# taz.de -- Marktradikaler Redner bei AfD-Stiftung: Mileis Meister
> Die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung Hamburg lädt einen Referenten
> ein, der die 53-Stunden-Woche für nötig hält. Die AfD-Wählenden stört es
> nicht.
(IMG) Bild: Politik mit der Kettensäge würde die AfD auch gerne machen, hier in Nordrhein-Westfalen
Für den 13. August hat die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) in
Hamburg einen Gast eingeladen, der den libertären [1][Präsidenten
Argentiniens, Javier Milei], an Marktradikalität in den Schatten stellt.
Hans-Bernd Pillkahn wird als „ehemaliger Mitgestalter der Metallindustrie“
vorgestellt, der bei Thyssenkrupp tätig gewesen und „seit einer Generation
Unternehmer“ sei.
Pillkahn soll über die „Perspektiven der energieintensiven Industrie
Deutschlands – Bedeutung im weltwirtschaftlichen Kontext sowie insbesondere
auch für Hamburg“ sprechen. Seitdem die ehemalige Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) die Atomkraftwerke „geschlachtet“ habe, sei die
Metallindustrie in der Krise, sagt der Ingenieur. Nur mit stringenten
autoritären Maßnahmen könnten die gegenwärtigen ökonomischen
Fehlentwicklungen beendet werden.
Der Vorsitzende der Hamburger DES, Thorsten Prenzel, ist zugleich
Geschäftsführer der Hamburger AfD-Bürgerschaftsfraktion. Die
landespolitische Perspektive sollen an dem Abend der energiepolitische
Sprecher der Bürgerschaftsfraktion, Joachim Körner, sowie die
umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Peggy Heitmann einbringen.
Die Stiftung hat ihre Veranstaltung bisher nicht öffentlich beworben. Die
Einladung liegt jedoch dem Hamburger Bündnis gegen rechts vor. Das Bündnis
weist auf einen Auftritt des „dubiosen Unternehmensberaters“ 2022 im
Klimaleugnermilieu Stuttgarts hin. Im selben Jahr trat Pillkahn bei der
AfD-Bundestagsfraktion auf, die sich fragte: „Wie viel Milei brauchen wir
für die Rettung des deutschen Sozialstaats?“
## Politik mit der Kettensäge
Im Rekurs auf Javier Milei schreibt die Bundestagsfraktion, dass nur eine
„konsequente staatliche Sparsamkeit und entschlossene Deregulierung einen
ökonomischen Richtungswechsel ermöglichen“ würde. Dementsprechend bewarb
die AfD ihre Konferenz am 23. Juni mit dem berühmten Bild Mileis mit der
Kettensäge.
Dazu, wo die Säge angesetzt werden müsste, äußerte Pillkahn „einige
Gedanken aus Sanierungssicht“. Milei gehe nicht mit einer Ketten- sondern
„Handstichsäge“ vor, sagte Pillkahn, dessen Vortrag sich auf Youtube
findet. Ihm reichen die Maßnahmen des Präsidenten von einer Einschränkung
der Arbeitnehmer:inenrechte über Massenentlassungen aus dem
Staatsdienst bis hin zu einer allgemeinen Deregulierung der Wirtschaft
nicht.
Er forderte in seiner Präsentation die Erhöhung der Lebensarbeitszeit von
15 Prozent auf 20 Prozent. „Deutschland ist absoluter Weltmeister in nicht
arbeiten“, geißelte Pillkahn. Seinem Vorschlag folgend, müsste entweder ein
Drittel mehr pro Woche gearbeitet werden – 53-Stunden – oder entsprechend
länger auf die Rente gewartet werden.
Pillkahn fordert auch, die Ausgaben der Bundesbehörden, Landkreise und
Städte, Hochschulen, Großforschungseinrichtungen, Verbände, Kammern und
Innungen um 30 Prozent zu senken. Die Konsequenz wäre eine breite Auflösung
von Strukturen und massenhafte Entlassungen. Unter Applaus ließ er die
Frage offen, ob wohl eher ein „Präsident à la argentinischer Verfassung
oder ein EU-abhänge Verwaltung“ die angebliche notwendige Kehrtwende
schaffen würde.
Mit der Einladung an die Elbe belegt die vermeintliche Alternative für
Deutschland, dass sie keine soziale Alternative ist. In den aktuellen
Landtagswahlkämpfen rechnen Sozialverbände wie Gewerkschaften vor, dass die
[2][AfD-Programm]e für die arbeitenden Wählenden und staatlich
Unterstützten keine ökonomische Sicherheit oder rechtliche Garantien
beinhalten.
Die SPD-Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig,
betont unermüdlich, dass die AfD-Fraktion im Schweriner Schloss gegen den
Mindestlohn, das Tariftreuegesetz und die beitragsfreie Kita gestimmt habe.
Bei den Wählenden geht der Trend trotzdem von Rot zu Blau, wie verschiedene
[3][Wahlanalysen] belegen. Das liegt nicht nur an den anhaltenden
„Remigrationsforderungen“. Auch die oft geäußerte These, dass Wählende
gegen ihre Interessen wählen würden, greift zu kurz, wie Studien nahelegen.
Die AfD wird eben auch von abgesicherten Berufstätigen und gewerkschaftlich
Organisierten gewählt – der gesellschaftlichen gebildeten Mitte, in der
Leistung und Arbeit geschätzt und belohnt werden.
Der Fetisch Arbeit fördert [4][marktradikales Gedankengut]. Amelie Nickel,
Eva Groß und Ilka Kammigan pointierten in der „Mitte Studie“ für 2024 und
2025: Das Individuum stehe vor der Gesellschaft, Wettbewerb vor
Solidarität. Diese radikale [5][Kapitalismusmentalität] spricht die AfD an
– und ihr Referent.
3 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Anarchokapitalismus-in-Argentinien-Eine-Reifenfabrik-zeigt-wer-den-Preis-fuer-Mileis-Reformen-zahlt/!6196792
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(DIR) [5] https://www.stiftung-marktwirtschaft.de/
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