# taz.de -- Bericht zu Antiziganismus: „Ekelhafter und abscheulicher Rassismus“
> AfD-Politiker*innen zwangen Roma in Gelsenkirchen, die Straße zu putzen.
> Nicht der einzige Fall, wie Zahlen der Meldestelle MIA zeigen.
(IMG) Bild: Romani Rose bei der Vorstellung des Jahresberichts
Der Skandal war beabsichtigt – was die Aktion aber nicht weniger
erschreckend machte. Mit rund zehn Parteikolleg*innen fiel die
AfD-Lokalpolitiker Enxhi Seli-Zacharias Anfang Juni im Gelsenkirchner
Viertel Ückendorf ein. In teils heruntergekommenen Häusern leben hier viele
Rom*nja, oft [1][unter elendigen Lebensbedingungen]. Die AfD-Truppe zwang
alle, die sie für Rom*nja hielt, dazu, mit Besen und Keller die Straßen zu
putzen. „Diese Menschen müssen unsere Stadt verlassen“, sagt Seli-Zacharias
in einem Video der Aktion.
Auch wenn der Vorfall in Gelsenkirchen ein besonders drastisches Beispiel
ist: Antiziganismus ist Alltag in Deutschland. Das zeigt der Jahresbericht
der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA), den deren Leiter
Guillermo Ruiz, Zentralratspräsident Romani Rose und der
[2][Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung Michael Brand (CDU)] am
Dienstag vorgestellt haben. Demnach registrierte MIA im letzten Jahr mehr
als 2.000 antiziganistische Vorfälle – rund ein Viertel mehr als noch im
Vorjahr. Darunter waren 55 körperliche Übergriffe und 8 Fälle schwerer
Gewalt.
Ruiz zog Verbindungen zum politischen Klima: „Rechtsextreme Akteure hetzen
offen gegen Sinti und Roma“. Rose forderte: „Wir müssen die Demokratie
heute verteidigen – Minderheiten sind ein Teil von ihr.“ Und Brand sagte:
„Sinti und Roma werden von nationalistischen Kräften immer stärker ins
Visier genommen.“ Dass die Zahl der registrierten Vorfälle steige, sei aber
nicht nur ein schlechtes, sondern gleichzeitig auch ein „ermutigendes“
Zeichen dafür, dass die Anzeigebereitschaft steige. Es sei aber weiter von
einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen.
Diese dürfte auch damit zu tun haben, dass Betroffene auch bei Behörden
Antiziganismus befürchten müssen. Bei rund einem Viertel der registrierten
Vorfälle waren staatliche Behörden involviert. Insbesondere
Polizist*innen spielen hierbei eine große Rolle, teils unmittelbar,
durch diskriminierende Kontrollen und Hausdurchsuchungen, teils indirekt,
etwa wenn sie sich weigerten Anzeigen wegen antiziganistischer Taten
aufzunehmen. Ruiz dazu: „Es bleibt viel zu tun, um Polizei, Staatsanwälte
und Gerichte zu sensibilisieren, damit sie Antiziganismus erkennen können.“
## Elend als Vorwand für Hetze
Rund ein Drittel der Betroffenen war minderjährig. Das erklärt sich auch
daraus, dass gerade an Schulen besonders viele Vorfälle stattfanden.
Diskriminierung und Übergriffe gingen dabei nicht nur von
Mitschüler*innen der Betroffenen aus, sondern oft auch von
Lehrer*innen.
Und auch im Bereich Wohnen erfahren Sinti*zze und Rom*nja oft
Diskriminierung und Übergriffe. Das beginnt bei offener Diskriminierung
durch Vermieter*innen, die teils offen aussprechen, dass sie nicht an
Sinti*zze oder Rom*nja vermieten wollen. Schaffen die Betroffenen es
dennoch, eine Wohnung oder ein Haus zu finden, [3][werden sie häufig von
Nachbar*innen weiter drangsaliert.]
Vor allem zugewanderte Rom*nja enden so häufig in heruntergekommenen
Mietshäusern, deren Vermieter*innen ihnen Wuchermieten abpressen. Unter
der Bezeichnung „Schrottimmobilien“ dienen diese Elendsquartiere – und die
mit Armut oft einhergehende Kriminalität – dann wiederum konservativen und
rechten Politiker*innen als Vorwand für antiziganistische Hetze. So
wie in Gelsenkirchen bei der „Putzaktion“ der AfD.
Ruiz sagte am Dienstag zu dem Vorfall, dieser „erinnert an
Demütigungspraktiken der Nationalsozialisten gegenüber Juden“. Rose nannte
den Vorfall am Dienstag einen von „ekelhaftem und abscheulichem Rassismus“.
Er verwies außerdem auf einen Fall in Österreich, bei dem eine lokale
Polizeibehörde aufgerufen hatte, nicht bei Rom*nja einzukaufen, um sich
vor Betrug zu schützen. „Das zeigt, wie wenig wir aus der Geschichte
gelernt haben.“
9 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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