# taz.de -- Debatte um schwarzen Cambridge-Professor: Falsch verstandener Antirassismus
       
       > Der tragische Fall des schwarzen Soziologen Jason Arday zeigt, wohin es
       > führt, wenn kritisches Hinterfragen nicht mehr zugelassen wird.
       
 (IMG) Bild: Der Soziologe Jason Arday nahm sich am vergangenen Freitag das Leben
       
       Vor drei Jahren war Jason Arday in Großbritannien ein Star. Die Berufung
       des 37-Jährigen zu einer prestigeträchtigen Professur an der britischen
       Eliteuniversität Cambridge war ein Großereignis. Scheinbar mühelos hatte
       ein Schwarzer mit Autismus aus einfachen Verhältnissen alle Aufstiegshürden
       der von Ungleichheit geprägten britischen Gesellschaft überwunden und war
       an der Spitze der Wissenselite gelandet.
       
       Arday wurde durch TV-Shows gereicht, mit Ehrungen überschüttet, in
       unzählige Gremien berufen und erhielt einen Millionenvorschuss für seine
       Autobiografie. Größen in Wissenschaft und Politik priesen ihn in höchsten
       Tönen als einzigartiges Phänomen, als Stimme der Benachteiligten, als
       neuartige Spezies von Wissenschaftler, der seine Erkenntnisse aus
       tatsächlicher Lebenserfahrung statt aus akademischer Forschung bezieht.
       
       Plagiatsvorwürfe zu seinen Veröffentlichungen und Zweifel an der Qualität
       seiner wissenschaftlichen Arbeit wurden ignoriert oder mit Verweis auf
       seinen Autismus zurückgewiesen. Kritische Nachfragen zum Wahrheitsgehalt
       seines veröffentlichten Werdegangs vom stummen Kleinkind und leseunfähigen
       Teenager über schier übermenschliche sportliche Glanzleistungen zum
       Doktortitelträger mit 31 waren unerwünscht, dafür sorgten Spitzenanwälte
       und am Ende sogar die Polizei. [1][Das moderne, diverse, progressive,
       postimperiale Großbritannien hatte sein Aushängeschild gefunden und es
       verteidigte es mit Entschlossenheit].
       
       [2][Jetzt ist Jason Arday tot]. Erst legte er seine Professur nieder, dann
       nahm er sich das Leben. Großbritannien steht unter Schock und Fragen werden
       gestellt: Ist der junge Ex-Star Opfer einer Hetzjagd geworden, wie sie für
       die unerbittliche britische Medienwelt leider ebenso typisch ist wie das
       unkritische Hochjubeln? Wurde er aus rassistischen Gründen vernichtender
       beurteilt als ein weißer Akademiker? Wenn jemand einen Suizid begeht, der
       zuvor öffentlich an den Pranger gestellt wurde, sind solche Fragen nicht
       nur berechtigt, sondern zwingend.
       
       ## Jede Debatte wurde abgeblockt
       
       Dass die Fragen richtig sind, heißt aber nicht, dass die Antwort darauf Ja
       lautet. Indem Ardays Aufstieg in besonderer Weise öffentlich gefeiert und
       als gesamtgesellschaftlicher Fortschrittsbeweis inszeniert wurde, weckte er
       logischerweise ein besonderes öffentliches Interesse. Unangenehme Fragen
       dazu sind in einer Gesellschaft, der auf diese Weise der Spiegel
       vorgehalten werden soll, nicht rassistisch, sondern legitim. Aber statt
       offen und ehrlich darüber zu reden, blockten diejenigen, die Arday in eine
       untragbare Position gebracht hatten, jede Debatte ab.
       
       Arday ist nicht Opfer von Rassismus geworden. Eher ist er ein Opfer eines
       falsch verstandenen Antirassismus, der Einzelnen willkürlich
       ungerechtfertigte Vorteile verschafft, statt systematisch ungerechtfertigte
       Nachteile auszugleichen. An den resultierenden unauflösbaren Widersprüchen
       ist er zerbrochen. Und es steht zu befürchten, dass niemand die Scherben
       aufsammelt.
       
       Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie Suizidgedanken haben oder sich stark
       belastet fühlen, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge. Sie ist
       rund um die Uhr, anonym und kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 oder
       0800 111 0 222 sowie unter 116 123. Beratung gibt es auch per Chat und
       E‑Mail unter www.telefonseelsorge.de.
       
       17 Aug 2026
       
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