# taz.de -- Demo der AfD-Jugend: Stumpfe Parolen am Stadtschloss
> Beim ersten Aufmarsch der AfD-Jugend zogen etwa 420 Neonazis und
> Identitäre durch Schwerin. Der Gegenprotest sieht nicht viel größer aus.
(IMG) Bild: Tag der deutschen Jugend in Schwerin am 1. August
Am Wochenende zeigte sich, wie weit die neue Jugendorganisation der AfD am
rechten Rand steht. Neonazis, Identitäre und Burschenschaftler reihten sich
am Samstag bei der ersten Demonstration der Generation Deutschland in
Schwerin mit ein. Am Frontbanner vorneweg: Leif-Erik Holm, der als
Spitzenkandidat der AfD für die anstehenden Landtagswahlen in
Mecklenburg-Vorpommern antritt.
Es war das erste Mal, dass die AfD-Jugendorganisation [1][nach ihrer
Neugründung bundesweit zu einer Demonstration mobilisierte]. Laut Polizei
waren 420 Menschen dem Aufruf nach Schwerin gefolgt. Die Kulisse für ihren
Aufmarsch, den sie als „Tag der deutschen Jugend“ wähnten, bot der Alte
Garten am Schweriner Schloss. Ein Platz, der sich direkt neben dem Landtag
von Mecklenburg-Vorpommern befindet.
In der ersten Reihe des Aufmarschs hatten sich Mitglieder des
Bundesvorstands der AfD-Jugend positioniert. Insgesamt hielt sich die
Beteiligung aus den Landesverbänden allerdings in Grenzen. Der bayerische
Funktionär Luca Maurice „Helmut“ Strauf präsentierte sich an diesem Tag mit
zahlreichen frischen Narben, die sich quer über sein Gesicht verteilen.
Seine letzte Mensur, ein Fechtkampf, wie er in reaktionären
Burschenschaften praktiziert wird, sei etwa eine Woche her, sagte Strauf
stolz.
Auch viele Jugendliche aus Mecklenburgs Jungnazi-Szene waren gekommen,
sahen aber neben den gescheitelten Anzugträgern der Generation Deutschland
fast schon etwas verloren aus. „Linke Zecke“, rief einer von ihnen einem
Journalisten hinterher. Auch einige Anzugträger konnten sich da das Grinsen
nicht verkneifen.
## Slogans bei der Identitären Bewegung einstudiert
Unterdessen posierten Aktivisten der Identitären Bewegung für ein Foto mit
White-Power-Handgeste vor dem Frontbanner. Kader der Identitären Bewegung
gehören bei der AfD und ihrer Jugendorganisation inzwischen zum Inventar.
Was die verschiedenen Strömungen, die hier mitmarschierten, eint, sind ein
gemeinsamer geteilter Rassismus und völkischer Nationalismus. „Germania“,
„Stolz und Deutsch“ und rassistische Slogans wie „whitelivesmatters“ konnte
man auf ihren T-Shirts lesen.
Die Vorsitzende des Landesverbands der AfD-Jugend in Thüringen, Carolin
Lichtenheld, und Florian Ruß aus Sachsen-Anhalt, heizten zusammen den
Demozug ein. Für die AfD standesgemäß waren bei dem Aufmarsch auch an
diesem Samstag mehrheitlich Männer beteiligt. „Festung Europa, macht die
Grenzen dicht“ riefen sie unter anderem. Einstudiert haben die Slogans
viele hier wohl bei Aufmärschen der Identitären Bewegung.
Nachdem sich der Demozug in Bewegung setzte, wurden die Parolen noch
stumpfer: „Zecken raus“ und „Antifa nach Nordkorea“ wurde skandiert.
Gemeint waren Gruppen Gegenprotestierender, die sich am Straßenrand
positioniert hatten. Mobilisiert hatten hierzu lokale Initiativen sowie das
Protestbündnis Widersetzen – die Zahl der Gegendemonstrant*innen war
dennoch nur unwesentlich höher als die der Rechtsextremen.
Sie schafften es trotzdem eine Dreiviertelstunde vor dem Demostart der
AfD-Jugend eine Sitzblockade zu bilden, weshalb der rechte Aufmarsch
umgeleitet werden musste. Der Gegenprotest konnte so zumindest einen
kleinen Teilerfolg verbuchen.
Auch der 37-jährige David aus Schwerin beteiligte sich an der Sitzblockade.
Er möchte nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen. Er sei für
„Vielfalt“ auf der Straße und gegen „engstirniges Denken“ wie bei der AfD,
sagte er der taz. Die 69-jährige Karin aus Lübeck, die ebenfalls nicht mit
vollem Namen genannt werden möchte, beobachtete das Geschehen unterdessen
vom Straßenrand. Sie beteiligte sich zum ersten Mal bei einem Protest gegen
die AfD. „Sobald eine Landesregierung von der AfD gestellt wird, werden
sich die Verhältnisse verschlechtern“, sagt sie. Sie befürchtet, das könne
Auswirkungen auf das gesamte Bundesgebiet haben.
Im Verlauf der Proteste kam es offenbar auch zu einer direkten
Auseinandersetzung. Der Hamburger AfD-Jugend-Funktionär Michael Schumann
postete auf Social Media ein Video mit Blut im Gesicht. Auf einem weiteren
Video sind Vermummte zu sehen, die AfD-Sympathisanten bedrängen. Die
Polizei ermittelt nun gegen drei Personen wegen des Verdachts der
Körperverletzung.
2 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527
## AUTOREN
(DIR) Nicolai Kary
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) AfD-Jugend
(DIR) Demonstrationen
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) GNS
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Demonstrationen
(DIR) Danger Dan
(DIR) Schwerpunkt AfD
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wahlkampfbeginn der AfD Berlin: Rap gegen Schlager
Die AfD eröffnete am Freitag in Marzahn-Hellersdorf mit abgedroschenen
Parolen ihren Wahlkampf. Zur Gegenkundgebung kamen rund 500 Menschen.
(DIR) Auftritt von Danger Dan und Igor Levit: Verschweigen funktioniert nicht mehr
Das ZDF wollte einen Song streichen, daraufhin wurde der zum medialen
Mittelpunkt. Die Rundfunkanstalt muss ihr Verhältnis zum Antifaschismus
dringend überdenken.
(DIR) AfD beschließt Wahlprogramme: AfD wählt Ex-Mitglied der NPD-Jugend zum Generalsekretär
Beim AfD-Parteitag in Mecklenburg-Vorpommern wählen 91 Prozent der
Delegierten einen mutmaßlichen Ex-Nazi. Das Wahlprogramm liest sich
rassistisch.