# taz.de -- Selenskyj und Netanjahu in Washington: Gemischte Gefühle
       
       > Nacheinander empfängt Trump den israelischen und den ukrainischen
       > Staatschef im Weißen Haus. Die Treffen stehen unter sehr
       > unterschiedlichen Vorzeichen.
       
 (IMG) Bild: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kommt am Weißen Haus an (28. 7. 2026)
       
       US-Präsident Donald Trump begrüßte am Dienstag gleich zwei Staatschefs zu
       Gesprächen im Weißen Haus. Sowohl der ukrainische Präsident Wolodymyr
       Selenskyj als auch der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu
       reisten nach Washington, um dort über [1][die anhaltenden Konflikte in der
       Ukraine] und im Nahen Osten zu sprechen. Anlass des Besuchs war auch
       [2][eine Trauerfeier des vor kurzem verstorbenen Senators Lindsey Graham].
       Der Republikaner aus South Carolina war einer der größten Unterstützer
       beider Länder mit direktem Draht zu Donald Trump.
       
       Dabei reisten Netanjahu und Selenskyj unter unterschiedlichen Vorzeichen in
       die USA. Trumps und Netanjahus Verhältnis hat während des Irankrieges stark
       gelitten. Die wechselhafte Beziehung zwischen dem US-Präsidenten und
       Selenskyj ist dagegen aktuell auf einem Hoch. Wurde Selenskyj von Trump im
       vergangenen Jahr noch aus dem Weißen Haus geschmissen, so ist die
       US-Regierung aktuell eher gewillt, die Ukraine zu unterstützen. Während des
       Nato-Gipfels in Ankara vor wenigen Wochen hatte Trump endlich verkündet,
       dass die Ukraine eine Lizenz erhalten würde, um das amerikanische
       Patriot-Luftabwehrsystem selbst herzustellen – die Erfüllung eines
       langgehegten Wunsches aus Kyjiw.
       
       Selenskyj erklärte nach dem nicht-öffentlichen Treffen am Dienstag in einem
       Post auf X, dass das Gespräch mit Trump gut verlaufen sei. „Der Präsident
       und ich haben über Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abfangraketen
       sowie über verschiedene weitere Ideen gesprochen, die hilfreich sein
       könnten. Zudem haben wir über Diplomatie gesprochen – es ist wichtig, dass
       der diplomatische Prozess neuen Schwung erhält“, schrieb der ukrainische
       Präsident nach dem Treffen im Oval Office. Auch das Weiße Haus bezeichnete
       das Treffen als „positiv und produktiv“.
       
       ## Senat stimmt für Russland-Sanktionen
       
       Der US-Präsident, der in der Vergangenheit die anhaltende Unterstützung der
       Ukraine oft infrage gestellt hatte, hat sich aktuell auf die Seite von
       Kyjiw geschlagen. Es ist jedoch weiterhin Europa, das die Ukraine mit
       Finanz- und Rüstungspaketen vorrangig unterstützt.
       
       Nach dem Besuch im Weißen Haus traf sich [3][Selenskyj] mit Vertretern des
       Rüstungskonzerns Lockheed Martin – Hersteller des Patriot-Systems – und
       einer Gruppe von US-Senator:innen.
       
       Der Senat stimmte wenig später mit deutlicher Mehrheit für die
       Verabschiedung von Russland-Sanktionen. Nach mehr als einem Jahr der
       Verhandlungen wurde das Gesetzgebungsverfahren vorangetrieben, das darauf
       abzielt, Drittländer zu sanktionieren, die weiterhin russisches Öl, Gas und
       andere Güter importieren, darunter China und Indien.
       
       ## Netanjahu spricht von „hervorragendem“ Treffen
       
       Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu traf nach Selenskyj im
       Weißen Haus ein und sprach für etwa eine Stunde mit Trump. Es war das erste
       Treffen zwischen den beiden Staatschefs nach dem Beginn des Irankriegs Ende
       Februar.
       
       Wirkte das Verhältnis der beiden zu Beginn des Konflikts noch enger als
       jemals zuvor, hat der Krieg inzwischen für Unstimmigkeiten gesorgt. Dass
       Trump den israelischen Premierminister als „fucking crazy“ (völlig
       verrückt) bezeichnete, ist noch keine zwei Monate her.
       
       Trump möchte den Krieg so schnell wie möglich siegreich beenden, da eine
       langwierige militärische Auseinandersetzung politisch gefährlich werden
       könnte. Netanjahu hingegen, der im Oktober zur Wiederwahl kandidiert, würde
       den Krieg gerne fortsetzen, um das iranische Regime und die vom Iran
       unterstütze Terrormiliz Hisbollah im Libanon vollständig zu besiegen.
       
       Da Iran zu Israels Erzfeinden zählt, könnte eine Fortsetzung der
       Kriegshandlungen ihm helfen, die rechte Koalition hinter sich zu vereinen
       und ihm zu einem weiteren Wahlsieg verhelfen. Das gemeinsame Ziel, dass der
       Iran „niemals an eine [4][Atomwaffe] gelangt“ bleibt jedoch bestehen, wie
       Netanjahu nach seinem Besuch im Weißen Haus erklärte.
       
       Ob Netanjahu sich tatsächlich bremsen kann, muss sich jedoch erst noch
       zeigen. [5][Im Libanon, wo das israelische Militär weite Teile des Südens
       besetzt hält], hat Israel zugestimmt, der libanesischen Armee als Teil
       eines Pilotprogramms die Stationierung in einigen Dörfern zu erlauben.
       
       Nach Angaben des US-Außenministeriums findet die nächste Gesprächsrunde
       zwischen Israel und dem Libanon kommende Woche in Rom statt. Dabei soll die
       Ausweitung des Programms im Mittelpunkt stehen.
       
       29 Jul 2026
       
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