# taz.de -- Großbrände in Spanien: Spaniens ländliche Idylle wird zur schwarzen Wüste
       
       > Nur eine Autostunde westlich von Madrid verwüsten Großbrände
       > Erholungsgebiete mit Wäldern und Seen. Sobald der Wind dreht, sind neue
       > Dörfer gefährdet.
       
 (IMG) Bild: Kampf gegen die Flammen in San Martin de Valdeiglesias westlich von Madrid, Sonntag, 26. Juli
       
       Pico Casillas, der Berg mit seinen 1.768 Metern, auf dem ich immer wieder
       saß und die Blicke in die Ferne schweifen ließ – abgebrannt. Der
       jahrhundertealte Kastanienhain am Fuß des Berges, im Tal Richtung El
       Tiemblo – abgebrannt. Das Tal von Iruelas, ein Naturschutzpark mit
       Laubwäldern und einem kleinen Bach, Heimat einer der wichtigsten
       Geierkolonien Spaniens – abgebrannt. Häuser entlang des Stausees Burguillo
       – abgebrannt. Die beiden Campingplätze, einer im Tal von Iruelas, der
       andere gegenüber direkt am Wasser – abgebrannt. Nur ein paar Stangen von
       Vorzelten und ein paar Blechdächer der Mobilehomes zeugen dort vom
       einstigen Ferien- und Wochenendparadies.
       
       Hier, eine Autostunde westlich der spanischen Hauptstadt, wo sich am Rio
       Alberche die beiden Gebirgszüge [1][Sierra de Guadarrama] – volkstümlich
       Sierra de Madrid genannt – und [2][Gredos] die Hand reichen, liegt das
       Epizentrum der größten Brandkatastrophe, die die bewaldete bergige Gegend
       zwischen den Provinzen Madrid, Avila und Toledo bisher gesehen hat.
       
       Über 40.000 Hektar sind verbrannt, die Hälfte davon Wald. Natur und
       Viehzucht sind einer schwarzen staubigen Wüste gewichen. 90.000 Menschen
       wurden evakuiert.
       
       Die Videos, die der Pächter der beiden Campingplätze im Netz veröffentlicht
       hat, gingen durchs Fernsehen. Auf einer Aufnahme ist zu sehen, was für elf
       Jahre unser zweites Zuhause war: ein Blechdach, das Gehäuse der
       Klimaanlage, ein verkohlter Holzpfosten, ein Grill und drei Gasflaschen.
       „Wir sind am Boden zerstört“, schreibt uns die junge Familie, die unser
       Häuschen voller Begeisterung für das Leben am See übernommen hatte.
       
       ## Starke Winde fachen die Flammen an
       
       Am Sonntag kämpften die Einsatzkräfte noch immer, um das Feuer an allen
       Flanken einzudämmen. Starke Winde machen dies immer wieder unmöglich.
       Sobald der Wind dreht, nehmen die Flammen Dörfer ins Visier, die bisher als
       sicher galten. Selbst 30 Kilometer entfernt, dort, wo wir jetzt wohnen,
       fühlen sich die Menschen nicht wirklich sicher, denn das Feuer hat in den
       vergangenen Tagen Dutzende Kilometer zurückgelegt. An einer Stelle drei
       Kilometer in nur 40 Minuten.
       
       Es hat viel geregnet im Winter und im Frühjahr. Die Vegetation wuchs
       schnell und üppig. Seither [3][ist es trocken], viel zu trocken. Ein Funke
       reicht, damit ein Brand entsteht, der schon kurz darauf völlig
       unkontrollierbar ist. So etwa am Oberlauf der Río Alberche, am beliebten
       Urlaubsörtchen Burgohondo mit seinen alten Gebäuden und einer Steinbrücke
       über den Fluss.
       
       Hier entstand einer der drei Hauptbrände, die sich mittlerweile fast zu
       einem zusammengetan haben. Trotz striktem Verbot arbeitete ein mittlerweile
       inhaftierter junger Mann mit einer schweren Landmaschine und schlug Funken.
       Das Tal stand blitzschnell in Flammen.
       
       Im Ort heißt es, der Arbeiter sei als Leugner des Klimawandels bekannt und
       Sympathisant der rechtsextremen VOX. Das würde nicht wundern. Denn bei
       einem anderen Großbrand in Zentralspanien war es ein VOX-Bürgermeister, der
       sich über das Ernteverbot mit Mähdreschern hinwegsetzte. Ein Funke – und
       zurück blieben 32.000 Hektar verbrannte Berge und Wiesen. Das Feuer ist
       auch zwei Wochen danach noch nicht erloschen.
       
       35 Kilometer weiter östlich, den Fluss hinab, in San Martín de
       Valdeiglesias in der Provinz Madrid, geriet kurz vor dem Ortseingang ein
       Auto in Brand. Polizisten am Kreisverkehr und die Feuerwehr kamen schnell,
       aber nicht schnell genug. Die Flammen in der Vegetation schlugen bereits
       meterhoch. Das Feuer breitete sich mit großer Geschwindigkeit aus.
       
       20 Kilometer weiter südlich in Almorox, in der Provinz Toledo, brannte es
       da bereits und erste Wohngebiete, idyllisch im Wald gelegen, meist in
       Besitz von naturbegeisterten Hauptstädtern, mussten schon evakuiert werden.
       Die Polizei sucht noch nach der Brandursache.
       
       ## Während der Pandemie zogen viele Hauptstädter hinaus
       
       Das Grenzgebiet zwischen den Provinzen Madrid, Avila und Toledo ist seit
       jeher eng mit Madrid verbunden. So mancher zog von hier auf der Suche nach
       Arbeit in die Hauptstadt, ohne die Bande mit „meinem Dorf“ ganz abreißen zu
       lassen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Gegend umgekehrt auch bei den
       Hauptstädtern immer beliebter.
       
       Berge, Wälder unterbrochen von Weiden mit alten Bäumen laden zum Wandern
       und Biken; mehrere Stauseen entlang des Rio Alberche zum Baden und
       Wassersport, oder einfach nur zum Ausruhen. Es ist ein Stück ländliche
       Idylle in unmittelbarer Nähe zum Moloch Madrid mit seinen dicht bevölkerten
       Vororten.
       
       So mancher, der als „Dominguero“ – Wochenendausflügler – kam, kaufte sich
       etwas und blieb. Viele zogen nach der Covid-Pandemie endgültig um. Und wer
       nach Madrid muss, hat guten Anschluss an die Hauptstadt.
       
       Es ist flächenmäßig [4][nicht die größte Brandkatastrophe], die Spanien
       bisher gesehen hat. Aber es betrifft eine Gegend mit viel mehr Menschen. Es
       sind vor allem Häuser bedroht, die in den letzten Jahrzehnten außerhalb der
       Ortschaften inmitten von Pinienhainen entstanden. Sie sind bei solchen
       Großbränden nur schwer zu schützen.
       
       Die Rettungskräfte arbeiten koordiniert durch die Zentralregierung, die den
       nationalen Notstand ausgerufen hat – zum ersten Mal bei einem Waldbrand.
       Ihr Ziel: Das Feuer eindämmen und vor allem verhindern, dass es sich
       ausbreitet – etwa in Richtung Weltkulturerbe El Escorial oder gar gen
       Süd-Osten, in die ersten Vororte Madrids.
       
       26 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Sierra_de_Guadarrama
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Sierra_de_Gredos
 (DIR) [3] /Foerster-ueber-Waldbraende-in-Spanien/!6179367
 (DIR) [4] /Nach-den-Waldbraenden-in-Spanien/!6116058
       
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 (DIR) Reiner Wandler
       
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