# taz.de -- Wahlkampfbeginn der AfD Berlin: Rap gegen Schlager
       
       > Die AfD eröffnete am Freitag in Marzahn-Hellersdorf mit abgedroschenen
       > Parolen ihren Wahlkampf. Zur Gegenkundgebung kamen rund 500 Menschen.
       
 (IMG) Bild: Die rechtsextreme AfD geht am Rande Berlins auf Stimmenfang für die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September 2026
       
       „Ich bin so froh, dass wir heute laut und gegen die AfD sind“, rief
       Songwriterin Lara Hulo auf dem Vorplatz des „Eastgate“ in Marzahn ins
       Mikrofon. Sie war der erste von mehreren Acts, die hier am
       Freitagnachmittag auf der Anti-AfD-Kundgebung vor knapp 500 Menschen
       auftraten. Über die Hälfte von ihnen war zuvor mit der S-Bahn angereist und
       musste den Kundgebungsort durch einen Polizeikordon betreten, der mit
       Rechten und Neonazi-Youtubern gespickt war, darunter Ex-NPD-Funktionär
       Sebastian Schmidtke.
       
       Auf dem Vorplatz selbst war die Stimmung entspannt. Dutzende Menschen
       rollten eine riesige Regenbogenfahne aus, während Sara Hulo ihre „Ballade
       über Liebe“ sang. „Wir haben die besseren, solidarischen Inhalte“, rief
       anschließend ein Sprecher in Richtung der AfD-Kundgebung und kündigte
       [1][Solidarität gegen deren „völkisch-faschistische Politik]“ an.
       
       „AfD-Kundgebungen sind ja ziemlich langweilig“, hatte eine Sprecherin zuvor
       zur taz gesagt. Und tatsächlich: „Wir brauchen keine Reförmchen, wir
       brauchen eine neue Politik“, sagte ein AfD-Kandidat vor rund 100 meist
       männlichen Personen, die Deutschlandfahnen oder Schilder mit Friedenstauben
       schwenkten.
       
       ## „Wir müssen uns selbst schützen“
       
       Beide Kundgebungen waren nur rund 50 Meter entfernt und durch besagten
       Polizeikordon getrennt, die Bühnen waren voneinander abgewandt. Dennoch
       waren die AfD-Sprecher*innen nicht gut zu hören, wenn der Jubel oder die
       Parolen auf Antifa-Seite zu laut wurden. „So viele waren wir noch nie!“,
       freute sich eine Rednerin des linken Bündnisses, zu dem neben der M6-Antifa
       auch mehrere Initiativen aus dem Kiez gehören.
       
       Zwei Sprecherinnen des ehemaligen [2][La Casa in Hellersdorf], das nach
       internen Auseinandersetzungen nun New Casa heißt, erinnerten daran, dass
       nur vier Tage zuvor ein weitgehend unbeachteter Brandanschlag auf eine
       Geflüchtetenunterkunft in Marzahn-Hellersdorf verübt worden war. Ihr Fazit:
       „Wir müssen uns selbst schützen und Strukturen aufbauen!“
       
       ## „Starkes Zeichen gegen die Spaltung durch die AfD“
       
       Auf der AfD-Bühne wurde der Ton unterdessen schärfer. Der im Bezirk direkt
       gewählte Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio, ein biederer Mann mit
       schütterem Haar, instrumentalisierte den Anschlag auf den CSD und die
       Grenzübertritte in Ceuta, wetterte gegen eine „Lebenslüge der roten
       Einwanderungslobby“, die „Politik gegen das eigene Volk“ betreibe. Auch er
       war teilweise schwer zu verstehen, weil gegenüber die Band Kafvka die
       Antifaschist*innen mit ihrer Mischung aus Indierock und Rap animierte.
       Während der Biedermann „2015 darf sich nicht wiederholen!“ rief, sorgten
       Kafvka mit ihrem Hit „Alle hassen Nazis“ sogar für Festivalstimmung auf dem
       grauen Vorplatz.
       
       Milo Neuhaus, Sprecher des Kundgebungsbündnisses, wertete die Kundgebung
       als ein „starkes Zeichen gegen die Spaltung durch die AfD“. Mit
       Organisationen wie Quarteera oder der M6-Antifa gebe es bereits Strukturen
       in Marzahn-Hellersdorf, bei denen Interessierte mitarbeiten können. Man
       habe zeigen wollen, „dass es die Möglichkeit gibt, neue Strukturen zu
       schaffen und dass die AfD nicht die einzige Alternative für die momentane
       Politik ist“.
       
       Mahla Nazari und Muhammad Husain Razaiy aus Afghanistan gehörten zu den
       wenigen nichtdeutschen Kundgebungsteilnehmer*innen und wohnen
       tatsächlich in dem Bezirk. „Das ist eine coole Aktion“, freute sich Nazari.
       „Wir sind vorbeigekommen und haben diese riesige Gruppe gesehen“. Zuvor
       habe sie die AfD-Kundgebung gesehen. „Die reden darüber, dass wir ihre Jobs
       geklaut haben. Das ergibt gar keinen Sinn. Entweder haben wir eure Jobs
       geklaut oder wir arbeiten nicht. Das verstehe ich gar nicht“, empörte sie
       sich. „Wir stehen für Menschlichkeit, Solidarität und Zusammenhalt. Berlin
       ist bunt, und so wollen wir bleiben!“
       
       Auch in Sachen Musik könnten die Unterschiede zur AfD nicht größer sein:
       Als der antifaschistische Hiphopper [3][Flaiz] rappte, lief zum Abschluss
       der AfD-Kundgebung ein Wahlkampfsong im Schlager-Format für
       AfD-Spitzenkandidatin Brinker.
       
       1 Aug 2026
       
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