# taz.de -- Hitzeschutz in der Stadt: Statt schwitzen unter Pflanzen sitzen
> Friedrichshain-Kreuzberg hat drei „mobile Gärten“ aufgestellt, die für
> Abkühlung sorgen sollen. Nebelduschen gibt es in Berlin dagegen nur eine
> einzige.
(IMG) Bild: Nicht überall kann ein Baum Schatten spenden – hier sollen die mobilen Gärten aushelfen
Vor dem Südblock am Kottbusser Tor steht ein neues Stadtmöbel: eine
Mischung aus Bank und Hochbeet, mit einer Art auskragendem Sonnensegel. Ein
Schild klärt PassantInnen darüber auf, dass sie hier an heißen Tagen
Schatten und Abkühlung finden können. Aufgestellt hat den [1][„mobilen
Garten“ der Pfälzer Firma MobiGa] das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.
Zwei weitere stehen seit Freitag am Rudolfplatz in Friedrichshain und an
der Ecke Yorckstraße/Katzbachstraße.
Drei Monate lang will der Bezirk die beweglichen Kühlinseln testen. Laut
Bürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) sollen sie zeigen, „wie lebenswerte
Kieze in Zeiten der Klimakrise gestaltet werden können“. Die mobilen Gärten
kühlen laut Herrmann die Umgebung, nutzen Regenwasser und schaffen
„Aufenthaltsorte für alle“. Sie seien einer von vielen Bausteinen des
bezirklichen Klimaanpassungskonzepts.
Das Prinzip der mobilen Gärten: Über eine Öffnung in der Mitte des
Sonnensegels kann Regenwasser in einen Speicher fließen, von dort aus
werden die Rankpflanzen bewässert, die an der Mittelsäule wachsen. Die sind
bei dem Exemplar am Kottbusser Tor noch nicht allzu üppig, Schatten spendet
bislang also vor allem das Segel. Auch der Sitzkomfort für die NutzerInnen
ist überschaubar: Eine Rückenlehne gibt es nicht. Lehnt sich trotzdem
jemand an, geht das mutmaßlich auf Kosten der empfindlichen Pflanzen.
## Es muss nicht immer ein Baum sein
Immerhin beweist das Experiment aus Sicht des Bezirksamts, dass es in der
heißer werdenden Stadt nicht immer und an jedem Ort Bäume braucht, um
kühle, grüne Plätze zu schaffen. Das gilt besonders für stark versiegelte
Standorte, wo der Untergrund von vielen Leitungen durchzogen ist, was
Baumpflanzungen oft massiv erschwert. Zumal Bäume bekanntlich langsam
wachsen und erst in Jahren oder Jahrzehnten zur Entlastung der
AnwohnerInnen beitragen können.
Das Bezirksamt will in den kommenden drei Monaten die reale Kühlwirkung der
mobilen Gärten beobachten, aber auch „Nutzung und Akzeptanz durch die
Bevölkerung“. Die Aufstellung an einem extrem belebten Ort wie dem Kotti
dürfte da in der Tat die ultimative Belastungsprobe sein.
Friedrichshain-Kreuzberg, wo die Grünen neben der Bezirksbürgermeisterin
auch die Stadträtin für Verkehr und Umwelt stellen, hatte 2024 [2][neben
einem Klimaschutzkonzept auch ein separates Konzept zur Klimaanpassung
vorgelegt]. Es konkretisiert Strategien und Maßnahmen, die schon im
Stadtentwicklungsplan Klima 2.0 des Landes enthalten sind. Ganz konkret
kann es um Entsiegelung, Verschattung und bessere Durchlüftung von
öffentlichen Räumen gehen, aber auch um Trink- oder „Sprühnebelbrunnen“.
Gerade bei Letzteren hat Berlin im internationalen Vergleich den Anschluss
komplett verpasst: In Wien, Paris und vielen andere Metropolen gibt es
schon etliche dieser öffentlichen Vorrichtungen, die Wasser extrem fein
versprühen. Wer sich in den Nebel begibt, wird nicht nass, sondern erlebt
eine deutliche Abkühlung um mindestens 10 Grad. [3][In der französischen
Hauptstadt] gibt es sowohl flächenhafte, begehbare brumisateurs als auch
solche an Trinkbrunnen, die auf Knopfdruck aktiviert werden und sehr
beliebt sind.
Berlin hat seit Kurzem immerhin eine einzige dieser Vorrichtungen im
öffentlichen Raum: [4][am „Cooling Point“ im Mauerpark,] der vom Landesamt
für Gesundheit und Soziales (Lageso) mit Fördermitteln des
Bundesbauministeriums errichtet wurde. Es handelt sich um ein Pilotprojekt
als Teil des Modellvorhabens „Urban Heat Labs – Hitzevorsorge in
Stadtquartieren und Gebäuden“. Warum eine anderswo längst erfolgreich
angewandte Technologie hier immer noch erprobt werden muss, bleibt freilich
offen.
1 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://mobiga.info/modellserie-s
(DIR) [2] /Klimaschutzkonzept-fuer-Berlin/!6054467
(DIR) [3] https://www.eaudeparis.fr/sites/default/files/2022-06/carteFontaineBrumisateur%202022.pdf
(DIR) [4] https://www.berlin.de/hitzeschutz/hitzeaktionsplan/cooling-point-1584231.php
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
## TAGS
(DIR) Hitze
(DIR) Friedrichshain-Kreuzberg
(DIR) Klimaschutz
(DIR) Hitze
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kühle Orte in Berlin: Zuflucht vor dem Hitzeschlag
Die offiziellen Karten, die kühle Orte in Berlin ausweisen, liefern
dürftige Ergebnisse. Ein Berliner hat auf eigene Faust etwas Besseres
programmiert.
(DIR) Klimaanpassung statt Klimaschutz: Die pragmatische Verwaltung der Katastrophe
Berlin steuert auf fast 4 Grad Erhitzung zu. Doch statt etwas dagegen zu
tun, will sich der Senat hauptsächlich anpassen. Zynischer geht es nicht.
(DIR) Klimaschutzkonzept für Berlin: Fahrplan zum grünen Traum
Als erster Bezirk hat Friedrichshain-Kreuzberg ein Konzept zum Klimaschutz
und zur Klimaanpassung vorgelegt.