# taz.de -- Siedlergewalt im Westjordanland: Ein palästinensisches Dorf wird zur Sperrzone
> Der christliche Ort Taibeh im Westjordanland wird immer wieder von
> Siedlern attackiert. Nun zieht Israels Militär Konsequenzen. Wird das
> helfen?
(IMG) Bild: Eine Solidaritätsaktivistin steht auf dem Grundstück einer Beduinenfamilie, am Zaun warten israelische Siedler, Taibeh, 22. Juni
Radikale Lösungen für radikale Probleme: Im Westjordanland ist ein gesamtes
Dorf [1][zu militärischem Sperrgebiet] erklärt worden. Und zwar offenbar,
um es vor Angriffen durch israelische Siedler zu schützen.
Taibeh ist eine christliche Gemeinde im vorwiegend muslimischen
Westjordanland, etwa zwölf Kilometer nordöstlich von Ramallah. Seit drei
Jahren klagen die gut 1.200 Einwohner*innen über [2][eskalierende
Attacken von extremistischen Siedlern], die teilweise in [3][auch nach
israelischem Recht illegalen Außenposten] in der Nähe des Dorfs leben.
Jetzt dürfen keine Fremden mehr ins Gebiet kommen; am Sonntag hat das
israelische Militär die Sperrzone ausgerufen. „Bei Meldungen über Verstöße
werden [4][Soldat:innen ins Gebiet entsandt] und lösen die Versammlungen
auf, um die dortigen Bürger:innen zu schützen.“ Einwohner:innen
sollen sich bei solchen Sperrbefehlen in der Regel weiterhin frei bewegen
dürfen.
Journalist:innen in diesem Fall theoretisch ebenso, sagt das Militär
der taz – allerdings behält es sich das Recht vor, den Zutritt zu
verweigern, sollte dies „eine Gefahr für ihr eigenes Leben darstellen oder
die Operationen der Streitkräfte beeinträchtigen“. Beobachter:innen
hatten früher Bedenken geäußert, dass der Mangel an internationalen und
lokalen Friedensaktivist:innen zu verstärkten Angriffen in dem Gebiet
hätte führen können. Diese Aktivist:innen aus Israel wie dem Ausland
stellen sich im Westjordanland schützend vor die palästinensischen
Bewohner:innen und dokumentieren Angriffe.
## Das Dorf ist Heimat der gleichnamigen Brauerei
In der vergangenen Woche waren extremistische Siedler nach Berichten von
Einwohner:innen in ein leerstehendes Haus in Taibeh zum wiederholten
Mal eingebrochen. Einmal hätten sie sogar Schafe mitgenommen. Die Menschen
in Taibeh werten das als Versuch, sie einzuschüchtern und zum Wegzug zu
bewegen.
[5][Das Dorf ist von völkerrechtswidrigen Siedlungen und Außenposten auf
beiden Seiten umgeben.] Im Juni hatten mehrere Siedler die Feuerwehr und
die Einwohner:innen mutmaßlich daran gehindert, einen Brand auf einem
offenen Gelände auszulöschen.
Ob die neue Maßnahme des Militärs gegen die Siedlergewalt helfen wird? Dazu
zuckt der katholische Priester Pater Baschar auf Nachfrage der taz nur mit
den Schultern.
Taibeh ist das einzig vollkommen christliche Dorf Westjordanlands und
Heimat der gleichnamigen Mikrobrauerei – die älteste im Nahen Osten.
[6][Als die taz es vor einem Jahr besuchte], erzählte Pater Baschar von
einer Eskalation der Attacken in den vergangenen drei Jahren. Lange waren
sie als Christ:innen eher verschont geblieben, das hat sich mittlerweile
geändert.
Und immer mehr [7][Christ:innen im Westjordanland] denken übers
Auswandern nach, das zeigen die Umfragen. Ihre Zahl ist, verglichen mit dem
Anfang des 20. Jahrhunderts, über die Jahre gesunken und liegt heute bei
etwa 45.000 Menschen.
10 Aug 2026
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## AUTOREN
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