# taz.de -- Zehn Euro im Monat: Entwurf für die Frühstartrente liegt vor
> Die schwarz-rote Frühstartrente rückt näher. Alle Kinder ab sechs Jahren
> sollen regelmäßig Geld fürs Alter bekommen. Die wichtigsten Fragen und
> Antworten.
(IMG) Bild: Mit der geplanten Frühstartrente zahlt der Staat ab dem sechsten Lebensjahr monatlich 10 Euro in ein Altersvorsorgedepot ein
dpa | Die Frühstartrente mit 10 Euro pro Monat vom Staa[1][t für jedes Kind
in Deutschland ab sechs Jahren] rückt näher. Bundesfinanzminister Lars
Klingbeil (SPD) gab den entsprechenden Gesetzentwurf in die
Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung. Aus dem Finanzministerium
wurde der Deutschen Presse-Agentur ein entsprechender Bericht der Zeitungen
der Funke Mediengruppe bestätigt. Der Gesetzentwurf liegt der dpa vor. Für
jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr will der Bund demnach künftig 10
Euro pro Monat in [2][ein individuelles, kapitalgedecktes
Altersvorsorgedepot] zahlen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital
erst nach Vollendung des 65. Lebensjahrs.
Zuzahlungen sollen bis zu 6.840 Euro im Jahr möglich sein. Das Depot soll
von den Eltern bei einem Anbieter nach Wahl eröffnet werden können oder in
einer öffentlichen Kapitalanlage erfolgen. Die Erträge sollen bis
Auszahlungsbeginn steuerfrei sein. Starten soll die Frühstartrente mit dem
Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab kommendem Jahr soll
jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen dazukommen. Ein Antrag soll
nicht nötig sein.
## Soziales Ziel – Millionen an Kosten
Erklärtes Ziel der Koalition ist, dass auch Menschen mit geringem Einkommen
künftig [3][leichter privat fürs Alter] vorsorgen können. „Heute hängt das
viel zu oft davon ab, ob die Eltern hohe Einkommen oder Vermögen haben“,
sagte Klingbeil den Funke-Medien. Diese Ungleichheit setze sich dann oft
bis ins Alter fort. „Das wollen wir ändern.“
## Wie das Depot funktionieren soll
Das Depot soll von den Eltern bei einem Anbieter nach Wahl eröffnet werden
können oder in einer öffentlichen Kapitalanlage erfolgen. Die Erträge
sollen bis Auszahlungsbeginn steuerfrei sein. Starten soll die
Frühstartrente mit dem Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026.
Ab kommendem Jahr soll jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen
dazukommen.
Auch für frühere Geburtsjahrgänge, jene der unter 18-Jährigen, sollen
Verträge geschlossen werden können, aber ohne staatliche Zuwendungen. Ein
Antrag soll generell nicht nötig sein. Die Ausgaben des Bundes für die
Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und
bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.
## Frühstartrente als Weiterbildung
Mit dem Projekt will die schwarz-rote Koalition laut Gesetzentwurf auch die
Finanzkompetenz in Deutschland stärken. Die Wertentwicklung soll für die
jungen Menschen „in ihren persönlichen Depots unmittelbar erlebbar“ werden,
heißt es aus Ministeriumskreisen. Der Gesetzentwurf spricht von „einer
frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen“ mit den Eltern.
Eltern und Kinder sollten nachvollziehen können, wie sich das Vermögen
entwickele und welche Rolle Kapitalmarktmechanismen für die private
Altersvorsorge spielten. Anbieter und öffentliche Stellen sollen dazu
regelmäßig verständlich und transparent informieren. So sollen Anreize
entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen
fortzuführen.
## Mit Zuzahlung winkt 320.000-Euro-Depot
Inklusive Zinseffekten und Zuschüssen der Eltern rechnet man im
Finanzministerium mit großen Ertragschancen. Zahlen beispielsweise die
Eltern monatlich 10 Euro zu, steigt der Depotwert bis 18 auf rund 4.400
Euro, wie das Ministerium vorrechnet. Mit 65 liegt der Wert bei 107.000
Euro. Schießen die Eltern pro Monat 50 Euro zu, können die Kinder mit 65
mit einem 320.000-Euro-Depot rechnen. Wenn die Eltern nichts dazugeben,
dann liegt der Depotwert mit 18 demnach bei 2.200 Euro und mit 65 Jahren
bei rund 53.000 Euro.
## Was Schwarz-Rot bei der Vorsorge noch plant
Klingbeil wertete die Frühstartrente als „wichtigen Beitrag für eine
bessere Altersvorsorge“. In der Bundesregierung, vor allem im Ressort von
Sozialministerin Bärbel Bas (SPD), ist auch eine große Rentenreform in
Vorbereitung, für die eine Expertenkommission umfangreiche Vorschläge
vorgelegt hatte.
Eine größere Reform der privaten Altersvorsorge hatte Schwarz-Rot bereits
in Angriff genommen. Erklärtes Ziel: Die private Altersvorsorge soll
günstiger, einfacher und unbürokratischer werden. Im Frühjahr hatten sich
Union und SPD im Bundestag auf Änderungen an einer Vorlage Klingbeils
geeinigt. Geben soll es einen Nachfolger für die wenig beliebte private
Riester-Rente. Die Riester-Rente sollte Sicherheit bringen, wenn die
gesetzliche Rente perspektivisch nicht reicht – gefördert mit Zulagen und
Steuervorteilen. Doch viele zahlen nicht weiter in ihre Riester-Verträge
ein oder haben sie gekündigt. Denn die Attraktivität leidet unter der
Null-Risiko-Strategie beim Anlegen und Abschluss- und Verwaltungskosten.
## Neues Altersvorsorgedepot
Eingeführt werden soll nun ein Altersvorsorgedepot, das auch hohe Renditen
am Kapitalmarkt ermöglicht. Der Staat will die Anlagen je nach
Einzahlungshöhe gestaffelt fördern. Von der Frühstartrente soll es nun laut
Gesetzentwurf einen nahtlosen Übergang in die steuerlich geförderte private
Altersvorsorge ab Volljährigkeit geben.
22 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Wahrheit/!6197637
(DIR) [2] /Debatte-ueber-Altersvorsorge/!6132110
(DIR) [3] /Streit-ueber-Rentenpaket/!6126504
## TAGS
(DIR) SPD-CDU-Koalition
(DIR) Rente
(DIR) Börse
(DIR) ETF (Exchange Traded Funds)
(DIR) Aktienrente
(DIR) Bärbel Bas
(DIR) Rente
(DIR) Rente
(DIR) Schwarz-rote Koalition
(DIR) Betriebsrente
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte über Rentenpaket: Bas offen, Söder skeptisch
Wird das Rentenpaket der Bundesregierung im parlamentarischen Verfahren
aufgeschnürt? Ostdeutsche CDU-Regierungschefs hatten Nachbesserungen
verlangt.
(DIR) Koalition uneins bei Rentenreform: SPD-Generalsekretär Klüssendorf will doch „Rente mit 63“
Die Renten-Vorschläge sollten vollständig umgesetzt werden, so Kanzler
Merz. Doch am Aus der abschlagsfreien Frührente gibt es Kritik aus CDU und
SPD. Was nun?
(DIR) Die Wahrheit: Marktteilnehmer im Miniformat
Von Kindesbeinen an sollen künftige Rentner im Kapitalmarkt investieren,
wünscht sich der Kanzler und besucht den ersten Kundenberater.
(DIR) Riester-Rente reloaded: Mehr Rendite und mehr Risiko
Die Bundesregierung möchte die steuerlich geförderte private Altersvorsorge
reformieren. Am Mittwoch entscheidet der Koalitionsausschuss darüber.
(DIR) Pläne der Bundesregierung: Das plant die Koalition bei der Rente
Die Junge Gruppe der Union macht es spannend, doch eine Realisierung der
schwarz-roten Rentenpläne rückt näher. Was kommt bei der Rente auf die
Menschen zu?