# taz.de -- Israel: Minister gegen Militärs
> Israels Verteidigungsminister feuert den Chef des israelischen Militärs
> im Westjordanland – wohl, weil der einen Haftbefehl für einen Siedler
> verlängern wollte.
(IMG) Bild: De facto rechtsfreier Raum: Ein bewaffneter Siedler im Westjordanland, 31. Juli 2026
Es passiert nicht jeden Tag, dass man live im Fernsehen gefeuert wird. Doch
Generalmajor Avi Bluth ist dies am Sonntag widerfahren. Der Chef der
israelischen Armee im Westjordanland hat laut Medienberichten von seiner
Kündigung durch die Abendshow „The Patriots“ auf dem rechten israelischen
Kanal 14 erfahren.
Bei der Live-Talkshow hat der eingeladene Verteidigungsminister Israel Katz
angekündigt, Generalmajor Dado Bar Kalifa sei ein „Held“ und solle Chef des
Zentralkommandos werden. Der derzeitige Kommandeur, Avi Bluth, saß zu dem
Zeitpunkt in einer Sitzung über die Antiterrorpolitik im Westjordanland und
schaute sich gerade mit anderen Offizieren Pläne an, um dort eingenistete
Terrororganisationen zu zerschlagen. Als die Nachricht das Militärbüro
erreichte, löste sie wohl eine Schockwelle im Hauptquartier aus.
Die Armee antwortete, Bluth bleibe auf seinem Posten. Es stehe nicht in der
Macht des Ministers, den Generalmajor einseitig zu feuern. Bluth genieße
das „volle Vertrauen“ der Armee und es gebe keine Absicht,
„Schlüsselkommandanten“ in dieser delikaten Zeit zu kündigen. Auch sei der
Armeechef Eyal Zamir nicht von der Entscheidung informiert gewesen.
## Konflikt um einen mutmaßlich schwer gewalttätigen Siedler
Offenbar hat sich die Kontroverse nach der Verhaftung eines israelischen
Siedlers entwickelt. Der Mann befindet sich [1][wegen mutmaßlicher Gewalt],
unter anderem [2][sexueller Natur,] gegen einen Palästinenser in Haft. Bei
einem Siedlerangriff im März auf die Ortschaft Khirbet Humsa soll er
zusammen mit anderen einem Schäfer die Genitalien zusammengebunden und ihn
nackt durchs Dorf geführt haben.
Der Siedler, der in einem [3][illegalen Außenposten im Westjordanland]
lebt, war jüngst in den Hungerstreik getreten und wurde in ein Jerusalemer
Krankenhaus verlegt, als sich sein Herzschlag verlangsamte. Katz selbst
hatte ihn kürzlich besucht. Außerdem hatten dreizehn rechte
Politiker:innen eine Petition für seine Freilassung gestartet.
Als der Haftbefehl des Verdächtigen wegen einer Formalität ablief, forderte
der Verteidigungsminister, ihn nicht zu erneuern. Doch Bluth ist dagegen
vorgegangen.
In der Sendung begründete der Verteidigungsminister seine Personalwahl dann
so: „Weil ich im Zentralkommando einen Soldaten haben möchte, der einen
entscheidenden Sieg anstrebt, unsere Feinde schlägt und die Siedler
schützt.“ Katz ist Mitglied der rechtskonservativen Likud-Partei. Er
unterstützt den [4][Siedlungsausbau im Westjordanland und die Annexion des
palästinensischen Gebiets.]
## Kritik von allen Seiten
Bluth leitet seit über zwei Jahren das Zentralkommando der Armee. Vom
linken Spektrum wird er immer wieder beschuldigt, nicht genug gegen
gewalttätige Siedler:innen zu unternehmen. Im August 2025 warf die
israelische Nichtregierungsorganisation The Association for Civil Rights in
Israel ihm mögliche Kriegsverbrechen vor, nachdem seine Truppen [5][mehr
als 3.000 Olivenbäume neben einem palästinensischen Dorf entwurzelt
hatten]. Gleichzeitig werfen ihm Rechte vor, „[6][Siedler:innen] immer
wieder zu verfolgen, während palästinensischer Terror erstarkt“, wie die
rechtsextreme Parlamentarierin Limor Son Har Melech es ausdrückte.
Der designierte Dado Bar Kalifa leitet derzeit die Personalabteilung der
Armee. Noch ist es unklar, ob er überhaupt die neue Stelle will. Nach dem
Zank zwischen Armee und Ministerium präzisierte der Verteidigungsminister,
Bar Kalifa sei bereits im April von Armeechef Zamir für den Posten als
Nachfolger von Bluth vorgeschlagen worden. Katz habe nicht von einer
vorzeitigen Kündigung Bluths gesprochen. In der Regel bleiben
Leiter:innen des Zentralkommandos drei Jahre im Amt.
3 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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