# taz.de -- Neue queerfeministische Buchhandlung: „Mehr Sichtbarkeit schaffen“
> Im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst eröffnet eine queerfeministische
> Buchhandlung. Sie soll ein „Safer Space“ für marginalisierte Gruppen
> sein.
(IMG) Bild: Legen jetzt los: Amelie Stertenbrink (links) und Janne Ulrich in ihrer neuen Hamburger Buchhandlung „Perspektiven“
Wer die neue Buchhandlung „Perspektiven“ in Hamburg betritt, wird nicht nur
zum Bücherkaufen eingeladen. Zwischen Bücherregalen mit [1][queeren
Romanen, feministischer Sachliteratur] und Kinderbüchern finden sich
Sitzgelegenheiten mit Kissen und Sessel. Man kann es sich (auch mit einem
mitgebrachten Buch) gemütlich machen.
Für die Gründerin, die 26-jährige Amelie Stertenbrink, ist das die Idee
ihrer Buchhandlung, die am Samstag eröffnet. Sie soll nicht nur ein Ort zum
Kaufen sein, sondern auch einer, an dem Menschen sich begegnen können.
Die Idee, einen Buchladen zu eröffnen, hatte Stertenbrink vor etwa einem
Jahr. Sie habe nach einer sinnstiftenden Tätigkeit gesucht: „Das entstand
ein bisschen aus einer Lebenskrise heraus. Ich war so ein bisschen lost und
brauchte irgendeinen Sinn im Leben. Und dann hat mich diese Idee nicht mehr
losgelassen.“
Ihre „Mitarbeiterin der ersten Stunde“ ist die 22-jährige Janne Ulrich. Die
beiden haben sich im Germanistikstudium kennengelernt. Gemeinsam hätten sie
sich auf den Einstieg in die Buchbranche vorbereitet, ein Seminar besucht
und ein Praktikum im Buchhandel gemacht, erzählen sie der taz.
Das Sortiment und die geplanten Veranstaltungen folgen einem
intersektionalen Anspruch. In der Buchhandlung sollen unterrepräsentierte
Themen und Perspektiven sichtbar werden. Daher liegt der Fokus auf
Literatur von Frauen, Lesben, inter, nicht-binären, trans und agender
Personen ([2][FLINTA*]), queeren Personen, People of Color und anderen
marginalisierten Menschen. Auch sollen Bücher von Independent-Verlagen, die
im klassischen Buchhandel weniger präsent sind, vertrieben werden.
Abgesehen von Büchern stehen unter anderem auch Kunst von lokalen
Künstler:innen, Postkarten, Puzzles, Spiele und Lesezeichen zum Verkauf.
Zudem möchten die beiden Gründerinnen die Ladenfläche auch für verschiedene
Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Es wurde bereits ein trans*-Buchclub
gegründet, der sich regelmäßig im Laden treffen wird. Auch Schreibworkshops
und Lesungen sind geplant. Ebenso könnten sich die beiden kreative
Veranstaltungen wie Bastel-Events gut vorstellen.
Dass die Buchhandlung ausgerechnet im Hamburger Osten eröffnet, ist kein
Zufall. Während Stadtteile wie die Schanze, St. Pauli oder St. Georg als
Orte mit einer sichtbar queeren Szene gelten, hätten sie östlich der Alster
in dieser Hinsicht eine Lücke wahrgenommen, sagt Stertenbrink. Auch gebe es
dort vergleichsweise wenig Buchhandlungen. Es gehöre zum Plan, eine
Stadtteilbuchhandlung zu werden, die auch Menschen erreicht, die nicht
gezielt nach queerer Literatur suchen.
## Zwischen Aktivismus und Kapitalismus
Stertenbrink und Ulrich möchten mit der Buchhandlung ein „Safer Space“ für
marginalisierte Gruppen sein. Dazu gehört auch, dass der Besuch möglichst
barrierearm und zugänglich sein soll. Beispielsweise gibt es eine
Rollstuhlrampe, und es wird darauf geachtet, den Besuch möglichst reizarm
zu gestalten. Außerdem finden sich in einem Regal [3][Fidget-Toys], die für
die Dauer des Besuchs ausgeliehen werden können.
Stertenbrink und Ulrich verstehen die Buchhandlung auch als aktivistisches
Projekt. Aktivismus müsse nicht immer laut sein. Vielmehr gehe es ihnen
darum, queere Perspektiven selbstverständlich im Alltag sichtbar zu machen.
Auch angesichts der [4][aktuellen Kürzungen der Bundesregierung bei
Projekten zum Schutz von queeren Menschen in Deutschland] sehen sie
unabhängige Orte wie „Perspektiven“ als wichtig an, um Sichtbarkeit für
queere Lebensrealitäten zu schaffen. „Und ganz aktuell ist es natürlich
einfach so, dass vielen Projekten die Förderung gestrichen wird. In der
Hinsicht ist es natürlich wichtig, dass es auch Orte gibt, die nicht auf
solche öffentlichen Fördermittel angewiesen sind“, erzählt Ulrich.
Gleichzeitig sei „Perspektiven“ ein wirtschaftliches Unternehmen, das sich
dem Kapitalismus anpassen müsse. Stertenbrink erklärt in diesem
Zusammenhang: „Ich denke, wir werden so viel Aktivismus wie möglich machen
und so viel Kapitalismus wie nötig.“ Trotzdem entscheiden Stertenbrink und
Ulrich selbst darüber, welche Bücher ins Sortiment aufgenommen werden.
Demnach schließen sie Bücher auch gezielt aus – wie die Harry-Potter-Reihe
von [5][J. K. Rowling.]
Stertenbrink und Ulrich wünschen sich, dass ihr Laden zu einem Ort wird, an
dem Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe miteinander
ins Gespräch kommen und sich sicher fühlen. Gleichzeitig sollen
Besucher:innen neugierig werden auf Bücher, Themen und
Lebensrealitäten, mit denen sie bisher vielleicht wenige Berührungspunkte
hatten.
7 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://blogs.taz.de/feminismus/lesen-statt-scrollen-8-feministische-romane-fuer-freie-sommertage/
(DIR) [2] /FLINTA/!t5860252
(DIR) [3] /Spielzeug-Trend-Pop-it-Fidget-Toy/!5794103
(DIR) [4] /Jugendnetzwerk-Lambda/!6192551
(DIR) [5] /J-K-Rowlings-transfeindliche-Tweets/!5687871
## AUTOREN
(DIR) Rida Agha
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