# taz.de -- Politische Pöstchen in Israel: Noch schnell die Macht im Land sichern
       
       > Kurz bevor Neuwahlen in Israel anstehen, ernennt die Rechtsregierung von
       > Netanjahu Loyalisten für wichtige Positionen – etwa die des
       > Geheimdienstchefs.
       
 (IMG) Bild: Bei der Vergabe von wichtigen Posten ist für Benjamin Netanjahu und seine Regierung Loyalität wichtiger als Expertise
       
       Irgendwann im Herbst soll in Israel gewählt werden. Zumindest einige im
       Land und außerhalb hoffen, dass die rechtsextreme und religiöse Koalition
       unter Premier Benjamin Netanjahu abgewählt wird. Doch selbst wenn das
       gelingen sollte: Die Koalition hat – vermehrt in jüngster Zeit – wichtige
       Posten im Sicherheits- und Politikbereich mit ihren Kandidaten besetzt. Und
       diese Posten bleiben bestehen – auch wenn die derzeitige Regierung von
       Israels Wählenden in die Opposition verbannt wird.
       
       Da ist etwa [1][Michael Rabello.] Der persönliche Anwalt von Premier
       Benjamin Netanjahu, der ihn in persönlichen Strafverfahren vertreten hat.
       Zu Beginn des Monats wurde er durch eine Abstimmung in der Knesset zum
       Obersten Rechnungsprüfer des Staates „gewählt“. Er ist damit für die
       Prüfung praktisch aller staatlichen Stellen, einschließlich politischer
       Parteien, zuständig und wird für eine Amtszeit von sieben Jahren gewählt.
       
       Man muss den Begriff der Wahl hier in Anführungszeichen setzen, wiesen doch
       Funktionäre der Netanjahu-Partei Likud die Abgeordneten an, ein Selfie mit
       ihrem Stimmzettel zu machen. Um so ihre Loyalität gegenüber Netanjahu zu
       beweisen. Zu dokumentieren, wen man wählt, ist aber ausdrücklich illegal.
       
       Der eindeutige Verstoß bei der Wahl – und der bestehende Interessenkonflikt
       zwischen Netanjahu-Anwalt Rabello und Rechnungsprüfer Rabello – führte zu
       einem Fall am Obersten Gerichtshof. Das empfahl zunächst, eine
       Neuabstimmung durchzuführen. Und äußerte sich an diesem Sonntag erneut mit
       deutlicher Kritik. Doch außer Empfehlungen abzugeben, kann das Gericht hier
       kaum etwas tun.
       
       ## Einflussnahme in den Geheimdiensten
       
       Am Tag vor der Abstimmung in der Knesset über Rabello wurde Roman Goffman,
       Netanjahus ehemaliger Militärsekretär, als neuer Chef des Mossad vereidigt.
       Gegen Goffmans Ernennung sprachen sich mehrere hochrangige Amtsträger aus –
       darunter [2][Israels Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara] sowie der
       scheidende Mossad-Chef David Barena selbst. Beim Obersten Gerichtshof
       wurden mehrere Klagen gegen seine Ernennung eingereicht.
       
       Hauptstreitpunkt ist die Rekrutierung eines 17-jährigen Israelis für
       [3][eine verdeckte Einflussnahmeoperation]. Dieser wurde im Zusammenhang
       damit später verhaftet und blieb 18 Monate lang inhaftiert. Goffman
       bestritt jegliche Kenntnis oder Verantwortung. Bei einer anschließenden
       Untersuchung der israelischen Streitkräfte log er. Doch der Oberste
       Gerichtshof wies die Klagen zurück – und Netanjahu-Loyalist Goffman wurde
       am 2. Juni für eine Amtszeit von fünf Jahren vereidigt.
       
       Und die wohl umstrittenste Ernennung ist die des Schin-Beth-Chefs David
       Zini. Er wurde bereits Ende letzten Jahres für eine Amtszeit von fünf
       Jahren vereidigt. Zini stieß ebenso wie Goffman auf vehementen Widerstand
       seitens Sicherheits- und Politikvertretern, Seine mangelnde Erfahrung und
       seine radikale religiös-zionistische Haltung machen ihn für sie zu einer
       Gefahr für einen der mächtigsten Sicherheitsdienste Israels. Doch wie im
       Fall von Goffman wurden die beim Obersten Gerichtshof eingereichten Klagen
       gegen Zinis Ernennung Ende Dezember abgewiesen.
       
       L[4][aut der israelischen Zeitung Ha’aretz] zeichnet sich bereits eine
       tiefe Spaltung innerhalb des Dienstes ab. Zinis persönliche Haltung, seine
       Prioritäten und seine Loyalität gegenüber Netanjahu stehen für viele im
       Widerspruch zu Professionalität und organisatorischen Zielen. Der Sender
       Kanal 12 berichtet: Kurz nach Zinis Amtsantritt wurden die
       Hintergrundbilder aller Computer der Behörde vom Schin-Beth-Logo auf den
       Tempelberg in Jerusalem umgestellt. [5][Dort befindet sich heute der
       Al-Aqsa-Moschee-Komplex. Doch es ist auch der Ort, an dem eines Tages der
       dritte jüdische Tempel entstehen soll] – ein bekanntes Ziel messianischer
       Juden.
       
       Darüber hinaus kam Zini einer Bitte Netanjahus nach, ihm eine Befreiung von
       der Zeugnispflicht [6][in seinem laufenden Korruptionsprozess] zu erteilen.
       Eine Bitte, die der frühere Schin-Beth-Chef Ronen Bar abgelehnt hatte.
       [7][Das war wohl ein Grund, weshalb Netanjahu im vergangenen Jahr Bar
       entließ.]
       
       Zini hob außerdem die langjährige Ablehnung des Schin Beth der Todesstrafe
       für palästinensische Terroristen auf. Gleichzeitig ist die Abteilung des
       Schin Beth, die sich der Überwachung des jüdischen Terrorismus widmet,
       aufgrund mangelnder Ressourcenzuteilung praktisch zusammengebrochen.
       [8][Und das in einer Zeit, in der der Siedlerterror] im Westjordanland
       [9][ein Allzeithoch erreicht hat.]
       
       ## Loyalität wichtiger als Erfahrung und Eignung
       
       Und es gibt noch weitere Fälle: etwa die religiös-nationalistische Esther
       Schreiber, die in einer hochpolitischen Entscheidung Leiterin der
       Israelischen Altertumsbehörde werden sollte. Über 60 Archäologen reichten
       beim Obersten Gerichtshof eine Petition dagegen ein; sie fürchteten eine
       weitere [10][Politisierung der Archäologie]. Ein staatliches Komitee
       untersagte schließlich die Nominierung – weil Schreiber die nötigen
       Qualifikationen nicht erfüllte.
       
       All diese Amtsträger, die nun an der Spitze einiger der mächtigsten
       Sicherheits- und politischen Behörden Israels stehen, wurden nicht aufgrund
       ihrer Erfahrung oder ihrer Eignung ernannt. Sondern wegen ihrer engen
       persönlichen Verbindungen und ihrer nachgewiesenen Loyalität zur
       Netanjahu-Koalition. Die sie – egal, wie die Wahl ausfüllt – überdauern
       werden.
       
       29 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ultraorthodoxe-in-Israel/!6186717
 (DIR) [2] /Umstrittene-Justizreform-in-Israel/!6074044
 (DIR) [3] /Israelischer-Geheimdienst/!5830404
 (DIR) [4] https://www.haaretz.co.il/news/magazine/2026-04-27/ty-article-magazine/.premium/0000019d-c910-de5d-a19d-ed186a5d0000
 (DIR) [5] /Der-Tempelberg-in-Jerusalem/!5846846
 (DIR) [6] /Korruptionsprozess-gegen-Netanjahu/!6051606
 (DIR) [7] /Geheimdienst-Chef-Bar-muss-gehen/!6076617
 (DIR) [8] /Siedlergewalt-im-Westjordanland/!6182064
 (DIR) [9] /Siedlergewalt-im-Westjordanland/!6147397
 (DIR) [10] /Israel/!5142040
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tamar Ziff
       
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