# taz.de -- Queeres Jugendnetzwerk Lambda: „Mit uns fällt die Vernetzung weg“
> Die Bundesregierung streicht dem queeren Jugendnetzwerk die Förderung.
> Damit geht der politische Rückhalt verloren, sagt Bundesgeschäftsführerin
> Kim Alexandra Trau.
(IMG) Bild: Gedenkveranstaltung für die Opfer des Anschlags auf den CSD, 2. August in Berlin
taz: Frau Trau, für queere Menschen hat die schwarz-rote Regierung noch
nicht viel getan. Ändert sich das nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin
in der letzten Woche nun?
Kim Trau: Nein, dem ist bislang nicht so. Als queerer Jugendverband hat uns
bislang keine Nachricht erreicht, dass doch mehr Geld für queere junge
Menschen bereitgestellt wird.
taz: Kurz [1][vor dem CSD] war stattdessen bekannt geworden, dass Ihrem
Jugendnetzwerk Lambda sogar die Förderung gestrichen werden soll.
Trau: Soweit wir wissen, sollen Lambda als einzigem Jugendverband die
Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) [2][komplett
gestrichen werden]. Über den KJP werden seit der Zeit Adenauers
Jugendverbände gefördert, die katholische Jugend, die Wanderjugend oder die
THW-Jugend – und seit 1990 auch wir. Doch gestrichen wird nur bei uns, bei
den anderen wird laut unserer Information nicht einmal gekürzt.
taz: Ende letzter Woche gab es deshalb [3][an Ministerin Karin Prien (CDU)]
[4][einen Protestbrief] [5][von 198 Organisationen], darunter andere
Jugendverbände und zivilgesellschaftliche Organisationen. Glauben Sie, da
tut sich noch etwas?
Trau: Ich hätte mir erhofft, dass sich spätestens am Montag nach dem
CSD-Anschlag das Ministerium meldet und sagt: ‚Angesichts der Situation
wollen wir ein Zeichen setzen, für 2027 werden Sie als Jugendverband weiter
gefördert.‘ Das ist nicht geschehen. Was muss noch passieren, damit die
Politik sieht, wir als queere Community werden angegriffen? Da geht es
nicht nur um Geld, sondern auch um Rückhalt. Ich höre aus der Politik zu
wenig Handfestes, Kritik kommt aus der Opposition und der SPD, aber leider
nichts von der CDU.
taz: Was würde diese Streichung für Lambda bedeuten?
Trau: Die 380.000 Euro an jährlichen Fördermitteln sind das Rückgrat
unserer Jugendverbandsarbeit. Diese Strukturförderung brauchen wir, damit
der Verband eine Geschäftsstelle finanzieren, damit er Vorstandssitzungen
durchführen kann. All diese zentrale Hintergrundarbeit wird infrage
gestellt.
taz: Aus dem Ministerium hieß es, dass Lambda auch künftig Fördermittel aus
dem KJP beantragen könne. Reicht das nicht?
Trau: Projektförderung ist für Projekte da, nicht für die Finanzierung
eines Jugendverbands. Außerdem ist laut KJP-Richtlinie eine
Anschlussförderung nach Projektende ausgeschlossen. Dann heißt es in ein,
zwei Jahren: ‚Tut uns leid, aber jetzt dürfen wir Sie nicht mehr fördern.‘
Aktuell liegt es am Wollen und nicht am Können. Und überhaupt: Warum soll
Geld für eine Projektförderung da sein? Eine Kürzung wäre dann doch auch
möglich und das kleinere Übel gewesen.
taz: Wie kann man sich die Arbeit von Lambda vorstellen?
Trau: Wir machen seit Jahrzehnten neben der Jugendverbandsarbeit auch
Beratungsarbeit. Es gibt den Queersupport, unser digitales
Beratungsangebot, und viele Empowerment- und Bildungsveranstaltungen. All
das fällt nun weg. Für unser digitales Jugendzentrum, das gerade in der
Testphase ist, entfällt der Träger. Es ist auch unklar, wie es mit unserem
Jugendmagazin out! weitergeht.
taz: Was würde das für einen jungen queeren Menschen konkret bedeuten?
Trau: Wichtig ist erst mal zu sagen: Auf Bundesebene werden die Mittel
gestrichen. Alles, was aus Landes- oder Kommunalmitteln finanziert wird,
ein lokales Jugendzentrum beispielsweise, steht glücklicherweise nicht
infrage. Mit uns fällt aber die Vernetzung weg. Und mit den Streichungen
sind queere Jugendliche sehr viel stärker davon abhängig, wer vor Ort ist,
ob es Angebote gibt und ob queere Themen schon irgendwie praktiziert
werden.
taz: In den Kommunen und Ländern wird hingegen die AfD immer stärker. Auch
[6][queerfeindliche Hasskriminalität] nimmt zu. Wie wappnen Sie sich gegen
all das?
Trau: Wir sind sowohl Mitglied im Deutschen Bundesjugendring als auch im
[7][Paritätischen Gesamtverband], denn nur gemeinsam mit anderen haben wir
eine Chance. Nicht wenige queere Jugendgruppen treffen sich unter dem Dach
von Kirchen und sozialen Trägern vor Ort. Vielleicht bekommt das
Kirchenasyl bald wieder die Bedeutung, wie es sie in DDR hatte. Da trafen
sich auch die Opposition, Naturschützer*innen, Lesben und Schwule und
andere kritische Stimmen in Räumen der Kirchen.
taz: Wie kann die Gesellschaft queere Jugendliche wirklich schützen und ein
Ally sein?
Trau: Das eine ist Geld und Zeit. [8][Wer unterstützen will], kann sich
beispielsweise bei queeren Jugendangeboten melden und fragen, was gerade
gebraucht wird, ob das Spenden für einen Tischkicker sind oder jemand fürs
Plakateaufhängen gesucht wird. Fragen ist immer ein guter erster Schritt,
wenn man ein Ally sein möchte. Und das andere ist, zu sprechen und zu
widersprechen, wenn sich queerfeindlich geäußert wird. Denn immer, wenn
jemand Stopp sagt, dann hören das auch queere Menschen. Es gibt Halt, wenn
ich weiß, [9][ich bin nicht die einzige Person, die agiert], sondern da
sind andere Menschen, die für mich in die Bresche springen.
3 Aug 2026
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(DIR) [7] /Sozialverband-zu-Sozialstaatsreform/!6149005
(DIR) [8] https://lambda-online.de/unterstuetzen/spenden/
(DIR) [9] /Queeres-Leben-abseits-der-Szene/!6172914
## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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