# taz.de -- Kühle Orte in Berlin: Zuflucht vor dem Hitzeschlag
> Die offiziellen Karten, die kühle Orte in Berlin ausweisen, liefern
> dürftige Ergebnisse. Ein Berliner hat auf eigene Faust etwas Besseres
> programmiert.
(IMG) Bild: Eher das Gegenteil von einem kühlen Ort: der Gendarmenmarkt in Mitte
Es ist noch nicht so lange her, da wäre den meisten ein Berlin-Plan mit
„kühlen Orten“ seltsam vorgekommen. Wärmestuben für den Winter, klar, aber
temperierte Räume für die Sommerhitze? Da dachte man eher an dunkle Kirchen
in Süditalien, in die sich schwitzende TouristInnen vor der mediterranen
Sonne flüchten. Tempi passati: [1][Heute sind auch Niedrigtemperatur-Tipps
für die deutsche Hauptstadt Gold wert.]
Gleich drei digitale Rechercheangebote bietet die Berliner Verwaltung im
Netz an: die [2][„Kühle Orte“-Karte] der Senatsgesundheitsverwaltung, die
[3][„Erfrischungskarte“ der Open Data Informationsstelle] und das
[4][Geoportal Berlin]. Die Vielfalt ist allerdings irreführend, denn alle
drei verweisen auf exakt dieselben Räume – neben Trinkbrunnen,
Schwimmbädern und (im Falle der „Erfrischungskarte“) jeder einzelnen
Parkbank von Berlin.
Das Ergebnis sieht ziemlich schütter aus, denn es sind lediglich
Nachbarschaftszentren, Seniorenfreizeitstätten oder Kirchengemeinden, die
hier auftauchen. So lobenswert es ist, dass diese auch hitzeschlagbedrohten
Menschen ein Refugium sind, so dürftig bleibt es in der Summe. Gibt es denn
nicht mehr klimatisierte Orte in einer Metropole?
Eine erste Antwort liegt natürlich auf der Hand: Im Prinzip verfügt
mittlerweile jeder Supermarkt über eine Klimaanlage, im Gegensatz etwa zu
vielen Bürgerämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen. Auch eine Fahrt
mit der jüngsten S-Bahn-Generation, die auf der Ringbahn verkehrt, bringt
Erleichterung, ist aber nicht immer praktikabel.
Hier kommt Matze Schmidbauer ins Spiel, ein Berliner, der ganz privat den
[5][Berliner Daten-Atlas navigator.berlin] betreibt. Der zeigt etwa die
Lärmbelastung von Kiezen, die Entfernung zur nächsten Schule, die Lage von
Fahrradstraßen und rund 50 weitere Parameter an, alles generiert aus
offenen Verwaltungsdaten und der freien Weltkarte OpenStreetMap.
Schmidbauer hat auch kühle Orte im Angebot – und zwar weit mehr als die
drei zuerst erwähnten Karten.
## Klimatisiert durch die Mall schlendern
So verzeichnen „Erfrischungskarte“ und Co in einem Radius von rund einem
Kilometer um den Gendarmenmarkt ganze zwei Zufluchtsorte: den Gropiusbau
und das Stadtteilzentrum „Kreativhaus“ auf der Fischerinsel. [6][Auf
navigator.berlin sind es rund 40], denn die Karte verzeichnet nicht nur
alle Museen und Bibliotheken, sondern auch Kinos und andere kommerzielle
Räume wie die Mall of Berlin, durch deren klimatisierte Gänge man ja auch
mal ohne Kaufwunsch schlendern kann.
Laut Schmidbauer enthält der Navigator berlinweit 473 kühle Orte, die im
Sommer geöffnet sind, 281 davon verlangen keinen Eintritt. Eine Info-Spalte
liefert die dazugehörigen Öffnungszeiten und gegebenenfalls den Hinweis, ob
hier tatsächlich eine Klimaanlage läuft. Auch ein aus den Klimadaten des
Berliner Umweltatlas errechneter Hitze-Score lässt sich anzeigen.
Allerdings fehlen hier wiederum viele der Orte, die die „offiziellen“
Karten ausweisen. Die legen beispielsweise im Kreuzberger Bergmannkiez die
Passionskirche als schattigen Ort nahe, wohingegen der Navigator die
Markthalle am Marheinekeplatz im Angebot hat. Für lückenlose Kühle muss
also immer noch eine Meta-Recherche betrieben werden. Aber hey: Land
Berlin, das geht noch besser!
3 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hitzewelle-in-Berlin/!6190313
(DIR) [2] https://kuehle-orte.berlin.de/hsp/
(DIR) [3] https://erfrischungskarte.odis-berlin.de/?latitude=52.520952&longitude=13.400033&zoom=14
(DIR) [4] https://gdi.berlin.de/viewer/main/
(DIR) [5] https://navigator.berlin/
(DIR) [6] https://hitze.navigator.berlin/explore?bbox=13.35119%2C52.50145%2C13.41867%2C52.52848&zoom=13.71¢er=13.38493%2C52.51497&address=13.39244%2C52.51437&q=Franz%C3%B6sischer+Dom%2C+7%2C+Gendarmenmarkt%2C+Friedrichswerder%2C+Friedrichstadt%2C+Mitte%2C+Berlin%2C+10117%2C+Deutschland
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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