# taz.de -- Nach Protesten in Argentinien: Javier Milei kassiert Niederlage im Parlament
> Der argentinische Senat schwächt ein Gesetz zur Deregulierung von
> Landbesitz an entscheidenden Stellen ab. Der Mieterschutz wird trotzdem
> ausgehöhlt.
(IMG) Bild: Gewerkschaften, linke Parteien und Organisationen beim Protest vor dem argentinischen Kongressgebäude
Der argentinische Senat hat in der Nacht auf Freitag für ein „Gesetz über
die Unverletzlichkeit des Privateigentums“ gestimmt. 37 Senator*innen
stimmten mit Ja, 33 votierten dagegen. Die knappe Mehrheit kam erst
zustande, nachdem die Regierung kurzfristig zwei umstrittene Teile des
Gesetzes zurückgezogen hatte. Die Zustimmung des Abgeordnetenhauses steht
noch aus.
Vor dem komplett abgesperrten Kongressgebäude hatten sich einige Tausend
Menschen versammelt, um gegen den Gesetzentwurf zu demonstrieren. Dazu
aufgerufen hatte der Gewerkschaftsdachverband CGT gemeinsam mit linken
Parteien und sozialen Organisationen. Ein starker Regen verhinderte eine
größere Teilnahme.
Am Ende kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen
Demonstrierenden und Polizeieinheiten. Stein- und Flaschenwürfe wurden mit
Gummigeschossen und Tränengas beantwortet. Es gab Verletzte, mindestens 26
Personen wurden festgenommen.
Um eine Abstimmungsniederlage zu vermeiden, hatte die Regierung zunächst
den Teil des Gesetzes zurückgezogen, der ausländischen Privatpersonen,
Unternehmen und Investmentfonds den unbegrenzten Kauf und Besitz von Land
ermöglicht hätte. Sie hatte argumentiert, dass die bestehenden
Eigentumsbeschränkungen Investitionen behinderten. Durch die
Liberalisierung sollte mehr ausländisches Kapital angelockt werden.
## Schutz vor Waldbränden wird doch nicht entkernt
Dagegen befürchtete die Opposition einen verstärkten Ausverkauf strategisch
wichtiger landwirtschaftlicher Flächen, eine Gefährdung der
Ernährungssicherheit, den Verlust nationaler Souveränität über Boden und
natürliche Ressourcen, Nachteile für indigene Gemeinschaften sowie eine
weitere Ausweitung des rohstofforientierten Wirtschaftsmodells.
Zurückgenommen wurde im Laufe der Debatte auch eine vorgesehene
Deregulierung des Waldbrandmanagements, durch die der bisherige Schutz
abgebrannter Natur- und Landwirtschaftsflächen gelockert werden sollte. So
ist es auch weiterhin verboten, Gras- und Buschland, Waldflächen sowie
landwirtschaftliche Nutzflächen nach einem Brand für einen Zeitraum von 30
Jahren einer anderen Nutzung zuzuführen. Diese Regelung soll vor allem
Spekulationen und Immobiliengeschäfte auf abgebrannten Flächen verhindern.
Die jetzige Abstimmung war der vierte Anlauf der Regierung, das Gesetz
durch den Senat zu bringen. Der ursprüngliche Gesetzesvorschlag war Teil
[1][von Präsident Mileis umfassender Deregulierungsagenda]. Die Rücknahme
der zwei zentralen Teile bedeutet denn auch eine herbe Niederlage für den
libertären Präsidenten. Der Vorgang zeigt, dass Milei zunehmend
Schwierigkeiten hat, seine Gesetzesvorhaben durch den Kongress zu bringen.
Bereits vor einigen Wochen musste Milei auf massiven Druck der katholischen
Kirche die ebenfalls im Gesetzentwurf vorgesehene Abschaffung des Programms
zur Legalisierung von Eigentumsrechten in Armenvierteln zurücknehmen.
Die Kirche befürchtete, dass dadurch gerade viele arme Familien länger auf
ihre Eigentumstitel warten müssten [2][und die Rechtssicherheit für ihre
Grundstücke verlieren würden].
## Senat schwächt Mieterschutz
Zugestimmt hatte der Senat, dass künftig Gerichtsverfahren zur Rückgabe von
Immobilien an ihre Eigentümer im Fall von Mietrückständen durch ein
vereinfachtes Verfahren beschleunigt werden. Zwar gibt es weiterhin
Schutzmaßnahmen für besonders schutzbedürftige Gruppen, doch
Zwangsräumungen sollen insgesamt schneller erfolgen.
Auch Räumungsverfahren im Fall besetzter Immobilien oder Grundstücke sollen
beschleunigt werden. Ein weiterer Bestandteil des Gesetzentwurfs betrifft
das Enteignungsrecht. So wird insbesondere der Verkauf staatlicher
Unternehmen rechtlich stärker abgesichert und spätere Enteignungen werden
erschwert.
7 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Abstimmung-in-Argentinien/!6169395
(DIR) [2] /Forscher-ueber-Argentinien/!6178295
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
## TAGS
(DIR) Javier Milei
(DIR) Argentinien
(DIR) Eigentum
(DIR) Investorenschutz
(DIR) Waldbrände
(DIR) Argentinien
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Lesestück Recherche und Reportage
(DIR) Bürgerversicherung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) San-Cayetano-Wallfahrt in Buenos Aires: Erzbischof teilt kräftig gegen Javier Milei aus
Am Freitag pilgerten Tausende zum Gebet in und vor der Kirche des
Schutzpatrons der Arbeitssuchenden. Der oberste Katholik von Argentiniens
Hauptstadt las bei der Messe dem Präsidenten die Leviten.
(DIR) Marktradikaler Redner bei AfD-Stiftung: Mileis Meister
Die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung Hamburg lädt einen Referenten ein,
der die 53-Stunden-Woche für nötig hält. Die AfD-Wählenden stört es nicht.
(DIR) Arbeit im Anarchokapitalismus: Reifen pressen, das hieß Aufstieg
Argentinien erlebt einen radikalen wirtschaftlichen Umbau. Eine
Reifenfabrik zeigt, wer den Preis für Präsident Javier Mileis Reformen
zahlt.
(DIR) Radikaler Umbau der Bundesverwaltung: Die Kettensäge jetzt auch in Deutschland
Bei der Kritik am Reformpaket der Bundesregierung wird der radikale
Bürokratieabbau leicht übersehen. Dabei steckt hier drin viel Sprengstoff.