# taz.de -- Mobiles Arbeiten und Belastung: Zu wenig Homeoffice kann stressen
       
       > Homeoffice bleibt Privileg höher Qualifizierter. Wer mehr von zu Hause
       > arbeiten möchte, aber nicht kann, berichtet häufiger von Belastungen.
       
 (IMG) Bild: Bei Akademiker:innen setzen sich zunehmend zwei statt drei Homeoffice-Tage pro Woche durch
       
       Homeoffice ist vor allem in bestimmten Berufsgruppen verbreitet, besonders
       bei Menschen mit akademischer Ausbildung. Wer in Berufen mit notwendiger
       Präsenz arbeitet, etwa in der Pflege, auf dem Bau oder im Einzelhandel,
       kann dagegen meist nicht von zu Hause arbeiten. Eine neue Studie zeigt nun:
       Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, obwohl er das möchte, hat häufiger
       Stress und gesundheitliche Probleme.
       
       Die Untersuchung basiert auf einer wiederholten Befragung von zuletzt 6.200
       Personen im Rahmen des Erwerbspersonenpanels des gewerkschaftsnahen
       [1][WSI-Instituts]. Demnach arbeiteten zuletzt 64,5 Prozent der abhängig
       Beschäftigten ausschließlich im Betrieb oder höchstens zu einem Zehntel von
       zu Hause. Bei Akademiker:innen lag dieser Anteil nur bei etwa einem
       Drittel, bei Beschäftigten mit Berufsausbildung dagegen bei rund zwei
       Dritteln
       
       Die Unterschiede bei der Präsenzarbeit sind zum größten Teil auf die Natur
       der jeweiligen Tätigkeiten zurückzuführen, aber eben nicht nur. „In den
       Branchen der Energieversorgung, der Medien, der Finanzen und in der
       öffentlichen Verwaltung wird relativ viel zu Hause gearbeitet“, schreibt
       Studienautor Helge Emmler. Wenig Homeoffice gebe es hingegen „in den
       Bereichen Baugewerbe, Erziehung, Gastgewerbe, Gesundheit, Handel sowie
       Verkehr und Logistik“.
       
       Unter Akademiker:innen arbeiteten 2025 noch 52 Prozent mindestens die
       Hälfte ihrer Zeit im Homeoffice – ein leichter Rückgang im Vergleich zum
       Vorjahr. Das deutet laut Emmler darauf hin, dass sich bei
       Akademiker:innen zunehmend zwei statt drei Homeoffice-Tage pro Woche
       durchsetzen.
       
       ## Spielraum für Betriebe wäre vorhanden
       
       „Unteren Qualifikationsgruppen“ werde „vielfach gar kein
       arbeitgeberseitiges Angebot unterbreitet, selbst wenn sich ihre Tätigkeit
       für das Homeoffice eignet“, erklärt der Studienautor. Akademiker:innen
       sind deutlich zufriedener mit ihrer Arbeitszeitgestaltung als geringer
       Qualifizierte. Besonders im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen,
       im Einzelhandel sowie in Verkehr und Logistik wünschen sich viele
       Beschäftigte mehr Homeoffice, als sie derzeit nutzen können.
       
       Etwa 40 Prozent der Tätigkeiten eignen sich für regelmäßiges
       [2][Homeoffice.] Nur jede zweite Tätigkeit, die sich dafür eignet, werde
       aber auch „überwiegend im Homeoffice ausgeführt“, so Emmler. Es gibt also
       Spielraum für die Betriebe, ihren Beschäftigten das Angebot für mobiles
       Arbeiten und dessen Umfang zu gestatten oder nicht. Die
       Return-to-Office-Initiativen nach der [3][Coronapandemie] sorgten dabei
       „nicht für einen flächendeckenden Rückgang des Homeoffice, wohl aber für
       einzelne Beschäftigte und Beschäftigengruppen“, heißt es in der Studie.
       
       Wer zwei oder mehr Tage in der Woche weniger im Homeoffice arbeitet, als
       sie es sich wünschen, „leidet unter einer viel höheren Arbeitsbelastung und
       einem schlechteren Gesundheitszustand als andere Beschäftigte“, schreibt
       Emmler. Das Szenario „Ich arbeite weniger im Homeoffice, als ich möchte“
       stehe mit der größten Unzufriedenheit in Verbindung.
       
       Bei fehlender Übereinstimmung zwischen Wunsch und Realität steigen
       familiäre Belastungen und die Jobzufriedenheit sinkt. Der Anteil der
       Beschäftigten mit schlechter Gesundheit war doppelt so hoch, der Anteil
       derjenigen mit belastender Arbeitssituation sogar dreimal so hoch, heißt es
       in der Studie. Damit wird die Möglichkeit zum gewünschten Homeoffice ein
       entscheidender Faktor bei den Arbeitsbedingungen.
       
       Allerdings wünscht sich fast jedeR Zehnte der Befragten weniger Homeoffice.
       Auch in Dienstleistungs- und Kommunikationsberufen möchten einige
       Beschäftigte seltener von zu Hause arbeiten, heißt es in der Studie.
       
       29 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.wsi.de/de/pressemitteilungen-15991-homeoffice-wunsch-und-wirklichkeit-78066.htm
 (DIR) [2] /Homeoffice-senkt-Bedarf/!6088176
 (DIR) [3] /Regeln-zum-Homeoffice/!5955236
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Homeoffice
 (DIR) Arbeit
 (DIR) Studie
 (DIR) Stress
 (DIR) psychische Gesundheit
 (DIR) Hausarzt
 (DIR) Zufriedenheit
 (DIR) Kolumne übrigens
 (DIR) Bundesregierung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Analyse der Kaufmännischen Krankenkasse: Arbeitnehmer:innen sind gestresst wie nie
       
       Mobiles Arbeiten und flexible Arbeitszeiten können auch belastend sein.
       Laut KKH sind Beschäftigte 2025 so häufig wie noch nie stressbedingt
       ausgefallen.
       
 (DIR) Termine beim Hausarzt: Die Diagnose lautet Überlastung
       
       Weniger Geld und bald möglicherweise mehr Arbeit: Die Gesundheitsreformen
       setzen Deutschlands Hausarztpraxen unter Druck. Es drohen längere
       Wartezeiten.
       
 (DIR) Psychologie der Hitze: Das Leben ist hart, bei Hitze eins der härtesten
       
       Hitze hat zahlreiche negative Auswirkungen auf unsere Psyche und unseren
       Umgang miteinander. Ein paar Fakten – und was schnelle Abhilfe schafft.
       
 (DIR) Geschäftszeiten am Sonntag: Freizeit war gestern
       
       Die Zeit auf Erden mag begrenzt sein, die Arbeitszeit bitte nicht – so
       lautet das Evangelium des Kapitals.
       
 (DIR) Arbeitszeitgesetz: Was heißt hier 8-Stunden-Tag?
       
       Die Regierung will das Arbeitszeitgesetz ändern. Ihr Reformentwurf ist für
       Juni angekündigt. Hier vorab die wichtigsten Fragen und Antworten.