Teil
       das erste Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.
       
       Darunter sind zwölf Briefe, die Hans Coppi im Gestapo-Gefängnis in der
       Berliner Prinz-Albrecht-Straße 8, heute Ort der Dauerausstellung
       „Topographie des Terrors“, an seine Frau schrieb, und acht Briefe Hilde
       Coppis an ihre Mutter und die Familie ihres Mannes. Die Briefe, die sie aus
       dem Frauengefängnis Barnimstraße an ihren Mann richtete, sind leider
       verschollen.
       
       ## Innere Freiheit
       
       Liest man Hans Coppis Briefe an Hilde Coppi, ist man mittendrin in einem
       zärtlichen, aber nie sentimentalen Dialog zweier Menschen, die ein Kind
       erwarten und sich ihres baldigen Todes bewusst sind. Konkret greifbar wird
       die innere Freiheit der beiden, ist doch ihre Sprache Galaxien entfernt von
       der im NS-Staat gängigen Sprachpraxis.
       
       Bemerkenswert ist auch, dass hier drei individuelle Stimmen einer Familie
       und zweier Generationen zusammengeführt werden und sich eine Gemeinsamkeit
       herausschält: diese wunderbar schnörkellose, direkte und gleichzeitig
       Empathie atmende Sprache. Definitiv ein Teil der „Erbmasse“, über die Hans
       und Hilde Coppi in ihren Gefängnisbriefen gemeinsam nachdenken.
       
       Hilde Coppi hat als Angestellte der Reichsversicherungsanstalt für
       Angestellte bis zum 11. September 1942, ihrem letzten Arbeitstag vor der
       Verhaftung, täglich zehn Reichsmark verdient. Wilhelm Röttger, der
       Scharfrichter in Plötzensee, bekam ein Jahresfixum von 3.000 RM und eine
       Kopfpauschale von 30 RM für jede Hinrichtung. Am 5. August 1943 hat er 390
       RM verdient.
       
       6 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Geertje_Andresen
       
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 (DIR) Katja Kollmann
       
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