# taz.de -- Aktivist aus Uganda über Hamburger CSD: „Ich habe gemischte Gefühle“
> Ivan Kakonge, 28, schwul und Aktivist, kam 2025 nach Hamburg – aus
> Uganda, wo Homosexualität verboten ist. So geht es ihm vor seinem ersten
> CSD.
(IMG) Bild: Setzte ein Zeichen für queeres Leben: CSD-Parade in Hamburg 2025
Ich lebe seit Herbst 2025 in Hamburg. Als Schwarzer schwuler Mann habe ich
mich, seit ich hier bin, zumindest in dem Viertel, in dem ich wohne, sehr
sicher gefühlt. Mein Freund ist auch erst vor Kurzem nach Deutschland
gekommen. Wir haben uns auf dem Dom geküsst, ohne Angst haben zu müssen,
dass wir nicht akzeptiert werden, weil wir schwul sind – vielleicht
höchstens, weil wir Schwarz sind.
Ich habe mich total darauf gefreut, zum ersten Mal [1][beim CSD in Hamburg
am 1. August dabei zu sein]. Ich wollte schon immer feiern, was Queersein
bedeutet: frei, man selbst zu sein, ohne Angst vor Diskriminierung oder
davor, angegriffen zu werden.
Wenn ich jetzt an den CSD in Hamburg denke, habe ich gemischte Gefühle.
[2][Der Angriff auf den CSD in Berlin] letzten Samstag macht mich tief
traurig. Ein Mensch hat sein Leben verloren, viele weitere wurden verletzt.
Das ist schrecklich und macht mir Angst.
Viele [3][queere Schwarze Afrikaner*innen] kommen wie ich hierher, weil
sie hoffen, hier sicherer zu sein. Viele suchen immer noch nach
Möglichkeiten, nach Europa oder in andere Länder zu kommen, in denen sie
sicher leben können.
Dort, wo ich herkomme, kann ich nicht offen ich selbst sein. Ich kann mich
mit meinem Freund nicht offen in der Öffentlichkeit bewegen, Händchen
halten oder ihn küssen. Ich habe in meinem Land [4][Polizeirazzien erlebt],
bei denen queere Schutzunterkünfte gestürmt wurden und Menschen verletzt
und verhaftet wurden.
Als ich hierherkam, habe ich verstanden, dass diese Probleme nicht nur
Uganda oder andere Länder betreffen, in denen Queersein verboten ist. Ich
habe Schwarze queere Menschen aus anderen afrikanischen Ländern
kennengelernt und Freund*innen aus Kenia gefunden. Als mir klar wurde,
wie wichtig es ist, unsere Community weiter zu unterstützen, habe ich den
[5][Ubuntu Queer Safety Fund] gegründet.
Das Wort „Ubuntu“ bedeutet Zusammenhalt, Zusammenkommen und Familie sein.
Unsere Initiative unterstützt Organisationen, keine Einzelpersonen. Wir
sammeln [6][Spenden für Schwarze queere Organisationen in Afrika] – und ich
verbinde das mit meinem Freiwilligendienst bei Peace Brigades
International. So kann ich meine Menschenrechtsarbeit von Deutschland aus
fortsetzen.
Ich möchte erwähnen, dass ich noch kein deutscher Staatsbürger bin. Ich bin
für einen Freiwilligendienst hier und über ein temporäres Exilprogramm nach
Deutschland gekommen. Ich habe mich bewusst entschieden, keinen Asylantrag
zu stellen.
Ich möchte Optionen haben und mein Leben und meine Würde nicht in die Hände
des deutschen bürokratischen Systems legen, weil ich weiß, was es bedeutet,
hier Schwarz, queer und im Asylverfahren zu sein. Ich bekomme immer wieder
Berichte darüber, wie Schwarze Menschen in diesem Land behandelt werden.
Der Angriff auf den CSD in Berlin war nicht das erste Mal, dass mein Bild
von Deutschland als sicherem Ort für LGBTIQ+-Menschen ins Wanken geraten
ist. Ich habe vor Kurzem einen Artikel darüber gelesen, dass Deutschland
meine lesbische Schwester nach Uganda abgeschoben hat, obwohl sie dort
strafrechtlich verfolgt wird. Wir kommen hierher, um Sicherheit zu finden –
und dann werden wir abgeschoben.
Jetzt ist dieser Angriff in Berlin passiert. Für jemanden wie mich, der mit
Angst und Hass gelebt hat, braucht es sehr viel Mut zu sagen: Ich gehe
trotzdem zum CSD und feiere, wer ich bin.
Und doch werde ich am Samstag in Hamburg auf der Straße sein. Ich werde mit
der Aidshilfe Hamburg mitlaufen. Ein CSD ist eine Feier. Aber als Community
Leader kann ich ihn nicht einfach für mich persönlich, als Einzelperson,
genießen und glücklich sein. Ich werde mitlaufen – aus Solidarität mit
allen Schwarzen queeren Menschen, die an Orten leben, an denen es unsicher
ist, LGBTQI+ zu sein, wo sie Ablehnung, Angriffe, Verhaftungen und Folter
erleben.
Protokoll: Amira Klute
31 Jul 2026
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(DIR) [4] /Gewalt-gegen-LGBTQ-in-Uganda/!6069952
(DIR) [5] https://www.gofundme.com/f/a-communityled-inititiave-supporting-black-queer-persons
(DIR) [6] https://www.gofundme.com/f/a-communityled-inititiave-supporting-black-queer-persons
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