# taz.de -- Waldbrände in Frankreich: Kranke Helden der Nation
       
       > Die großen Brände in Frankreich scheinen zunächst unter Kontrolle. Die
       > eingesetzten Feuerwehrleute fürchten die Langzeitschäden für ihre
       > Gesundheit.
       
 (IMG) Bild: Vor dem dichten Rauch und den darin enthaltenen Schadstoffen sind Frankreichs Feuerwehrleute nicht ausreichend geschützt
       
       In der südwestfranzösischen Gironde sind die Brände vorerst einigermaßen
       stabilisiert, doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Die Erfahrung
       in einer anderen Gegend, dem Département Var im Hinterland der Côte d’Azur,
       belegt, dass ein Feuer, das [1][nach tage- und nächtelangem Einsatz] unter
       Kontrolle war, vom Mistral erneut angefacht plötzlich wieder ausbrechen und
       sich buchstäblich in Windeseile ausbreiten kann. Wegen der besonders hohen
       Temperaturen, 40 Grad im Schatten, bleibt die Waldbrandgefahr vor allem in
       der südlichen Landeshälfte höchstakut.
       
       Die Regierung in Paris denkt dennoch schon an das Danach: Premierminister
       Sébastien Lecornu zieht eine vorläufige Bilanz und spricht in einem
       Interview vom Wiederaufbau der heimgesuchten Zonen. Schon jetzt ist klar,
       dass es [2][der schlimmste Waldbrandsommer der letzten Jahre] war, denn
       bereits weit mehr als 100.000 Hektar Flächen sind zerstört.
       
       Bis auf diesen rußgeschwärzten und zum Teil noch wegen unterirdisch
       schwelender Glut brandgefährlichen Böden wieder ein Wald stehen könnte,
       dürfte es Jahrzehnte dauern. Und viele Mitbürger*innen haben alles
       verloren, sie können nur hoffen, dass ihnen die Leistungen der
       Versicherungen einen Neuanfang ermöglichen.
       
       Die französischen Feuerwehrleute, die, unterstützt von Löscheinheiten aus
       mehreren europäischen Ländern und zivilen Freiwilligen, weiterhin und
       manchmal mit geradezu lächerlich ungenügenden Mitteln gegen das
       übermächtige Feuer kämpfen, werden als die Helden der Stunde gefeiert. Doch
       wer denkt auch später noch an sie? Sie selbst fürchten, das vergessene
       Kapitel der offiziellen Bilanz zu werden.
       
       ## Gegen den eingeatmeten Rauch kaum geschützt
       
       Allein im Monat Juli haben vier Feuermänner im Einsatz das Leben verloren.
       Hunderte wurden, zum Glück meist leicht, verletzt. Unter anderem wurden 129
       Fälle von Rauchvergiftungen registriert. Die Männer und Frauen, die mit
       ihren Fahrzeugen und dann zu Fuß viele Stunden lang gegen die Flammen
       kämpfen oder die letzten Brandherde zum Erlöschen bringen, sind sehr
       exponiert.
       
       Sauerstoffflaschen mit Atemmasken wären da auf die Dauer zu schwer und
       unbequem. Darum dient ihnen meistens bloß ein Schlauchtuch als Schutz.
       Diese aber nützen kaum etwas als Filter für die Rauchpartikel. Ein
       CGT-Gewerkschaftssprecher der Feuerwehr, Sébastien Delavoux, sagte der
       Zeitung Le Monde, wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass dieser
       „klassische“ Gesichtsschutz so effizient sei „wie ein Schmetterlingsnetz,
       um Elektronen zu fangen“.
       
       Zwar gebe es auch (in Frankreich entwickelte) Schlauchtücher aus einem
       Material mit weit besseren Filtereigenschaften. Diese werden beispielsweise
       serienmäßig in Japan eingesetzt. Doch für die französischen
       Feuerwehreinheiten, die mit begrenzten Geldmitteln auskommen müssen,
       angeblich zu teuer! Sie müssen als „Ersatz“ mit FFP3-Masken aus der Zeit
       der Corona-Epidemie improvisieren.
       
       Vor allem aber müssen die Feuerwehrleute neben den unmittelbaren
       Beschwerden in Kauf nehmen, dass die von ihnen mit dem Rauch eingeatmeten
       Partikel viel später schwere Gesundheitsschäden zur Folge haben. Der Rauch
       enthält – je nach den verbrannten Materialien – neben den Gasen wie
       Kohlenmonoxid auch Schwermetalle, Pestizide und andere diverse giftige
       Moleküle, die als krebserregend oder -fördernd bekannt sind.
       
       Als von der Krankenkasse anerkannte „Berufskrankheiten“ gelten viele Tumore
       aber (noch) nicht. In vielen Fällen von Krebs ist es daher an den
       Betroffenen, einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und den
       Rauchvergiftungen beim Einsatz zu beweisen. Ein Feuerwehroffizier meint mit
       bitterem schwarzen Humor in Le Monde dazu: „Wenn wir [bei der Feuerwehr]
       mehr Bestattungen als Hochzeiten organisieren, ist das nicht wegen der
       Flammen, sondern wegen Krebs.“
       
       2 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Feuergewitter-in-Suedwestfrankreich/!6200035
 (DIR) [2] /Waldbraende-in-Frankreich/!6199203
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Feuerwehr
 (DIR) Krebs
 (DIR) Schwerpunkt Frankreich
 (DIR) Hitze
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) USA
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Reiseland Frankreich
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Forstwissenschaftler über Brände: „Der Mythos vom Brandstifter hält sich hartnäckig“
       
       In Europa brennt es. Menschen müssen fliehen, manche starben.
       Forstwissenschaftler Alexander Held spricht über das Feuer und was wir
       dagegen tun können.
       
 (DIR) Waldbrände in Europa und den USA: Zehntausende müssen fliehen
       
       In den Niederlanden lodert es in einem Naturschutzgebiet, im US-Bundesstaat
       Washington sind mehr als 700 Gebäude abgebrannt. Auch in Griechenland
       brennt es.
       
 (DIR) Waldbrand in Washington: Flammen zerstören Teile der US-Großstadt Spokane
       
       Ein Waldbrand im Nordwesten der USA hat bereits hunderte Häuser in der
       Stadt Spokane zerstört. Zehntausende Menschen mussten den Ort verlassen.
       
 (DIR) Feuergewitter in Südwestfrankreich: Der Feind der Feuerwehr
       
       In der Gironde kämpfen Einsatzkräfte unentwegt gegen die großen Waldbrände.
       Dabei haben sie einen gefährlichen und noch unbekannten Gegner.
       
 (DIR) Waldbrände in Frankreich und Spanien: Hitzewelle naht – Feuer bei Bordeaux bleibt Herausforderung
       
       Die Brände bei Bordeaux bedrohen nicht nur Wälder, sondern auch das
       Tourismusgeschäft. Ein erstes Brandgebiet bringt die Feuerwehr jetzt unter
       Kontrolle.
       
 (DIR) Waldbrände in Frankreich: Urlaubsparadies am Atlantik wird zur Feuerhölle
       
       Das Ausmaß der gegenwärtigen Waldbrände in Südfrankreich übersteigt alles
       bisher Dagewesene. Mehr als 250.000 Menschen mussten bereits evakuiert
       werden.